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Wie wird das Jahr 2015?

Deutsche Fertigungsindustrie zwischen heiter und wolkig

| Autor/ Redakteur: Claudia Otto und Jürgen Schreier / Claudia Otto

Ein turbulentes Jahr liegt hinter uns. Auch die deutsche Investitionsgüterindustrie hatte es in dem von politischen Machtkämpfen überschatteten und durch anhaltende Unsicherheiten geprägten 2014 nicht leicht. 2015 sollen insbesondere die USA und Asien für eine Belebung der Konjunktur hierzulande sorgen.

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Zwar wird das Geschäft mit Russland durch den Ukrainekonflikt weiter beeinträchtigt sein, aber dafür birgt die Reindustrialisierung in den USA neue Wachstumspotenziale für deutsche Unternehmen.
Zwar wird das Geschäft mit Russland durch den Ukrainekonflikt weiter beeinträchtigt sein, aber dafür birgt die Reindustrialisierung in den USA neue Wachstumspotenziale für deutsche Unternehmen.
( © promesaartstudio - Fotolia)

Geopolitische Krisenherde waren einer der größten Dämpfer für die Wirtschaft im Jahr 2014. Und sie sind es noch. Die Prognosen der verschiedenen Institute unterscheiden sich in diesem Jahr relativ stark (siehe Tabelle). Im Mittel liegt die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, Ifo, IWH und RWI. Sie prognostizieren der deutschen Wirtschaft in ihrem Herbstgutachten ein Wachstum um 1,3 % für 2014 und 1,2 % für 2015. Die Konjunktur in Deutschland hat sich merklich abgekühlt. Schwach ist sowohl die Binnennachfrage – das Konsumklima hat sich zuletzt verschlechtert und die Unternehmen halten sich mit Investitionen weiterhin zurück – als auch die Auslandsnachfrage.

Mäßiges Expansionstempo der Weltwirtschaft wirkt belastend

Belastend wirken das mäßige Expansionstempo der Weltwirtschaft und die auch im Prognosezeitraum niedrige Dynamik im Euroraum. In diesem Umfeld sprechen sich die Wirtschaftsforschungsinstitute für eine Stärkung der Wachstumskräfte und günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen aus. Der finanzielle Spielraum für ein investitionsfreundlicheres Steuersystem und mehr Ausgaben in wachstumsförderlichen Bereichen wie Sach- und Humankapital sei vorhanden.

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Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist in seinem Jahresgutachten noch etwas pessimistischer und geht für 2014 von einer Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 % und für 2015 von 1,0 % aus. Die Weltkonjunktur wird nach Ansicht des Sachverständigenrats im Jahr 2015 weiterhin zweigeteilt sein: Wachstumslokomotiven sind die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich. Für den Euroraum zeichnet sich eine verhaltene Entwicklung ab.

Einen konkreten Blick auf die deutsche Fertigungsindustrie liefert das CFO-Herbst-Survey 2014 von Deloitte. Die befragten CFO sehen mehrheitlich den Ukrainekonflikt als Bedrohung und schätzen Geschäfts- und Umsatzerwartungen verhalten ein. Die Strategieausrichtung der Branche ist defensiver und F&E-Aufwendungen sowie Investitionen sinken entgegen dem allgemeinen Trend. Wachstum wird in den USA und in Asien erwartet, daher werden vor allem dort Investitionen getätigt. In Deutschland sind hingegen M&A-Aktivitäten geplant.

Thomas Döbler, Partner und Leiter Manufacturing bei Deloitte, erklärt: „Die Fertigungsbranche muss Szenarien entwickeln, die ein aktives Eingreifen bei Krisensituationen ermöglichen. Ihr Fokus sollte weiterhin auf den wachsenden Märkten wie auch dem proaktiven Krisenmanagement und der Sicherung der Lieferkette liegen.“

Geopolitische Faktoren werden als hoher Risikofaktor empfunden

Während die Fertigungsindustrie noch im Frühjahr Energiekosten als größtes Risiko sah, hat sich das Bild heute geändert: Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Instabilität ist die Unsicherheit gestiegen: 67 % der befragten CFO sehen geopolitische Faktoren als hohen Risikofaktor. Das momentane Umfeld schätzen 31 % als generell unsicher ein, im Frühjahr waren es lediglich 18 %. Eine Mehrheit (67 %) fürchtet einen Auftrags- und Absatzrückgang als Folge der Ukrainekrise, 50 % der CFO kämpfen mit Planungsunsicherheit. Umsatzsteigerungen sieht die Fertigungsindustrie in den kommenden zwölf Monaten in den USA (47 %), China (47 %), dem restlichen Asien (31 %) sowie Indien (31 %) – in Deutschland liegen die Prognosen nur bei 24 %. Unter den Investitionsstandorten liegen die USA ganz vorne, gefolgt von Deutschland.

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