Auszeichnung Die besten 100 Innovatoren aus dem deutschen Mittelstand

Autor Simone Käfer

In Essen wurden die besten Mittelständler für dieses Jahr gekürt. Vertreten sind sowohl produzierende Unternehmen als auch Dienstleister; im Vordergrund stehen Entwicklungen, die, wenn gelegentlich auch unscheinbar, einen Innovationssprung ermöglichen.

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Zum Thema Business-Model- Innovation als Ansatz für die Innovationsstrategie diskutierten (von links): Alexander Schwarz (General Manger Deutschland von Airbnb), Dirk Graber (Gründer und CEO von Mister Spex), Matthias Stotz (Geschäftsführer der Uhrenfabrik Junghans) und Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjounalist und TV-Moderator). Moderiert wurde das Gespräch von Kathrin Adamski (Journalistin und Medieningenieurin).
Zum Thema Business-Model- Innovation als Ansatz für die Innovationsstrategie diskutierten (von links): Alexander Schwarz (General Manger Deutschland von Airbnb), Dirk Graber (Gründer und CEO von Mister Spex), Matthias Stotz (Geschäftsführer der Uhrenfabrik Junghans) und Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjounalist und TV-Moderator). Moderiert wurde das Gespräch von Kathrin Adamski (Journalistin und Medieningenieurin).
(Bild: Käfer)

Am 24. Juni ehrte Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist und Mentor des Wettbewerbs, die Top-Innovator im Rahmen des Deutschen Mittelstands Summits in Essen. Das Thema der Veranstaltung drehte sich um Innovationen in Geschäftsmodellen, inklusive Diskussionen und Workshops. Dass durch die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle nötig und Innovationen möglich sind, stand nicht zur Debatte. Doch mit der Frage „Ist Innovation für ein kleineres Unternehmen überhaupt leistbar und wirtschaftlich möglich?” brachte Matthias Stotz, Geschäftsführer der Uhrenfabrik Junghans, den Gesprächselan der Podiumsteilnehmer kurz zum Stocken. Wirklich beantwortet wurde die Frage nicht. Wie auch, waren die anderen Teilnehmer auf der Bühne doch gar nicht aus einem Traditionsunternehmen des deutschen Mittelstands. Neben dem Uhrenhersteller trugen je ein Gründer des Online-Brillenhandels Mister Spex und des Übernachtungsportals Airbnb ihre Erfahrungen zur Diskussion bei. Diese sind jedoch mit disruptiven Startups erfolgreich.

Was ist nun eine Innovation? Die Frage hat sich Yogeshwar selbst beantwortet. Er unterscheidet gleich zwei Varianten: Wenn ein bekannter Prozess zum besseren hin verändert wird, ist das für ihn eine Dauerinnovation. Eine echte Innovation hingegen hat man erst dann vor sich, wenn etwas völlig neues entsteht. Eine Anpassung oder Entwicklung, also eine Dauerinnovation, fände zum Beispiel in der Autoindustrie statt, in der Autos mit Elektrik gepflastert werden. Doch wirkliches Umdenken sei nötig, wenn bald in Megacitys Autos obsolet werden. Hier fehlen noch echte Innovationen.

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Klärschlamm als Ressource

Ob nun Weiterentwicklung oder völlig neu gedacht, Innovation bleibt Innovation. Und für diese wurden am Abend reichlich Preise verliehen. Zum Beispiel an Sülzle Kopf Syn-Gas. Das Unternehmen betrachtet Klärschlamm als Ressource, vergast ihn mit über 800 °C und unterzieht ihn weiteren Reinigungsstufen. Dadurch werden alle chemischen und biologischen Gifte abgebaut. Es entsteht ein synthetisches Gas, das ein Blockheizkraftwerk in Strom umwandelt.

G. Lufft Mess- und Regeltechnik überzeugte mit dem Prinzip der schlanken Produktion, mit dem das Unternehmen seine Produktivität in der Fertigung innerhalb der letzten drei Jahre um 20 % steigern konnte. Lufft entwickelt Komponenten und Systeme für die Klima- und Umweltmesstechnik. Produktinnovationen wie der mobile Straßensensor Marwis für Winterdienstfahrzeuge oder der Ultraschall-Windsensor Ventus-UMB, der beispielsweise auf Forschungsschiffen des Deutschen Wetterdienstes eingesetzt wird, zählen zu den Innovationen.

