Cebit 2017 Die Cebit an einem Tag – ein Erfahrungsbericht

Autor: Robert Horn

1 Tag Zeit, 14 Messehallen, 13.664 gelaufene Schritte: Wir haben uns auf die Suche nach den Höhepunkten der diesjährigen IT-Fachmesse begeben. Das ist das Ergebnis.

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Edward Snowden per Live-Schaltung am Abend. Ein Highlight.
Edward Snowden per Live-Schaltung am Abend. Ein Highlight.
(Bild: Robert Horn)

Die Cebit. IT-Fachmesse Hannover, die wohl wichtigste der Welt. In nur einem Tag, das ist die Vorgabe. Morgens hin, abends zurück. Mehr Zeit bleibt nicht, um dieses Ungetüm an Innovationen, Veranstaltungen und technischen Entwicklungen zu erfassen. Für mich als Fachredakteur heißt das: Komprimieren. Alles mitnehmen, was geht. Nicht in Pressekonferenzen hängenbleiben, die es jeden Tag zu Dutzenden geht. Lieber raus auf den Hallenboden, die Messe erlaufen und hautnah erleben. Sich führen lassen. Die knappe Zeit (und wenige Termine bei guten Bekannten) ist mein einziges Limit.

Der Start: Bombastisch inszeniert

Ich wappne mich, trinke noch einen dampfenden Becher Kaffee, denn es geht sehr früh los. Der Zug gen Hannover fährt morgens um 7 Uhr. Die zweistündige Fahrt nutze ich zum Energiesammeln und Vorbereiten. Welche Halle bietet was, wo muss ich unbedingt hin, was interessiert mich beruflich, was vielleicht sogar privat? Schnell wird klar: Alles abzugrasen und aufzunehmen wird so gut wie unmöglich. Ich schnaufe noch einmal durch, als der Zug am Messegelände hält, und steige aus.

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Ich beginne meine Ausflug in der Halle 2. Und hier gibt es gleich ein persönliches Highlight: Hier sitzt IBM. Erst vor kurzem hatte ich enge Berührungspunkte mit dem Unternehmen, als ich eine größere Geschichte zum Thema künstliche Intelligenz geschrieben habe. Jetzt interessiert mich, was IBM noch von Watson zu zeigen hat.

Der Stand des des Computerriesen ist gigantisch. Hier dreht sich alles um Stichworte wie Cyber Security (mit Watson) New Business Models (Watson hilft auch hier), Big Data Analyse (... Watson) oder Cognitive Infrastructure (was immer das sein mag). Sogar einige VR-Brillen und der knuffige Roboter Pepper sind zu sehen.

Pepper am Stand von IBM
Pepper am Stand von IBM
(Bild: Robert Horn)

IBM hat also eine ganze Palette von Watson-Anwendungen im Gepäck. Die künstliche Intelligenz wird dabei zum Beispiel im Securitybereich eingesetzt und protokolliert etwa die gesamten Datenbewegungen innerhalb eines Netzwerkes. Tritt dabei ein unvorhergesehenes Ereignis auf, zum Beispiel eine größere Datenbewegung mitten in der Nacht, wird dies protokollierten und eine entsprechende Meldung an zuständige Personen weitergeleitet. Watson lernt dabei, die Datenbewegungen eines Unternehmens kennen und kann so interpretieren, was normal ist, und wo etwas Ungewöhnliches passiert.

Auch der Industrie- und Automobilzulieferer Schaeffler ist am IBM-Stand vertreten. Das Unternehmen ist mit seinem Projekt Werkzeugmaschine 4.0 eindrucksvoll vertreten, erst im Oktober des vergangenen Jahres hatten IBM und Schaeffler eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben.

Watson im Einsatz über den Wolken

Und dann entdecke ich ein weiteres, beeindruckendes Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Watson: Mitten auf dem Messestand ist ein eingezäunter Drohnen-Parcours aufgebaut (aus Lego, ein beliebtes Material bei Messe-Demonstrationen). Zu sehen sind verschiedene Szenarien auf einer Straße, etwa ein Autounfall mit Blechschaden, ein Krankenwageneinsatz oder, ganz simpel, Stau. Darüber schwebt eine handelsübliche Videodrohne.

