Studie Deutsche Unternehmen gehen Industrie 4.0 nur zaghaft an

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Smart Factory ist in Deutschland noch die Ausnahme, in Großunternehmen ist das Konzept der voll vernetzten Produktion in der Industrie 4.0 aber bereits etabliert. Wie eine Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC von 100 Unternehmen laut eigener Mitteilung ergab, koordiniert und steuert erst jedes fünfte die Abläufe in seinen Produktions- und Betriebsstätten über vernetzte IT-Systeme.

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Vor allem in kleineren Unternehmen ist das Konzept von Industrie 4.0 noch nicht umgesetzt.
Vor allem in kleineren Unternehmen ist das Konzept von Industrie 4.0 noch nicht umgesetzt.
(Bild: Wikimedia/Dickdavid)

Von den Unternehmen, die mehr als 20 Produktionsstätten unterhalten, habe demgegenüber bereits jedes dritte mindestens eine Smart Factory eingerichtet. Bei rund der Hälfte aller Befragten sei die Einrichtung einer Smart Factory in Planung, ein weiteres Fünftel setze sich mit dem Thema auseinander.

Unternehmen machen positive Erfahrungen mit Industrie 4.0

Die Erfahrungen der Unternehmen, die bereits auf die Smart Factory setzen, seien auch für kleinere Betriebe ermutigend. So sei die Umsetzung des Konzepts oft deutlich günstiger als zunächst erwartet. So gingen rund 50 % der Befragten, die die Einrichtung einer Smart Factory planen, von Investitionen über mindestens 2 Mio. Euro aus. In der Praxis sind jedoch über 70 % der Unternehmen, die die Umstellung bereits bewältigt haben, mit zum Teil deutlich geringeren Kosten ausgekommen, wie es heißt. In gut vier von zehn Betrieben beliefen sich die Investitionen für die Smart Factory sogar auf weniger als 1 Mio. Euro.

Nicht zu unterschätzen sei allerdings der Zeitbedarf der Umstellung. Von den befragten Unternehmen mit mindestens einer Smart Factory nannten laut Mitteilung die meisten das zeitintensive Verfahren als höchste Hürde bei der Umsetzung, gefolgt vom Weiterbildungsbedarf für Mitarbeiter. Die Investitionen in notwendige Technik stünden erst an dritter Stelle. Von den befragten Umstellungsplanern sähen hingegen die meisten die Kosten als größtes Hindernis, gefolgt vom fehlenden Know-How.

„Es liegt auf der Hand, dass das Konzept der vernetzten Fabrik für Unternehmen mit einer auf viele Standorte verteilten Wertschöpfungskette besonders attraktiv ist. Doch auch viele kleinere Betriebe, die an wenigen oder nur einem Ort produzieren, erkennen die Vorteile der Smart Factory. Auch sie können beispielsweise durch die Verarbeitung von Echtzeitinformationen zu Auftragseingängen und Lagerbeständen bei Zulieferern ihre Produktionsprozesse beschleunigen und flexibler gestalten“, erläutert Michael Rasch, PWC-Partner und verantwortlich für den neu geschaffenen Geschäftsbereich Digitale Transformation.

Industrie 4.0 bringt vor allem mehr Qualität, Flexibilität und Produktivität

Auf die Frage nach den drei größten Vorteilen der Smart Factory nennen die Betriebe, die bereits Erfahrungen mit der vernetzten Fabrik haben, an erster Stelle die Qualitätssteigerung (52 %), gefolgt von höherer Flexibilität (43 %) und mehr Produktivität (38 %), wie die Beratungsgesellschaft berichtet. Damit unterschieden sich die realen Erfahrungen zum Teil deutlich von den Erwartungen, die Unternehmen mit dem Konzept verknüpfen. So gingen die befragten Planer einer Smart Factory zwar auch von mehr Flexibilität aus, immerhin 44 % erhofften sich aber auch eine Umsatzsteigerung dank der Vernetzung. Diesen Effekt hielten allerdings nur 28 % der Unternehmen mit einer Smart Factory für wesentlich.

Eine Schwierigkeit bei der Einrichtung einer Smart Factory ist die Gewährleistung der Datensicherheit, wie es heißt. Immerhin jedes fünfte Unternehmen, das seine Produktion bereits vernetzt hat, sehe Vorkehrungen gegen Datendiebstahl als erhebliche Herausforderung bei der Umstellung. „In vernetzten Steuersystemen werden Anwendungen zwangsläufig angreifbarer. Eine Absicherung der Datenströme und eine tragfähige Überwachung End-to-End sind unbedingt erforderlich, um unbefugten Zugriff zu vermeiden oder wenigstens sofort zu bemerken, um schnell Gegenmaßnahmen einleiten zu können“, meint Derk Fischer, Experte für Informationssicherheit bei der Beratungsgesellschaft.

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