Hannover-Messe 2008 Der Kostendruck auf die deutsche Zulieferindustrie wird bedrohlich

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Eine gute Auftragslage und Kapazitätsauslastung sind derzeit kennzeichnend für die deutschen Zulieferer. Dennoch trüben sich deren Erwartungen, was die zukünftige Entwicklung anbelangt. Einen Grund dafür ist, wie Dr. Theodor Lutz Tutmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), Hagen, auf der Hannover-Messe 2008 betonte, weiter steigende Rohstoff- und Energiepreise. So sei Stahl heute doppelt so teuer wie vor vier Jahren. Im gleichen Zeitraum habe sich Energie um 30% verteuert. Andererseits bereiteten „aktuelle brutale Sparprogramme“ der Automobilindustrie große Sorgen.

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Dr. Theodor Lutz Tutmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (links), und Stefan Beißwenger, Rohstoffexperte bei der Wirtschaftsvereinigung Metalle, fordern auf der Hannover-Messe 2008 von der Rohstoffindustrie mehr freien Marktzugang und von der Automobilindustrie, bei Sparmaßnahmen Maß zu halten. Bild: Kraus
Dr. Theodor Lutz Tutmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (links), und Stefan Beißwenger, Rohstoffexperte bei der Wirtschaftsvereinigung Metalle, fordern auf der Hannover-Messe 2008 von der Rohstoffindustrie mehr freien Marktzugang und von der Automobilindustrie, bei Sparmaßnahmen Maß zu halten. Bild: Kraus
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Hannover-Messe ging Tutmann auf diese besorgniserregende Sandwich-Position der deutschen Zulieferer ein. Man werde „kräftig gedrückt von zwei Seiten“. Die Gefahr des Erdrücktwerdens sei daher groß, ein weiterer Rückgang der schon mageren Margen bedrohlich. So fordert Tutmann die Automobilindustrie auf, „bei allen Sparprogrammen Maß zu halten“.

Auf der Rohstoffseite hofft man auf politische Unterstützung. Auf der Pressekonferenz im Rahmen der Hannover-Messe berichtete Stefan Beißwenger, Rohstoffexperte bei der Wirtschaftsvereinigung Metalle e. V., von einer mit der Bundesregierung gemeinsam entwickelten Rohstoffstrategie. Sie soll helfen, den Zugang zu den Rohstoffmärkten zu sichern.

Allerdings sind laut Beißwenger die Möglichkeiten der nationalen Politik, gegen Handels- und Wettbewerbsverzerrungen von Ländern wie Russland und China vorzugehen, begrenzt. Die Kompetenz liege bei der Europäischen Union. Von ihr erwartet der Rohstoffexperte, gegen die Verzerrungen vorzugehen.

Nur ein freier Wettbewerb sorge für ein Kräftegleichgewicht am Markt. Das sei die Basis dafür, dass die deutsche Zulieferindustrie wirtschaftlich bleibe. Im vergangenen Jahr stieg der Gesamtumsatz der deutschen Zulieferer um 8,6%. Zugleich schuf die Branche 30 000 Arbeitsplätze.

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