Sie ist mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet und kann die aufgebauten Situationen im Bild festhalten. Das Material wird in Echtzeit an Watson geschickt. Der Clou: Watson hat gelernt, wie ein Autounfall aussieht, was einen Blech- von einem Personenschaden unterscheidet, oder was ein Stau ist. So kann er entsprechende Maßnahmen veranlassen. Denkbar wäre auch, dass Watson in einem Hafen Schiffe zählt oder in einem Hochregallager die Inventur durchführt. Drohnen werden in der Industrie immer stärker angenommen, zusammen mit Watson bilden jetzt ein schlagkräftiges Team.

Huawei simuliert mal eben eine ganze Stadt

Der Stand von IBM fasziniert mich. Hier würde ich gerne mehr Zeit verbringen, aber Halle 2 hat noch viel mehr zu bieten, etwa, direkt gegenüber, den Stand von Intel. Oder, auch vertreten, Huawei. Bei Intel dominieren ähnliche Themen wie bei IBM, also Predictive Analysis, Cloud Computing oder auch autonomes Fahren, plakativ in Szene gesetzt mit einem bildschönen BMW i8 (es wird nicht der letzte bleiben).

Spannender finde ich es bei Huawei. Der chinesische Konzern stellt die smarte City in den Mittelpunkt seines Messeauftritts. Zu sehen ist die das komplette virtuelle Abbild einer Stadt, inklusive Echtzeit-Verkehrserfassung, im Einsatz befindlicher Polizei- oder Feuerwehr- oder Ambulanzkräfte. dazu gibt's Echtzeit-Überwachungsbilder aus nahezu jedem Winkel der Stadt, von wichtigen Verkehrsknotenpunkten oder stark frequentierten Kreuzungen.

Die smarte City nach den Vorstellungen von Huawei.
Die smarte City nach den Vorstellungen von Huawei.
(Bild: Robert Horn)

Daneben: Ein Monitor mit einem Performance-Index, der unter anderem das Bruttoinlandsprodukt der Stadt in Echtzeit widerspiegeln soll. Das ironische bei all der smarten Überwachung: Auch wir werden gefilmt. Am Messestand selber hängen ein gutes Dutzend Kameras die jede Bewegung der Messebesucher einfangen. Die meisten sehen nach Schmuckwerk aus. So richtig ist das aber nicht klar – ein bisschen gruselig ist das schon.

IBM, Huawei und Intel sind natürlich die Platzhirsche in Halle 2. Die Stände anderer Anbieter gehen dagegen schon ein wenig unter. Auf zu Halle 3.

Recycling fürs Büro

Mitten in der Halle sitzt Epson. Hier geht es um Drucker, ganz klar. Aber auch einige leistungsstarke Beamer, inklusive alberner (aber technisch beeindruckender) Tanzeinlage gibt es zu sehen. Aber, Epson hat auch eine Neuerung im Gepäck, das Paperlab A-8000. Das ist die weltweit erste Papierrecyclingmaschine für das Büro, die aus Altpapier neues Papier herstellt. Das System dient zusätzlich als Aktenvernichter vertraulicher Dokumente – die dann zu neuwertigem Material verarbeitet werden. Die Produktion des ersten Blattes dauert dabei nach Herstellerangabe drei Minuten.

Das Paperlab von Epson
Das Paperlab von Epson
(Bild: Robert Horn)

Ebenfalls in Halle 2 finde ich den Branchenverband Bitkom. Hier präsentieren sich Mitgliedsunternehmen im Bitkom Digital Office. Insgesamt bietet Halle 3 eher trockene Kost, finde ich. Spannend für alle, die ihr Dokumenten-Management digitalisieren wollen, aber nach dem Feuerwerk aus Halle 2 doch eher ein wenig ernüchternd. Also schnell weiter zu Halle 4.

Wenige Schritte in Halle 4 (Titel: Business Solutions, hier dreht sich alles um ERP, CRM und Cloud-Lösungen) bittet mich eine freundliche Dame, eine Umfrage über die Cebit 2017 auszufüllen. Wenig sinnvoll, viel habe ich noch nicht gesehen, aber man hilft ja gerne. Danach weiter ins Getümmel. Es ist, wie auch in Halle 2, brechend voll.

