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Augmented/Virtual Reality Der virtuelle Blick in die Zukunft der Logistik

| Autor / Redakteur: Sönke Kewitz / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Ein Trend, der kürzlich Einzug in die Logistikbranche gefunden hat, ist die Virtual Reality (VR). Ein Beispiel dafür ist der Logistikpark in Prag, in dem die Etnetera Group das größte B2B-Virtual-Reality-Labor in Europa betreibt.

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Mit Rucksack: Mehrere Personen können gleichzeitig die virtuelle Welt auch physisch durchlaufen, ohne dass Hindernisse wie Wände oder Mitmenschen im Wege stehen.
Mit Rucksack: Mehrere Personen können gleichzeitig die virtuelle Welt auch physisch durchlaufen, ohne dass Hindernisse wie Wände oder Mitmenschen im Wege stehen.
(Bild: P3 Logistic Parks Deutschland)

Von außen sieht der Neubau des tschechischen Parks von P3 in Prag nicht anders aus als jedes andere Lagerhaus. Im Inneren verborgen ist jedoch etwas Einzigartiges: ein Lagerhaus, das gleichzeitig als Bank fungiert. Oder als Autohaus. Oder als Oberfläche des Planeten Mars. Denn dort hat das Digitalunternehmen Etnetera Group im vergangenen Jahr mit Virtuplex einen riesigen virtuellen Erlebnisraum eröffnet. In dem 600 m² großen Lager können Unternehmen ganze Verkaufs- und Lagerflächen modellieren und deren Ausstattung mit der VR-Brille testen.

Innovative Antwort auf die steigenden Kundenanforderungen

Virtual Reality könnte sich als eine der wichtigsten digitalen Antworten auf die künftigen Herausforderungen der Logistikbranche herausstellen, die derzeit besonders stark geprägt ist von der Verschiebung hin zum Kunden. Um die Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt gewährleisten zu können, müssen Unternehmen auf die verschiedenen Bedürfnisse ihrer Kunden so flexibel wie möglich reagieren. Deshalb könnten die Anforderungen an Lagerhäuser derzeit kaum unterschiedlicher sein, egal ob Automobilzulieferer oder Einzelhändler. Das stellen auch wir bei P3 im Gespräch mit unseren Kunden fest. Von der flexiblen Nutzungsform über die effiziente und kostensparende Energieversorgung bis hin zur persönlichen Betreuung bei der Verwaltung und Instandhaltung der einzelnen Gebäude – Logistikimmobilien müssen genau den Raum bieten, den Kunden für ihre tägliche Arbeit benötigen. Doch wie soll man die passenden innovativen Lösungen anbieten können, ohne größere Investitionen tätigen zu müssen?

Genau hier spielt Virtual Reality eine wichtige Rolle. Dank dieser Technologie müssen sich Entwickler und Investoren nicht mehr nur auf reale Immobilien konzentrieren, sondern können Gebäude, Systeme und Infrastruktur in einer virtuellen Welt testen und optimieren, bevor die physische Umsetzung stattfindet. Das funktioniert ganz einfach: Das Labor arbeitet ähnlich wie ein Filmstudio, in dem man das nötige Equipment und die Crew mieten kann. Das Unternehmen bereitet den Inhalt, also das Design der zu testenden Umgebung, vor und sendet ihn an das Labor, wo er von Fachleuten für die entsprechenden Systeme modifiziert wird. Virtuplex kann den Architekten aber auch während der Entwurfsphase unterstützen, damit die Ergebnisse in 3D so gut wie möglich nutzbar sind. Wenn der Kunde zudem einige Objekte verwenden möchte, die noch nicht in 3D existieren, kann Virtuplex sie entwerfen. Möbel, Blumentöpfe und Gemälde sind in Modellbanken zu moderaten Preisen erhältlich.

