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Finanzierung

Der richtige Weg

28.09.2006 | Redakteur: MM

Rating ist eine Art Zeugnis, das die Bonität von Schuldnern beurteilt. Die zunehmende Globalisierung führt zu einer Verzahnung der weltweiten Geld-, Kredit- und Kapitalmärkte.

Rating ist eine Art Zeugnis, das die Bonität von Schuldnern beurteiltDie zunehmende Globalisierung führt zu einer Verzahnung der weltweiten Geld-, Kredit- und Kapitalmärkte. Um die zunehmende Komplexität der Finanzmärkte bewältigen zu können, sind Investoren, Emittenten und andere Marktteilnehmer auf Informationsinstrumente angewiesen, die den Markt transparenter machen und international anerkannt sind. Rating ist ein solches Instrument, das eine Fülle von Fakten zu einem knappen Urteil komprimiert und in eine internationale Fachsprache übersetzt. Ratings sind eine Art Zeugnis, in dem die Bonität von Schuldnern ,,benotet" wird.Solch ein Zeugnis ist ein wichtiges Instrument, um den Preis für Fremdkapital, den Zins, bestimmen zu können: Ist die Kreditwürdigkeit gut, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es bei der Rückzahlung der Verbindlichkeit zu Schwierigkeiten kommt - dann kann der Zins niedriger ausfallen.Zukunftsgerichtete Zahlen fallen schwer ins GewichtDie herkömmliche Kreditwürdigkeitsprüfung stützt sich im Wesentlichen auf die Bilanz, in der der Kaufmann nach § 242 Abs. 1 Satz 1 HGB ......das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden .......darzulegen hat. Im Rahmen der Bilanzanalyse wird also hauptsächlich Zahlenmaterial untersucht, um Kenntnis von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zu gewinnen. Es zeigt sich, dass die Analyse stark vergangenheitsorientiert ist. Anders beim Rating: Hier werden außer diesen quantitativen Aspekten deutlich mehr Positionen und Beurteilungsfelder untersucht.Rating versucht Kriterien zu erfassen, die sich noch nicht in den reinen ,,Zahlen" niedergeschlagen habe, wie zum Beispiel die Branchenentwicklung oder die Qualität des Managements (sogenannte qualitative Aspekte).Hier gehen die bekannten Merkmale einher mit einer Benotung, die international anerkannt wird und deren Bedeutung im mittelständischen Bereich nahezu unbekannt ist. Daher gehen die für den Mittelstand bedeutsamen Banken wie Raiffeisen- und Volksbanken und die Sparkassen dazu über, eine eigene Skalierungsmöglichkeit, die vom internationalen Standard abweicht, einzuführen und in Gebrauch zu nehmen.Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die sich dramatisch ändernde Markt-, Wettbewerbs- und Kapitalmarktsituation in Zukunft ein anderes Denken und Handeln verlangt. Heute konkurrieren Unternehmen in einem wesentlich komplexeren Umfeld. Erfolgreiche Unternehmensführung bedeutet daher vor allem das Management von Veränderungsprozessen (Grundsatz des lebenslangen Lernens). Hier kann die Durchführung eines Ratings zu wertvollen Erkenntnissen und Anregungen führen, wie sich die Markt- und Wettbewerbssituation eines Unternehmens steigern lässt.Ein veröffentlichtes Rating ist für alle Rating-Adressaten (Gläubiger, Investoren, Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter) ein Vertrauen erweckendes Signal. Schon allein die Bereitschaft des Unternehmens, sich beurteilen zu lassen, wird als Indiz seiner Stärke gewertet.Allein die Tatsache, dass und unter Umständen wie sein Unternehmen geratet wurde, kann der Unternehmer - wenn er will - bekannt geben. Das Risiko eines Unternehmens besteht in der Möglichkeit einer negativen Abweichung des tatsächlichen Ergebnisses einer unternehmerischen Aktivität von dem erwarteten Ergebnis beziehungsweise von den Unternehmenszielen.Der Begriff Ratingagentur ist nicht gesetzlich geschütztDie beiden großen