Willkommen in Japan, Teil 1

Und dann plötzlich bin ich mitten in Japan. In Halle 4 sind Teil der Aussteller des Partnerlands untergebracht. Ich finde Hitachi, Toshiba, Fujitsu, und viele freundlich blickende, asiatische Gesichter. Im Mittelpunkt des Japan-Auftritts steht die „Society 5.0“. Dahinter steht ein Konzept, mit dem die gesamte japanische Gesellschaft fit gemacht werden soll für die Digitalisierung.

Zu sehen gibt es hier reichlich. Ich entdecke einen Monitorhersteller, der Modelle mit einer Auflösung von 8K vorstellt. 8K! Das sind 33 Mio. Pixel, 16 mal so viele wie bei einem normalen HDTV-Gerät. Hierzulande hat sich noch nicht einmal die 4K-Technik durchgesetzt und Japan testet bereits die doppelte Größe: Bereits 2016 wurde das Ausstrahlen von 8K-Signalen via Satellit bei den Olympischen Spielen in Rio getestet. 2018 soll die Technik marktreif sein und 2020 bei den Olympischen Spielen Tokio eingesetzt werden. Wir Deutschen werden diese höchstauflösenden Bilder wohl eher nicht zu sehen bekommen ... Die Bildqualität ist jedenfalls unfassbar. Eingesetzt werden solche System unter anderem in der Chirurgie. Ich stelle mir vor, welche anderen Industrien mit solchen hochauflösenden Bildern eine Menge Geld verdienen würden.

Paul arbeitet bei Saturn

Und dann ist da wieder ein Roboter. Diesmal ist sein Name Paul, und er arbeitet im Saturn in Ingolstadt. Paul kann gut zuhören und sich mit Kunden unterhalten. Er weiß, wo was steht und kann den Kunden direkt zu seinem gewünschten Produkt bringen. Das ganze ist ein Projekt des Fraunhofer Keeper IPA. Zu finden ist der im Bitkom Hub (Ein Platz für Startups) in Halle 4. Zeit für ein Selfie mit Paul.

Paul und ich, ich und Paul.
Paul und ich, ich und Paul.
(Bild: Robert Horn)

Und wieder ein kleiner Exkurs. Ich lasse mich echt zu leicht ablenken. Ich bleibe bei Medicus hängen, einem kleinen Startup, das mit Hilfe intelligenter Algorithmen medizinische Daten (etwa Bluttests) von Nutzern auswertet und so hilfreiche Tipps geben kann. Das Ganze funktioniert in App-Form. Kurzfristig will das junge Unternehmen die App kostenlos unters Volk bringen, langfristig sind Kooperationen mit Versicherungen denkbar. Als Dankeschön für mein Zuhören gibt es einen Rote-Beete-Grünkohl-Spinat-Smoothie. Na dann, auf gute Gesundheit.

Plötzlich fährt mir ein kleines Vehikel fast vor die Füße. Oben drauf montiert ist eine 360-Grad-Kamera, dahinter läuft ein Japaner mit einer Fernbedienung. Er erklärt mir, dass er Rundum-Aufnahmen der Halle macht, das System fährt aber autonom. Er muss dem kleinen selbstfahrenden Roboter nur aus Sicherheitsgründen hinterherlaufen. Klingt nach einem wahnsinnig spannenden Job im hektischen Messebetrieb. Der Smoothie war übrigens lecker.

Ein Traum in Pink

Und dann ist da die Telekom. Ein riesiger, wirklich beeindruckender Stand (Ist das nicht der gleiche wie 2016?), alles in rosa, Entschuldigung, Magenta. Die Deutsche Telekom deckt mit ihrem Auftritt sämtliche Digitalisierungsthemen ab. Es geht um Cloud Computing, digitalen Handel, Mobilität und Kollaboration. Als ich auf dem Messestand komme, ist gerade Pause, kein Showprogramm. Letztes Jahr war hier noch Paul Breitner. Dafür gibt es in der Mitte einen riesigen Obst-und-Blumen-Stand an dem Käse und Obst verköstigt werden.

Ein Stand, ganz in ... magenta.
Ein Stand, ganz in ... magenta.
(Bild: Robert Horn)

Noch besser: Nebenan ist die Smart Bar. Hier gibt es nicht unbedingt smartes Bier aus smarten Gläsern, die mit einem cleveren System automatisch auf den gewünschten Füllstand gebracht werden.

