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Energiekosten

Der Gasmarkt steht Kopf

23.11.2009 | Autor / Redakteur: Manfred Panitz / Annedore Munde

Mitten in Deutschland liegt die Verdichterstation Reckrod. In dieser Station treffen sich die Ferngasleitungen Midal und Stegal.Bild: Wingas
Mitten in Deutschland liegt die Verdichterstation Reckrod. In dieser Station treffen sich die Ferngasleitungen Midal und Stegal.Bild: Wingas

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Die globale Wirtschaftskrise stellt die Erdgaswelt auf den Kopf. Preise und Absatz sind eingebrochen. Sowohl der krisenbedingte Nachfrageeinbruch als auch das unerwartet rasch steigende Angebot sind hierfür verantwortlich. Anders als der Ölpreis hat sich der Gaspreis jedoch bisher kaum wieder erholt.

Am Erdgasmarkt haben Einkäufer zurzeit die besseren Karten. Im Überangebot leiden die Produzenten an der Ölpreisbindung. Sie macht das Gas unnötig teuer. In der EU drosselten die Industriekunden im ersten Halbjahr 2009 ihre Abnahme um mehr als 10%. Der Gesamtverbrauch schrumpfte über die Heizperiode von Oktober 2008 bis Mai 2009 um 9%. Ein Verkäufermarkt hat sich binnen Jahresfrist in einen Käufermarkt verwandelt.

Auch die Machtverhältnisse verändern sich. Die russische Gasprom verliert in Westeuropa laufend Marktanteile an Norwegen. Zu Jahresanfang brachte sich die Gasprom selbst um ihre Absatzmengen. Sie füllte die Transitleitung durch die Ukraine nicht mehr. Norwegen sprang ein und liefert seither neben den vertraglich vereinbarten Mengen zusätzlich auch Gas ohne Ölpreisbindung an den Handelsplatz in Groß-britannien.

Naturgasvorräte reichen noch mindestens 60 Jahre

Im Vergleich zu Erdöl sind reichhaltige Reserven an Naturgas vorhanden. Nachgewiesene Mengen reichen für mindestens 60 Jahre. Weitere Vorkommen sind kaum erforscht. Zudem macht die Fördertechnologie rasante Fortschritte. Insbesondere verflüssigtem Naturgas (LNG) prog-nostizieren Experten ein starkes Wachstum. Es ist für den Transport nicht an Pipelines gebunden.

Bis 2030 soll sich das Volumen des Welthandels mit LNG verdreifachen, auf 650 bis 750 Mrd. m3 im Jahr. Europa könnte seine Bezüge sogar von 53 bis auf 230 Mrd. m3 erhöhen. Schon heute wird LNG rund um den Globus transportiert.

Gaskunden suchen zunehmend preiswertere Versorger

Auf dem deutschen Gasmarkt nimmt der Wettbewerb allmählich Fahrt auf. Binnen eines Jahres verdreifachte sich die Zahl der Haushalte, die sich für einen anderen Lieferanten entschieden. Waren 2007 erst rund 100000 Wechsel zu verzeichnen, so kündigten im vorigen Jahr 353000 Haushalte ihrem früheren Gasversorger. Das geht aus dem jüngsten Marktüberwachungsbericht der Bundesnetzagentur hervor.

Verglichen mit dem Strommarkt ist die Quote aber nach wie vor gering. Dort hatten 2008 rund 2,11 Mio. Haushaltskunden den Lieferanten gewechselt, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Angesichts der hohen Einsparmöglichkeiten zeigt die Kurve der Wechsel auch in diesem Jahr steil nach oben. Laut VEA können Unternehmen zurzeit Einsparungen von bis zu einem Drittel des bisherigen Preises realisieren.

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