unternehmerischen Herausforderungen - Deckung des Kapitalbedarfs und Bewältigung von Unternehmensrisiken - lassen sich mit den Instrumenten Risikomanagement und Rating bewältigen, wobei beide in einer engen Wechselbeziehung zueinander stehen. Das Vorhandensein eines gut funktionierenden Risikomanagementsystems fließt als positiver Faktor in die Rating-Analyse mit ein, insbesondere deshalb, weil ein effektives Risikomanagementsystem Wettbewerbsvorteile schafft, die im Rahmen der Markt-, Branchen- und Wettbewerbsanalyse zum Tragen kommen. Die dadurch hervorgehobene Steigerung des Unternehmenswertes wird von den Banken im Rahmen des internen Rating-Verfahrens belohnt.Das Vorhandensein eines gut funktionierenden Risikomanagementsystems steigert den Vertrauensgrad der Banken ganz erheblich. Umgekehrt beeinflusst das Rating-Verfahren auch das im Unternehmen integrierte Risikomanagementsystem. Das Analysegespräch und der Rating-Bericht können die Schwachstellen des Risikomanagementprozesses und der Risikoma-nagementorganisation aufdecken, indem sie die Wirksamkeit, Angemessenheit und Effizienz der ergriffenen Risikomanagementmaßnahmen einschließlich der entwickelten Kontrollstruktur überprüfen. Dies kann die Ausgangslage für eine effiziente Weiterentwicklung des Risikomanagementsystems sein.Der Begriff Rating-Agentur ist nicht gesetzlich geschützt. Momentan steht es jedermann frei, eine Rating-Agentur zu gründen. Dementsprechend unterschiedlich sind die Ressourcen, Möglichkeiten und Qualitäten einer Agentur. Die beiden größten, die sozusagen in der ersten Liga spielen - sind Moody's und Standard & Poors. Die von diesen beiden Rating-Agenturen vorgebenen Standards werden mittlerweile von allen anderen als gültiges Werkzeug akzeptiert und angewandt. Die auf den Mittelstand spezialisierten Agenturen unterscheiden sich notwendigerweise von den großen Agenturen.Die Entscheidung, ob ein Rating durchgeführt wird, ist die Angelegenheit ausschließlich der Unternehmensführung. Einzubinden sind allerdings neben der Geschäftsleitung insbesondere die Planung und das Rechnungswesen sowie das Controlling. Es ist jedoch zusätzlich stets anzuraten im Rahmen des Ratings einen ,,Rating-Berater" (oder Rating-Adviser) zu engagieren, der dem Unternehmer als Berater zur Seite steht, wenn es um die Vorbereitung des Rating-Verfahrens geht. Mit Hilfe eines erfahrenen externen Beraters kann es Ihnen als Unternehmer durchaus gelingen ein komplettes Rating-Verfahren durchzuziehen ohne eine externe Rating-Agentur einzuschalten.Weil das Rating bislang keine ausdrückliche Verankerung in der deutschen Rechtsordnung gefunden hat, steht es den Agenturen frei, wie sie die Durchführung des Rating-Verfahrens gestalten. Eine gewisse Regulierungsfunktion übernimmt jedoch der Markt, der diejenigen Agenturen sanktioniert, die sich Fehleinschätzungen erlauben.Beim bankinternen Rating greift die traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung. Ziel der Kreditwürdigkeitsprüfung ist die Beurteilung eines Kredit suchenden Unternehmens, einen möglicherweise zu gewährenden Kredit ohne jede Leistungsstörung zurückzuzahlen. Hinzu kommen kann das Ziel, im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung Anknüpfungspunkte zu gewinnen, um dem Kredit suchenden Unternehmen die dringend zu empfehlende betriebswirtschaftliche Beratung anzuraten. Von erheblicher Bedeutung ist zudem die Einstufung des Kreditrisikos in ein geeignetes Risikomanagementsystem, um aus Sicht der beteiligten Bank eine risikoorientierte Streuung, Vergütung und Bearbeitung der Kredite zu ermöglichen.Beim Ablauf der Kreditwürdigkeitsprüfung werden zwei wesentliche Merkmale unterschieden:- Die persönliche Kreditwürdigkeit. Diese Beurteilung wird meist vom jeweiligen Kreditsachbearbeiter vorgenommen und ist somit eindeutig subjektiv.