Gleich nebenan finde ich SAP, die Software AG und Hewlett Packard Enterprise. Waren die nicht letztes Jahr schon genau hier? Auch hier, die Themen der Messe: Cloud Digitalisierung, Blockchain, IoT. Ich stelle fest, ist voll, brechend voll. Die Software AG hat sogar einen Astronauten auf der Bühne. Einen echten. Ich kämpfe mich aus Masse hinaus Richtung Halle 5. Hier könnte ich sicher noch mehr Zeit verbringen, aber ich habe ja einen straffen Zeitplan.

Im Land der ERP-Anbieter

Halle 5 braucht eigentlich nur drei Buchstaben: ERP. Enterprise Ressource Planning. Hier tummeln sich viele bekannte Namen, darunter Kumavision, die Trovarit AG , Abas Software, Ams Solution, Asseco Solutions (zu denen später mehr) oder Trend Micro.

Spektakulär ist Halle 5 nicht wirklich, muss man sagen. Trotzdem schlägt hier das Herz der Cebit. Wie geht es um Business. Um Business-Software, um DMS, CRM, ERP oder BI und all diese wunderbaren Abkürzungen für Unternehmenssoftware. Hierhin kommen Fachbesucher, um sich konkret beraten zu lassen, um Hilfe zu finden und sich auszutauschen. Das muss nicht schön sein, aber es ist wichtig.

Nach ein paar eher eher trockenen Hallen verspricht es jetzt, wieder spannend zu werden. In Halle 6 geht es um Research and Innovation, Forschung also. Darunter so aufregende Themen wie Artificial Intelligence, Deep Learning, Cyber-Physical-Systems oder Mensch-Maschine-Interaktion.

Mittendrin zwischen Forschungslaboren, Hochschulen und Universitäten, das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mit einer nicht unbedingt kleinen Standfläche, wie ich neidlos anerkenne. Gezeigt werden Forschungsarbeiten, etwa vom deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI).

Bequem muss es nicht sein, das Exoskelett des DFKI.
Bequem muss es nicht sein, das Exoskelett des DFKI.
(Bild: Robert Horn)

Als ich ankomme, werkelt man gerade an einem etwas klobig wirkenden Exoskelett herum. Das soll angewendet werden, um Aufgaben zu erledigen, die von Menschen nur sehr schwer ausgefüllt werden können, etwa im Weltraum, unter Wasser oder in kontaminierten Bereichen. Na ja, richtig bequem sieht es bisher noch nicht aus.

Forschung zum Anfassen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt außerdem. ein Augemented-Reality-System vor, mit der Maschinen mit Hilfe von Gesten im augmentierten Raum direkt gesteuert werden können. Kann man am Stand ausprobieren, wenn man will. Vor Ort sind, wie bereits erwähnt unzählige Hochschulen wie die Universität Stuttgart, dass Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und natürlich die Fraunhofer-Gesellschaft. Sie haben Beispiele zu Themengebieten wie Augmented oder Virtual Reality dabei, die meisten davon lassen sich in kleinen, spannenden Demonstration ausprobieren. Wer viel probiert, sollte sich hier genauer umsehen.

Ebenfalls in Halle 6 zu finden ist alles rund um Cyber-Security. Hier finden sich Unternehmen wie Kaspersky, Axians IT Security oder Sophos. Das Geschäft mit Internet-Sicherheit boomt nach wie vor.

Unter den Ausstellern finde ich auch zwei Exoten. Zum einen ist da die Stiftung Warentest. Nun ja das passt ja auch irgendwie zum Thema Sicherheit. Außerdem ist da Airbus. Das Unternehmen zeigt Sicherheitssoftware für Flughäfen. Hochkomplex und hochspannend. Mich drängt es weiter, Halle 7 wartet.

