Werkzeugmaschinen Deutschlands Werkzeugmaschinenmarkt fehlt momentan der rechte Schwung

Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Stéphane Itasse

Zwei wachstumsstarke Jahre hat die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie hinter sich gebracht. 2012 konnte die Produktion um beachtliche 10 % gesteigert werden. Für 2013 steht ein Plus von 1 % auf der Agenda. Doch hat das erste Quartal beim Auftragseingang auf der ganzen Linie enttäuscht.

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Werkzeugmaschinen aus Deutschland sind derzeit nicht mehr so gefragt wie in den vergangenen zwei Jahren.
Werkzeugmaschinen aus Deutschland sind derzeit nicht mehr so gefragt wie in den vergangenen zwei Jahren.
(Bild: MAG)

Nach zwei starken Wachstumsjahren sind die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen auch für 2013 guter Dinge. Gerechnet wird mit einem Produktionszuwachs von 1 % – ein allerdings moderater Wert nach dem Plus von 10 % im Jahr 2012. „Damit wird die Branche ihre Bestmarke aus dem Jahr 2008 wieder erreichen“, so Martin Kapp, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), vor der Presse am Verbandssitz in Frankfurt am Main.

Exportgeschäft mit deutschen Werkzeugmaschinen 2012 hervorragend gelaufen

Das Jahr 2012 lief, wie der VDW-Vorsitzende erläuterte, „besser als erwartet“. Die gute Ausgangslage mit vollen Auftragsbüchern bei hoher Kapazitätsauslastung habe die Produktion über das Jahr 2012 getragen. Produziert wurden Werkzeugmaschinen im Wert von 14,17 Mrd. Euro; das waren rund 10 % mehr als im Vorjahr.

Hervorragend gelaufen ist 2012 das Exportgeschäft. Die Ausfuhren an spanenden Werkzeugmaschinen und Umformmaschinen erreichten mit einem Anstieg um 20 % auf 9,55 Mrd. Euro den höchsten Wert, der je gemessen wurde.

Größter Einzelmarkt war auch im vergangenen Jahr China, das mit etwa 2,4 Mrd. Euro und einem Plus von 14 % mehr als doppelt so viele deutsche Maschinen aufgenommen hat wie die Nummer zwei, die USA. Denn auch die US-Industrie setzt bei der Modernisierung ihrer Produktion auf deutsche Werkzeugmaschinen. Die Exporte lagen bis November 2012 gut ein Drittel über denen von 2008. Sogar im krisengeplagten Spanien wurden 2012 mehr deutsche Werkzeugmaschinen verkauft als im Vorjahr, wenn auch ausgehend von niedrigem Niveau.

Werkzeugmaschinen-Binnenmarkt kam im Jahr 2012 nicht so recht in die Schuhe

Dagegen gab sich der deutsche Mittelstand im Berichtsjahr 2012 beim Investieren eher zugeknöpft, weshalb der Binnenmarkt weitgehend auf der Stelle trat. Mit 6,8 Mrd. Euro notierte er noch ein gutes Stück unter dem Vorkrisenniveau. Die Kapazitätsauslastung lag mit 92,4 % im Januar 2013 nur wenig unter dem Durchschnitt des Vorjahres. Bis Oktober 2012 wurde der Auftragsbestand auf 8,3 Monate abgebaut, knapp ein Monat weniger als im Durchschnitt des Vorjahres. Der Auftragseingang ist 2012 ausgehend vom Bestellrekord des Jahres 2011 um ein Zehntel gesunken.

Als Stütze der Werkzeugmaschinennachfrage fungierten die Bestellungen aus Europa und den USA. Besonders gefragt war zudem Umformtechnik, die vorwiegend von der deutschen und internationalen Automobilindustrie geordert wurde.

Deutsche Werkzeugmaschinenhersteller bauten 2012 ihren globalen Marktanteil aus

Mit ihrem Produktionsergebnis war die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie 2012 unter den großen Wettbewerbern eindeutig der Gewinner. Schließt man Wechselkurseffekte aus, ist die chinesische Produktion geschrumpft, während die Japaner auf der Stelle traten. Die US-Werkzeugmaschinenproduktion konnte aufgrund des dynamischen Inlandsmarktes zwar zulegen, blieb mit einem Zuwachs von 7 % aber hinter der deutschen zurück. Auch die europäische Werkzeugmaschinenindustrie wuchs insgesamt nur halb so stark wie die deutsche. Im Export rückten die deutschen Anbieter wieder näher an Japan heran.

Für 2013 erwartet der VDW-Prognosepartner Oxford Economics, dass Industrieproduktion und Anlageinvestitionen weltweit wieder etwas stärker zulegen. Für die Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland leitet der Verband daraus stabile Bestellungen ab. Diese Erwartung wurden im ersten Quartal 2013 zunächst herb enttäuscht. So schrumpfte der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum ersten Quartal 2012 um 19 %, wobei die Inlandsbestellungen um 21 %, die Auslandsbestellungen um 18 % nachgaben.

„Der Werkzeugmaschinennachfrage fehlt es nach wie vor an Schwung“, konstatiert VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer. Der enttäuschende Jahresauftakt signalisiere fühlbare Skepsis, insbesondere auch bei den mittelständischen Kunden im Inland. Sehr schwach fiel im Berichtsquartal die Nachfrage nach spanenden Werkzeugmaschinen aus, die um 26 % hinter der des entsprechenden Vorjahresquartals zurückblieb. In der Umformtechnik hingegen, die vor allem vom Projektgeschäft mit der Automobilindustrie lebt, notierten die Bestellungen wieder auf Vorjahreshöhe.

Im zweiten Halbjahr 2013 muss der „Auftragsknoten“ endlich platzen

„Das zweite Halbjahr muss nun ein Gegengewicht setzen, damit der prognostizierte Produktionszuwachs von 1 % nicht gefährdet ist“, gibt VDW-Geschäftsführer Schäfer zu verstehen. Dabei fokussieren sich die Erwartungen von Verband und Branche erneut auf die asiatischen Wachstumsmärkte – allen voran China, wo die Wirtschaft in diesem Jahr nach Expertenmeinung wieder schneller wachsen soll.

Auch Nordamerika bleibt nach Einschätzung des VDW 2013 ein stabiler Absatzmarkt für Werkzeugmaschinen aus „good old Germany“. Russland sei wegen seines hohen Modernisierungsbedarfs weiterhin ein attraktiver Kunde, wenngleich VDW-Vorsitzender Martin Kapp Russland ermahnt, verlässlichere Rahmenbedingungen für Investoren und Handelspartner zu schaffen.

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