Das Paket, das sich selbst zustellt

Auch ein Digitalisierungsthema ist unter den Gewinnern. PSI Logistics hat in einem Forschungsprojekt die Grundlagen für ein IT-System entwickelt, das in Echtzeit unter anderem die Auswirkungen von Verkehrs- und Wetterdaten auf die Supply Chain ermittelt und gegebenenfalls erforderliche Alternativen aufzeigt. Parallel dazu entwickelt PSI auf Basis modernster Technik kontinuierlich innovative Funktionen, Module und Geschäftsideen, zum Beispiel im Bereich Internet der Dinge (IoT). IoT-Chips (iBeacons) mit kleinen Bluetooth-Sendern bilden dabei die Grundlage für Lösungen, die PSI Logistics für die Bereiche Lokalisation, Indoor-Navigation, Bewegungserfassung und Füllstandsüberwachung bereits vorhält. Als Geschäftsmodell entwickelte sie daraus mit Smart Parcel eine Anwendung für die Sendungsverfolgung. Damit können Pakete sich selbst abholen und zustellen lassen sowie ihre Laufwege selbst steuern, mit integrierter Sensorik auch Bewegungs- und Umgebungsdaten wie Temperatur oder Lageveränderungen erfassen und ihren Aufenthaltsort in Echtzeit übermitteln.

In die Forschung investieren

Die Wenzel Group ist ganz auf Entwicklung und Innovation ausgerichtet. Vergangenes Jahr hat er der Messtechnikhersteller sein Prozesskette dafür neu strukturiert und eine eigene Entwicklungsabteilung aufgebaut, die das Kow-how aus allen Segmenten und internationalen Standorten bündeln soll. Entscheidend dafür seien Think-Tanks, so der Leiter für Business Development, Heiko Wenzel-Schinzer, so wie eine ausgefeilte Markt- und Wettbewerbsbeobachtung. So entstanden einige Produkte, die zur Auszeichnung der Top 100 führten. Das Unternehemn will sich künftig auch in den Dienstleistungssektor vorwagen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist bei der Zeiss 3D Automation die Innovationsorientierung des Top-Managements. Wie die rund 100 Beschäftigten auch, sei es stets intensiv in laufende Entwicklungsprojekte involviert, wie das Unternehmen selbst verkündet. Als zentrale Plattform für den Ideenaustausch der Mitarbeiter dient ein internes Wiki. Darüber hinaus liefert eine eigene Abteilung für Forschung und neue Technologien Input für die Abteilung Produktentwicklung. „Nur durch eigene Forschungstätigkeiten können wir uns als Unternehmen langfristig am Markt behaupten“, ist Geschäftsführer Dr. Frank Richter überzeugt.

Auch Maschinenbauer BAM wurd für seine Innovationskraft geehrt. Diese läge über dem Durchschnitt im Vergleich zu anderen mittelständischen Unternehmen. Zudem verfüge die BAM über ein im internationalen Maßstab professionelles Innovationsmanagement – die Geschäftsführung, wie auch die Mitarbeiter haben es geschafft über die Innovativität dem Unternehmen ein unverwechselbares Profil zu geben und damit Maßstäbe im Maschinenbau zu setzen.

Marketing und Zukunftsarbeit

Die Kübler Gruppe punktete wohl durch sein innovatives Marketing, aber auch die Innovationserfolge im In- und Ausland. „Wir haben einen Exportanteil von über 60 Prozent, derzeit acht internationale Gruppenmitglieder und Vertretungen in über 50 Ländern“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Lothar Kübler stolz. „Wir fokussieren uns ganz klar auf unsere Kernbranchen und streben an, in diesen unter den Top drei zu sein“, erklärt Entwicklungsleiter Jochen Bolte. Gemeinsam mit ausgewählten Kunden eruieren die Entwickler, vor welchen Herausforderungen die jeweilige Zielbranche in drei bis sechs Jahren stehen wird.

Auswahlkriterien der Jury

Dieses Jahr hatten sich 366 Unternehmen für die Qualifikationsrunde der Top 100 beworben. Davon kamen 284 in die Finalrunde. Bewertet wurden die Teilnehmer von Prof. Dr. Nikolaus Franke und seinem Team vom Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie fragten über 100 Parameter in fünf Bewertungskategorien ab: Innovationsförderndes Top-Management, Innovationsklima, Innovative Prozesse und Organisation, Innovationsmarketing/Außenorientierung und Innovationserfolg.

Die Top 100 zählen in ihren Branchen zu den Schrittmachern, unter den Unternehmen sind 97 nationale Marktführer und 32 Weltmarktführer.

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