Die Bundesdruckerei als Maschinenbauer

Und dann ist sie wieder da, die Überraschung auf der Cebit. Ein simpler Name: Bundesdruckerei. Das klingt nach Behörde, nach alten Maschinen, die verfilzte Ausweise drucken. Die Bundesdruckerei ist aber eine GmbH, wird mir erzählt, die höchst aktiv auf dem Bereich Security ist. Die Neuausrichtung sei vor mehr als zehn Jahren nötig geworden, damals als der biometrische Pass entwickelt wurde. Seitdem habe man sich mit dem Thema der digitalen Sicherheit auseinandergesetzt. Auf dem Messestand steht eine voll vernetzte Industrie-4.0-Maschine zur Produktion von Ausweisdokumenten. Diese Maschine hat die Bundesdruckerei selbst gefertigt und bietet sie so auch anderen Ländern zum Kauf an, erfahre ich.

Außerdem ist die Bundesdruckerei in verschiedenen digitalen Diensten unterwegs, etwas bei sicheren Cloud-Diensten, bei denen die Daten der Kunden auf verschiedene Cloud-Anbieter verteilt werden, und damit sicher sind. Auch das Thema sichere Identitäten in der Industrie 4.0 hat sich die Bundesdruckerei angenommen, man kooperiert außerdem mit SAP. Ich bin ehrlich beeindruckt.

Autonomes Fahren wird auf der Cebit gerne mit schnittigen Sportwagen illustriert.
Autonomes Fahren wird auf der Cebit gerne mit schnittigen Sportwagen illustriert.
(Bild: Robert Horn)

Gefühlt an jeder Ecke steht hier übrigens ein schnittiger Sportwagen herum. Meistens geht es dann um autonomes Fahren oder smarte, vernetzte Fahrzeuge. Das Thema der selbstfahrenden Autos ist auf der Cebit definitiv angekommen. Irgendwo soll es auch dieses selbstfahrenden Postbus geben, Den muss ich unbedingt noch finden. Und mich damit herumkutschieren lassen.

Industrie 4.0 in Paketform

Kurz zurück in Halle 5: Hier treffe ich Christian Leopoldseder von Asseco Solutions. Spannend ist, dass das Unternehmen derzeit einen Wandel vom reinen ERP-Anbieter hin zu smarten Industrie-4.0-Lösungen vollzieht. Und das mit einer Geschwindigkeit und Konsequenz, die beeindruckt. Bereits vor einigen Jahren hatte man damit angefangen, eine predictive-Maintenance-Lösung zu entwickeln.

Inzwischen ist das Projekt aus dem Projekt-Status hinaus, sodass Asseco konkrete Pakete zum Verkauf anbieten kann. So lassen sich Maschinen leicht vernetzten, die entsprechenden Daten in der Cloud ablegen. Der Kunde selbst kann entscheiden, welche Daten erhoben werden, und wo sie abgelagert werden, etwa in der Private oder der Public Cloud. Eine weitere Option ist, die Daten über eine App den Endkunden anzubieten. So können die Käufer der Maschinen sehen, ob Ihre Investitionen rund laufen oder ob es irgendwo zu Problemen kommt.

Der Verkäufer der Maschine, also der Kunde von Asseco, erhält diese Daten ebenfalls, kann so die eigenen Maschinen besser überwachen und bei Ausfällen leiter reagieren. Er ist, um das zu klären, auch der Eigentümer der Daten. Asseco bietet diese Pakete erst seit wenigen Wochen an, schon jetzt denkt man über den nächsten Schritt nach: Künstliche Intelligenz soll helfen, den Service noch weiter zu verbessern. Deshalb ist man in intensiven Gesprächen mit Siemens, IBM und auch Micrsoft.

Biohacking und Edward Snowden

In Halle 8, meinem nächsten Ziel, finden die Cebit Global Conferences statt. Hier komme ich später wieder, werde mir eine Live-Schaltung zu Edward Snowden anschauen. Jetzt erst mal weiter. Aber halt, in einer Ecke gibt es doch noch etwas Spannendes zu sehen: Das sogenannte Biohacking, also das Verbessern des eigenen Körpers mit Hilfe von Elektronik. Sehr exotisch, noch. Ich (und ein Dutzend weitere Schaulustige) darf live dabei sein, als sich ein junges Mädchen einen NFC-Chip unter die Haut an der Hand implantieren lässt. Wirklich glücklich sieht sie nicht aus, aber was tut man nicht alles, um Industrie 4.0 zu sein.