- Die wirtschaftliche Kreditwürdigkeit. § 18 Kreditwesengesetz bestimmt, dass sich alle Kreditinstitute von Kreditnehmern, denen Kredite von insgesamt mehr als 250 000 Euro gewährt werden, die wirtschaftlichen Verhältnisse offen legen lassen.Das geschah bislang durch folgende Analyseinstrumente: Bilanz- und Kennzahlenanalyse, Analyse der Investitions-und Finanzierungspläne, Branchenanalyse und Sicherheitsanalyse.Die Bilanz wird von den Banken meistens in zwei Schritten aufbereitet. Zunächst wird das komplette Zahlenmaterial verarbeitet und verdichtet. Die bankinterne Jahresabschlussanalyse ist also eine Kennzahlenanalyse. Die Kennzahlen machen Sachverhalte sichtbar, die anders nicht zu erkennen sind, wie zum Beispiel die Rentabilität des Unternehmens. Die weitere Bedeutung liegt darin, dass Sachverhalte durch Verdichtung auf eine einzige Zahl komprimiert werden. Die Transparenz kann erhöht werden und helfen, die Stellung eines Unternehmens im Vergleich durch andere Unternehmen der Branche zu beurteilen.Die Nachteile dieses Systems bestehen darin, dass die Auswertung der Bilanzkennzahlen stark vergangenheitsorientiert ist.Bei der neuen Kreditwürdigkeitsprüfung steht die Zukunftsfähigkeit des Kreditnehmers im Vordergrund. Sie können davon ausgehen, dass für die Banken nach wie vor die vergangenheitsbezogene Bilanzanalyse zwar immer noch wichtig ist, sie steht aber nicht mehr im Vordergrund, genauso wenig, wie allein das Vorhandensein von Sicherheiten zu einer Kreditzusage führen.Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, da der Kredit auch in der Zukunft zurückbezahlt werden muss. Die Fragen, die die Bank deshalb heute vorzugsweise stellt, sind:- Wie steht es um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens?- Ist das Management in der Lage, das Unternehmen sicher und erfolgreich zu führen?- Wie krisensicher beziehungsweise wie entwicklungsfähig ist die Branche?- Hat der Betrieb Umwelt- und Ökologieprobleme im Griff?Gegenüber der Bilanzanalyse hat die Rating-Analyse den Vorteil, dass eine Vielzahl von nicht quantifizierbaren Informationen im Rahmen der Kreditentscheidung und -überwachung berücksichtigt werden können. Damit ist auch ein Blick in die Zukunft erlaubt.Ziel des internen Ratings ist es, Firmenkunden in entsprechende Bonitätsstufen einzugruppieren, um somit Aussagen über den Risikogehalt eines einzelnen Engagements und die Zusammensetzung des ge-samten Kreditportfolios der Bank zu erhalten. Weil es bisher keine einheitlichen Standards gibt, ist deshalb deren Ausprägung von Bank zu Bank verschieden.Gemeinsam ist bisher lediglich, dass neben quantitativen (harten) Faktoren jetzt auch sogenannte weiche bezeihungsweise qualitative Faktoren in die Analyse einfließen.- Quantitative Faktoren = zum Beispiel die Bilanz und GuV-Analyse mit anschließender Kennzahlenanalyse,- Qualitative Faktoren = zum Beispiel Branchenentwicklung, Unternehmensstrategie, Qualität des Managements.Voraussichtlich werden alle Kredit beantragenden Unternehmen bankinterne Ratings erhalten, und die Prüfung wird in der Regel genauer erfolgen als bisher. Dies führt zu exakteren Methoden bei der Bonitätsevaluierung und zu mehr Transparenz bei den Kreditkonditionen. Allerdings werden die Gesamtkosten der Risikobeurteilung und -bewertung ansteigen, denn die Banken werden die Kosten für die internen Ratings dem Kunden in Rechnung stellen.Je nach Bonität wird es zu spürbaren Ent- oder Belastungen kommen. Unternehmen mit einem guten Rating können mit besseren Konditionen, Unternehmen mit einem schlechteren Rating mit einer Kreditverteuerung rechnen.

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