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China Market Insider Deutschland ist Chinas bevorzugter Partner in der Fertigungsindustrie

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Melanie Krauß

Insbesondere im Bereich Smart Manufacturing sieht China Deutschland als seinen wichtigsten Technologiepartner an. Dies bietet große Chancen. Experten warnen jedoch auch vor zu viel Blauäugigkeit.

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Was bewegt den Markt in China aktuell und was müssen deutsche Unternehmen wissen? Darauf gibt unser „China Market Insider“ Antworten.
Was bewegt den Markt in China aktuell und was müssen deutsche Unternehmen wissen? Darauf gibt unser „China Market Insider“ Antworten.
(Bild: ©Eisenhans - stock.adobe.com)

China sieht Deutschland als die wichtigste Quelle für die Modernisierung seiner Fertigungsindustrie. Dieser seit einigen Jahren deutliche Trend ist gerade erneut in einem Erlass der Pekinger Zentralregierung bestätigt worden, in dem die Bundesrepublik als einziges Partnerland explizit erwähnt wird. Daraus erwachsen kurzfristig große Chancen für deutsche Unternehmen vor allem aus dem Bereich fortgeschrittene Fertigung, mittel- bis langfristig jedoch auch Risiken für den Standort Deutschland.

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie MIIT hat in der vergangenen Woche einen neuen Erlass zur Implementierung der „Integrierten Entwicklung der Fertigung und des Internets” veröffentlicht. Das vierte von vier Kapiteln ist darin gänzlich der „Chinesisch-Deutschen Kooperation im Bereich Smart Manufacturing” gewidmet.

Hinter diesen bürokratischen Floskeln versteckt sich ein immens wichtiger Teil der chinesischen Industriepolitik, der über milliardenschwere Subventionsprogramme und aktuelle Marktchancen in der Volksrepublik entscheidet, langfristig – wegen der schieren Größe des chinesischen Marktes und der nationalistischen Politik Pekings – aber auch Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fertigungsindustrie hat.

China hat vor fünf Jahren einen ambitionierten Modernisierungsplan für seine Fertigungsindustrie namens „Made in China 2025” veröffentlicht, der wesentlich von deutschen Plänen für die „Industrie 4.0” inspiriert ist. Der ambitionierte Zehn-Jahres-Plan ist ein Baustein der Strategie, mit der die Volksrepublik bis zum hundertsten Geburtstag ihrer Gründung im Jahr 2049 zu einer globalen technologischen Supermacht gemacht werden soll.

Außerhalb Chinas hatte “Made in China 2025” allerdings viel Kritik ausgelöst – und dies weltweit. Seither ist der Name der Industriepolitik von den Zensoren der kommunistischen Staats- und Parteiführung in Peking aus dem offiziellen Vokabular gestrichen worden. Die Umsetzung verläuft jedoch weiter nach Plan, und dazu gehören regelmäßige Anpassungen bei der Implementierung.

Die jüngste Aktualisierung, letzte Woche vom MIIT veröffentlicht, setzt klare Ziele für die „Integration von Fertigung und Internet”, die noch im Jahr 2020 umgesetzt werden sollen, wie Maschinenmarkt (China) jetzt berichtet. Das erste Kapitel handelt von der Standardisierung bei der Digitalisierung und Vernetzung der Fertigungsindustrie. Im zweiten Kapitel geben die Zentralplaner in Peking Anweisungen zum weiteren Ausbau von Industrie-übergreifenden Internet-Plattformen. Kapitel Drei befasst sich noch einmal mit Internet-Plattformen für besonders wichtige Industriezweige, darunter der Maschinenbau und die Industriesparten „grüne Produktion” und „sichere Produktion”.

Der Kooperation mit Deutschland ist das gesamte vierte Kapitel gewidmet. Die Bundesrepublik ist dabei das einzige Land, dass außer China in dem Planungsdokument genannt wird. Unter der Überschrift „Chinesisch-Deutsche Kooperation im Bereich Smart Manufacturing” wird der chinesische Partei- und Regierungsapparat angehalten, „die Unternehmen, Industrieverbände und wissenschaftlichen Forschungsinstitute” in Deutschland und China zu „unterstützen”, die sich die Kooperation bei der Modernisierung der chinesischen Fertigungsindustrie auf die Fahnen geschrieben haben.

Namentlich erwähnt und damit besonders wünschenswert sind dem Dokument zufolge chinesisch-deutsche Projekte für die „additive Fertigung, Robotik, New Energy Vehicles, Maschinenbau sowie andere Industrien zur Verbesserung der Fähigkeiten zum Smart Manufacturing”. China will mit Deutschland intensiv bei der Standardisierung von Industrie-4.0-Lösungen zusammenarbeiten, ferner beim Aufbau von Berufsschulen und dem Ausbau von Vorzeige-Industrieparks mit Fokus auf fortgeschrittener Fertigung.

Für deutsche Unternehmen, die Zukunftstechnologien entwickeln und verkaufen, bedeutet dies, dass sie in China in den kommenden Jahren besonders willkommen sind. Daraus ergeben sich Marktchancen. „Ausländische Firmen mit heiß begehrten Technologien können derzeit von der Aufwertung der chinesischen Industrie profitieren,” schrieben die Autoren einer Studie, die das deutsche Mercator-Institut für Chinastudien schon im vergangenen Sommer zu dem Thema veröffentlicht hat.

Allerdings warnen Mercator und andere Analysten auch vor Blauäugigkeit in Deutschland. „Made in China 2025” und seine derzeit laufende Implementierung unter neuer Namensgebung ziele langfristig einzig und allein auf den Ausbau heimischer chinesischer Fertigkeiten und das „Verlagern gesamter High-Tech-Produktionszyklen nach China” ab, also eben nicht auf eine “Win-Win-Strategie”, wie es in chinesischen Medien derzeit oft zu lesen sei, so die Beobachter.

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