Es ist schmerzhaft, ein digitaler Pionier zu sein.
Es ist schmerzhaft, ein digitaler Pionier zu sein.
(Bild: Robert Horn)

Halle 9 gehört Salesforce, amerikanischer Anbieter von Cloud-Lösungen und besonders im bereich CRM aktiv. Ja, die ganze Halle. Und irgendwie gibt es hier alles. Stände, bei denen es um die Business Software geht genauso wie Fußballspiele mit dem FC Schalke 04, Live Konzerte und irgendwie jede Menge Heiterkeit. Alles wirkt ein wenig amerikanisch kitschig. Oder vielleicht bin ich auch nur zu deutsch.

Man kann hier zum Beispiel eine ganz süße Plüschfigur gewinnen, wenn man dann eine Art Rallye teilnimmt. Dazu gilt es, Stempel zu sammeln und dabei die ein oder andere Station in der Salesforce-Halle abzuklappern.

Erstmal raus an die frische Luft. Draußen pumpt der Salesforce-Bass Fröhlichkeit in die Außenbereiche (die Raucher wird´s freuen), ich bahne mir meinen Weg zu Halle 11. Der autonom fahrende Bus ist nirgends zu sehen.

Ein kleines Zwischenfazit: ich habe bisher acht Hallen gesehen und mein Fitness Tracker sagt, dass ich etwa 7000 Schritte gelaufen bin. Mein Rücken brennt wie Feuer, ein wenig stellt sich Müdigkeit ein. Dehalb schnell weiter in Halle 11:

Ich lande im Bereich der Scale11. Das ist der Start up Bereich der Cebit. Hier ist deutlich weniger los, anders als in allen anderen Hallen, dafür ist es zum Glück auch ein wenig luftiger ich bin sicher, gibt es sehr viele spannende Sachen zu entdecken.

Oder auch nicht.

Komisch, das kenne ich vom letzten Jahr anders. Ich gehe weiter in Halle 12 Uhr. Hier findet sich die Welt der Reseller. Ein großer Teil davon chinesische Verkäufer. Eine düstere Welt aus kitschig-bunten, grellfarbenen Ständen und finster und gelangweilt auf Smartphone starrende Asiaten. Zu holen gibt es hier für mich nichts.

Willkommen in Japan, Teil 2

Und dann ist er da plötzlich, der Japan-Pavilion. Stolze 12.000 Quadratmeter, die gar nicht so aussehen, gedrängt ins letzte Eck der Halle 12. Und, das freut aus Sicht eines Maschinenmarkt-Redakteurs, vollgestopft mit Unternehmen die auf einer Cebit eigentlich weniger zu finden sind, etwa Yaskawa oder Kawasaki Robotics oder Yamaha Electric. Es geht das Gerücht, raunt man mir später im Pressezentrum zu, dass ein hohes Tier aus der japanischen Regierung japanische Unternehmen dazu angewiesen hat, auf der Cebit Flagge zu zeigen. Ob sie etwas mit Digitalisierung zu tun haben, oder nicht. Es macht die Messe auf jeden Fall ein bisschen spannender.

Wer Roboter im Einsatz sehen will, sollte den Japan-Pavillon aufsuchen.
Wer Roboter im Einsatz sehen will, sollte den Japan-Pavillon aufsuchen.
(Bild: Robert Horn)

Eine Currywurstpause weit er später geht es weiter. Halle 16 ist vollgestopft mit mit chinesischen Hardware Anbietern. Hier gibt es alles: Von Monitoren über Batterien bis zu Handydisplays, Fitnesstracker, batteriebetriebene Klingeln, Kassensysteme, Geldautomaten, Computerzubehör, smarte Fahrradhelme, Kopfhörer, Adapter, Tastaturen, Gamecontroller, Computermäuse, Kopfhörer, Modems, Voice-over-IP-Anwendungen, Gateways, Handyhüllen, 3D-Drucker, Laptops ... Uff.