Anprobe: Virtuplex ist ein virtueller Erlebnisraum, in dem sich ganze Verkaufs- und Lagerflächen modellieren und deren Ausstattung per VR-Brille testen lassen.
Anprobe: Virtuplex ist ein virtueller Erlebnisraum, in dem sich ganze Verkaufs- und Lagerflächen modellieren und deren Ausstattung per VR-Brille testen lassen.
(Bild: P3 Logistic Parks Deutschland)

Durch das dreidimensionale Erlebnis können sowohl die zukünftigen Prozessabläufe getestet als auch potenzielle Fehlerquellen korrigiert werden. Der Kunde hat während des Rundgangs die Möglichkeit, verschiedene Versionen „durchzuspielen“ und abzuspeichern. Ein weiterer Vorteil: Personen, die sich in Virtual Reality treffen, müssen nicht physisch an einem Ort anwesend sein. Kunden können sich vor Ort in der Halle treffen, während ihre Kollegen etwa aus Japan oder New York direkt zugeschaltet sind. In der virtuellen Umgebung können alle einander sehen und interagieren.

Entstehungsgeschichte des VR-Labors

Der Weg zur Umsetzung für die Etnetera Group war nicht ganz einfach, denn sehr große leere Räume, ohne Staub und ohne Säulen, sind selten. Als die Etnetera Group mit uns Kontakt aufnahm und ihre Idee vorstellte, waren wir direkt begeistert und einigten uns gemeinsam auf die Umsetzung dieser Idee in einem unserer besten Lager. Virtuplex ist unserem Wissen nach der erste VR-Kunde, der ein Toplagerhaus bezieht. Es ist in vieler Hinsicht eine Premiere, auch für uns, indem wir einen Kunden mit einem fast leeren Gebäude zufriedenstellen konnten.

Die Ausstattung des Gebäudes, bestehend aus zwei Bereichen, ist relativ einfach. Der kleinere der beiden Teile enthält einen Entspannungsbereich und einen Konferenzraum, in dem die Planung und Gestaltung des zweiten, größeren Raumes stattfindet. Dieser stellt eine leerstehende Halle ohne Säulen oder Querstreben dar, in dem man eine Wohnung, eine Bankfiliale oder ein Autohaus im Maßstab eins zu eins in den Raum projizieren und sich darin bewegen kann, um die Raumaufteilung und -ausstattung zu überprüfen. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig die virtuelle Welt mithilfe eines Rucksacks und einer 5K-VR-Brille physisch durchlaufen. Die virtuelle Welt passt sich den realen Gegebenheiten der Lagerhalle an, wodurch Hindernisse, Wände und Mitmenschen digital sichtbar sind und keine Gefahr während des Rundgangs darstellen.

Eine viel versprechende Reise

Wohin uns die Reise mit Virtual Reality bringen wird, ist zwar noch unklar. Doch bereits jetzt bietet die Technologie einen erheblichen Mehrwert. Ich sehe hier eine Vielzahl an künftigen möglichen Anwendungen für die Immobilienbranche und P3, wie etwa die virtuelle Inszenierung, Fernwartung sowie erweiterte Auslagerungsmöglichkeiten. Durch VR können auch Trainings der Mitarbeiter im Hinblick auf Gefahrensituationen durchgeführt werden.

Doch auch für eigene Marketingzwecke werden wir dank VR unseren Kunden die vielfältigen und hochwertigen Hallen von P3 auf eindrucksvolle Weise präsentieren können. Und für unsere Kunden wird es ebenfalls eine spannende Möglichkeit sein, ihr Geschäft auf diese Weise modellieren zu können, zum Beispiel Geräte für Fast-Food-Ketten damit zu entwerfen und Verpackungslinien oder Rohrleitungen herstellen zu können. Dafür haben wir nun eine exklusive Partnerschaft mit Virtuplex geschlossen.

* Sönke Kewitz ist Geschäftsführer P3 Logistic Parks Deutschland in 60325 Frankfurt am Main, Tel. (01 72) 4 03 72 17, soenke.kewitz@p3parks.com

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