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Digitalisierung

Der Mittelstand muss Self Disruption noch lernen

| Autor / Redakteur: Raimund Schlotmann / Stefanie Michel

Raimund Schlotmann: „Mittelständler müssen sich keinesfalls verrückt machen lassen. Sie sollten statt dessen die neuen Möglichkeiten für sich nutzen – rational und gleichzeitig mit der nötigen Portion Kreativität und Wagemut.“
Raimund Schlotmann: „Mittelständler müssen sich keinesfalls verrückt machen lassen. Sie sollten statt dessen die neuen Möglichkeiten für sich nutzen – rational und gleichzeitig mit der nötigen Portion Kreativität und Wagemut.“ (Bild: Procad)

Die Digitalisierung verlangt es von Mittelständlern aus dem technologischen Umfeld, ebenso innovativ zu sein wie ein Start-up – und dies parallel zum etablierten Geschäftsbetrieb. Vielen fällt dieser Spagat noch schwer.

Deutsche Ingenieure und Ingenieurinnen wissen, wie man Technologien verfeinert und bis zur Weltspitze weiter treibt. Die derzeitige Digitalisierung verlangt ihnen aber mehr ab. Wer als Etablierter auf bloße technologische Weiterentwicklung setzt, läuft Gefahr, von einem bis gestern noch völlig Unbekannten überrollt (oder disrumpiert) zu werden. Die digitalen Geschäftsansätze haben das Potenzial, traditionelle Modelle komplett umzustrukturieren oder gar zu zerschlagen. Und dies geschieht in einem Tempo, das wir uns bislang nicht hätten träumen lassen. Die Herausforderung ist dabei nicht in erster Linie die Technologie, sondern die massive und schnelle Änderung der Regeln, unter denen das Geschäft betrieben wird.

Disruptive Innovation findet vor allem über das Geschäftsmodell statt und weniger über technologische Differenzierung. Darin liegt für deutsche Mittelständler im Maschinen- und Anlagenbau oder anderen Branchen die zentrale Herausforderung bei der Digitalisierung.

Wie der Mittelständler fit für die (digitale) Zukunft wird

Wie der Mittelständler fit für die (digitale) Zukunft wird

29.06.18 - Die Themen rund um Digitalisierung, Vernetzung und Industrie 4.0 prasseln regelrecht auf die Unternehmen ein. Wie sich vor allem Mittelständler für die Digitalisierung fit machen können, beschreibt Procad-Geschäftsführer Raimund Schlotmann in seinem Fachbuch. lesen

Digitalisierung neben dem bestehenden Geschäftsmodell aufbauen

Start-ups und andere Innovatoren der Digitalisierung können unbeschwert von „Altlasten“ an eine Sache herangehen. Sie sind von Natur aus motiviert und keiner Bedrohung ausgesetzt (stellen sie vielmehr selbst dar). In Geschwindigkeit und Kreativität sind sie dem im Tagesgeschäft verhafteten Unternehmen ohne Zweifel voraus. Dieses steht vor der Aufgabe, sein bestehendes Modell weiterlaufen zu lassen, um Innovationen wirtschaftlich abzusichern. Etablierte Unternehmen können nicht mal eben alles hinter sich lassen und mit voller Kraft an neuen Ideen arbeiten. Gleichzeitig muss das Modell transferiert werden. Es heißt daher, zweigleisig zu fahren.

Wie funktioniert Self Disruption aus voller Fahrt? Wie kann man unbelastet von existierenden Verpflichtungen dynamisch und mit gleichem Enthusiasmus wie ein Silicon-Valley-Start-up neue Wege sondieren? Einen Königsweg gibt es dafür nicht. Es gilt, unter Einsatz der eigenen Assets, das heißt seiner heutigen Erfolgsbasis, zu agieren und gleichzeitig selbst disruptiv zu handeln und sein Geschäftsmodell neu zu denken. Nur dann agiert man, anstatt vielleicht sogar ängstlich auf vermeintliche Bedrohungen von außen zu reagieren. Daran unterscheidet sich, wer mit der digitalen Transformation nach oben schwimmt oder mit ihr untergeht.

Das Internet als funktionale Basis für die Digitalisierung

Der deutsche Mittelstand kann diesen Weg selbstverständlich mitgehen, und zwar genau mithilfe der neuen technologischen Möglichkeiten. In der Vergangenheit war es so, dass bestimmte technologische Sprünge nur mit einem für den Mittelstand nicht zu bewältigenden Investment möglich waren. Durch die Digitalisierung stehen nun Technologien cloudbasiert, kostengünstig und nahezu beliebig skalierbar zur Verfügung. Das Internet hat die funktionale Basis geschaffen, auf der durch die Digitalisierung wirkliche disruptive Innovationen möglich sind.

Jedes Unternehmen kann die Digitalisierung und den technischen Fortschritt nutzen, um selbst neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, zusätzliche Absatzkanäle zu erschließen und die Online- mit der Offline-Welt zu verbinden – kurz: die digitale Transformation nach eigenem Gusto zu gestalten und sich selbst disruptiv zu verhalten.

Vor diesem Hintergrund müssen sich Mittelständler aus dem technologischen Umfeld keinesfalls verrückt machen lassen. Sie sollten statt dessen die neuen Möglichkeiten für sich nutzen – rational und gleichzeitig mit der nötigen Portion Kreativität und Wagemut. Die Möglichkeit zur disruptiven Innovation ist keine schlechte, sondern eine spannende, motivierende Nachricht. Es kommt lediglich darauf an, ob man von der Disruption „überrollt“ wird oder mit am Steuer sitzt. Wesentliche Faktoren bei der Gestaltung neuer Geschäftsmodelle sind übrigens Timing und Management. Und man muss nicht der „Early Bird“ sein, sondern richtig vorbereitet, wenn die „Early Majority“ der Kunden kommt, die das neue Produkt oder den neuen Service nachfragt.

* Raimund Schlotmann ist Geschäftsführer der Procad GmbH & Co. KG in 76131 Karlsruhe

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