Plötzlich bin ich hier raus aus dem Elektronikdschungel und mittendrin in der Drohnenhalle. Diesen Bereich gibt es erst seit Oktober letzten Jahres, die Bedeutung der fliegenden Helfer ist seitdem aber stetig gewachsen. Die Halle wird beherrscht von einem riesigen abgesperrten Bereich, in dem professionelle Drohnenflieger Rennen veranstalten. In anderen Ländern ist das schon eine Riesensache, mit Live-Übertragungen, hohen Preisgeldern, und professionellen Piloten. Das Areal wird auch von den Herstellen selber genutzt, um ihre Drohnen dem Publikum vorzuführen. Ein hohes Summen begleitet einen hier Schritt auf Tritt.

Drumherum gibt es Drohnen jeder Größe und für jeden Zweck zu bestaunen. Kleine Flitzer fürs Hobby, größere wie die der Marke DJI zum Fotografieren und Filmen im Amateur bis Halb-Profibereich, industrielle Drohnen mit aufwendigen Gimbal-Systemen, die zur Wartung eingesetzt werden können, oder, ausgestattet mit Wärmebildkameras, zur Suche nach Vermissten.

Viel Platz zum Ausprobieren bietet der VR Bereich, der in derselben Halle angesiedelt ist. Hier tummeln sich vor allem Startups wie realities.io, dass es Usern per VR-Brille ermöglicht, exotische Orte auf der ganzen Welt zu bereisen und sich dort virtuell umzuschauen.

Hier findet man vor allen Dingen Startups. Man merkt, dass die VR-Branche noch jung ist und nach Ideen sucht. Es gibt viele nette Anwendungen, das meiste sind jedoch Spielereien. Besonders industrielle Anwendungen sind noch Mangelware. Aber, gerade im Bereich der Augmented Reality tut sich einiges, hier werden bereits Systeme zur Fernwartung eingesetzt.

Ich beende meinen Hallenrundgang, dankbar, dass jetzt der Teil des Tages kommt, den ich sitzend verbringen darf: Ich werde mir auf den Global Conferences Edward Snowden ansehen. Und davor noch Raimund Genes, CTO von Trend Micro. Ehrlicherweise bin ich nur hier, weil ich für Snowdens Auftritt einen guten Platz haben will. Eine Fehleinschätzung: Genes zerstört auf erfrischende Art und Weise, untermalt von zynischem Humor, die Mythen, die sich um Cybersecurity und Antivirenschutz drehen. Die Videoempfehlung weiter unten geht auf sein Konto.

Der Mann, der ein Verräter ist

Was dann folgt, ist mein persönliches Highlight. Edwards Snowden, der bekannteste Whistleblower der Welt, wird abends auf den Global Conferences live zugeschaltet. Es ist in der Tat ein besonderer Moment. Warum? Weil sich dieser junge Mann nicht in den Mittelpunkt stellt, sich nie in den Vordergrund drängt. Er mahnt, er warnt – vor aufdringlichen Geheimdiensten, vor verantwortungslosen Herstellern, vor zu viel Überwachung.

Das ist das goldene Zeitalter der Überwachung, sagt er an einer Stelle. Man müsse es den Ländern dieser Erde, die versuchen, das Internet unter sich aufzuteilen, schwer machen. Sich schützen. Daten schützen. Verschlüsseln, kontrollieren und immer wieder aufdecken. Und den Kindern von morgen „Magie“ beibringen: Das Wissen, die digitale Welt zu verstehen und zu kontrollieren, um das uneingeschränkte Schalten und Walten der Großen und Mächtigen auszutrocknen.

Snowden spricht dabei immer ruhig, selbst, als es um sein ungewisses Schicksal geht – oder seine Rolle als Vorbild, als Idol. So sieht er sich nicht und was passieren wird, wird passieren, sagt er. Und so klingt er dann doch genau wie das Idol, das er nicht sein möchte.

Die Mission ist erfüllt

Cebit an einem Tag, geschafft. Oder auch nicht. Nicht alles, was ich mir vorgenommen hatte, hat auch geklappt. Eine spannende Geschichte aus JEDER Halle? Ging nicht. Mit dem selbstfahrenden Bus kutschieren? Nicht gefunden. Tesla besuchen? Muss ich verpasst haben. Gelohnt hat es sich trotzdem. Vor allem, weil das die letzte Cebit ihrer Art sein wird. Ab nächstem Jahr wird alles anders. Das freut mich, denn es wird der Messe gut tun. Und vielleicht wage ich mich dann wieder an die Aufgabe „Cebit an einem Tag“.

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