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Laserstory-Interview Des Lasers Wiege – fiat lux in Kalifornien!

Autor / Redakteur: Nikolaus Fecht / Peter Königsreuther

1960 hat der US-Amerikaner Dr. Theodore Maiman den ersten funktionierenden Laser entwickelt. Das Werkzeug Licht bahnte sich nun seinen Weg. Hier kommt ein Experte zu Wort, der es miterlebt hat...

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Zum Mut zur Unschärfe rät der Laserexperte Prof. Reinhart Poprawe angesichts kommender technischer Entwicklungen, bei denen auch die Quantentechnologie mit ihren skurrilen Effekten eine Rolle spielen wird.
Zum Mut zur Unschärfe rät der Laserexperte Prof. Reinhart Poprawe angesichts kommender technischer Entwicklungen, bei denen auch die Quantentechnologie mit ihren skurrilen Effekten eine Rolle spielen wird.
(Bild: K. D. Wolf)

Diese geniale Erfindung, Licht als Werkzeug zu benutzen, beeinflusst seitdem auch die Industrie und Forschung in Deutschland. Wie die technischen Sternstunden in Kalifornien das Laserfeuerwerk gezündet haben, berichtet Prof. Reinhart Poprawe, der ehemalige Leiter des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT aus Aachen.

Herr Prof. Poprawe, wann sahen Sie den ersten Laser und wie empfanden Sie dabei?

Nach meinem Studium an der California State University besuchte ich 1977 mit 22 Jahren in Kalifornien das Lawrence Livermore National Laboratory. Dort kam mir der Satz „bringing star power to the earth“ zu Ohren und Fusionssimulation mit Lasern und Wasserstoffenergie auf der Erde. Als ehemaliger Zeiss-Werkspraktikant faszinierten mich Optik und Präzision. Als ich dann aber Shiva Nova, den ersten Fusionslaser sah, dachte ich sofort: Das ist ja ein scharfes Ding – so viel Power in Pulsen! Mutig fragte ich, warum die Spiegel, mit denen Sie die Strahlung hin und her schicken, nicht kaputt gehen – wohlgemerkt bei einer Temperatur von 100 Mio. °C im Laserfokus. Es fielen dann Begriffe wie Intensität und Fokussierbarkeit. Für mich war klar, dass die enorme Qualität der Laserstrahlung eine ganz entscheidende Rolle spielt – damit muss sich auch etwas anderes mit machen lassen!

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Anschließend studierten und promovierten Sie bei Prof. Gerd Herziger, einem der Laserpioniere Deutschlands, am von ihm geleiteten Institut für Angewandte Physik an der TH Darmstadt. Wie hat Sie das geprägt?

Während meiner Promotion kam in Darmstadt der Gedanke auf, dass wir in Deutschland ein nationales Laserzentrum brauchen. Das fand auch das BMBF ganz toll. Als Standort kam sehr schnell Aachen mit den dortigen Lehrstühlen für Produktionstechnik infrage – der Schwerpunkt also, den wir ausbauen wollten. Prof. Herziger sagte dann 1985 zu Ralf-Eckhard Beyer, Peter Loosen und mir in Darmstadt, dass er das nur macht, wenn wir drei mitkommen – Ein Riesenkompliment! Wir haben alles darangesetzt, dass alles so schnell und so gut wie möglich funktioniert. Das hat uns vier sehr verbunden und eine wirkliche Vertrauensbasis geschaffen, die dann beim Aufbau der Teams immer weitergegeben wurde. Im Mittelpunkt stand bei Herzinger stets Akzeptanz und Kommunikation mit allen – und zwar auf Augenhöhe. Er hat meinen Lebensweg nicht nur bei der Lasertechnik, sondern auch in puncto Charakter und Zuverlässigkeit geprägt.

Was waren für Sie als späterer Geschäftsführer der Thyssen Laser Technik GmbH sogenannte Aha-Momente?

Dort kam ganz am Anfang ein Anruf, denn es gab Probleme mit den damaligen ICE-Bremsscheiben, die von einer Thyssen-Tochter produziert wurden. Genauer gesagt, traten beim mechanischen Bremsen bei 300 km/h Unwuchten auftraten. Entlastungsschlitze, die wir vor Ort im ICE-Werk in Hamburg mit einem extra dafür konzipierten und entwickelten mobilen Lasersystem in die Aufnahmen der Scheiben schnitten, sollten helfen. Drei Monate haben wir also jede Nacht mit dem Laser ICE-Bremsscheibenaufnahmen geschlitzt, damit der Zug am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder auf die Strecke gehen konnte. Dabei ging mir Vieles durch den Kopf, das mich bis in den Schlaf verfolgte. Es ging aber nichts schief, nichts versagte und kein Unfall passierte. Deshalb entwickelten wir ein großes Selbstvertrauen und fragten uns, was da jetzt noch kommen sollte, denn wir können doch alles! Diese Einstellung half uns dabei Innovationsherausforderungen wie etwa das Laserschneiden von dicken Blechen, für das bei Thyssen die ersten Großanlagen entstanden, richtig einzuschätzen. Und bei der Entwicklung der nächsten Generation der Tailored Blanks, der maßgeschneiderten Automobilbleche, war das auch von Vorteil.

Und was waren Ihre Aha-Momente als Leiter des ILT?

Es sind immer noch absolut aktuelle Highlights. Dazu zählen unter anderem die Ultrakurzpuls-Technik, der Innoslab-Laser und natürlich nach wie vor das sogenannte Tailored Light. Meine Vision heißt maßgeschneidertes Licht mit hoher Wellenlängenvielfalt und Modulierbarkeit in Raum und Zeit zu erschaffen.

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