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Frankreich

„Die Digitalisierung ist eine Chance aufzuholen“

| Redakteur: Stéphane Itasse

Frédéric Rossi (links) und Christophe Lecourtier von Business France sehen eine gute Akzeptanz für die Digitalisierung in der französischen Industrie.
Frédéric Rossi (links) und Christophe Lecourtier von Business France sehen eine gute Akzeptanz für die Digitalisierung in der französischen Industrie. (Bild: Itasse)

Frankreichs Politik macht sich stark für die Digitalisierung und Industrie 4.0. Nicht nur Staatspräsident Emanuel Macron bringt das Thema immer wieder auf die Agenda, auch Verwaltung und Wirtschaft treiben es voran.

Im Interview erläutern Christophe Lecourtier, Generaldirektor des Investitionsförderers Business France, und Frédéric Rossi, als stellvertretender Generaldirektor für die Exportaktivitäten verantwortlich, die Strategie Frankreichs bei der Digitalisierung.

Mit welchen Initiativen unterstützt Frankreich seine Unternehmen bei der Digitalisierung und welches sind die Ziele?

Lecourtier: Die Zahlen sprechen für sich – der Abwärtstrend der französischen Industrie ist seit zwei Jahren gestoppt. Jetzt wollen wir wieder durchstarten und dazu gibt es mehrere staatliche Initiativen. Eine davon, Industrie du Futur, stellt für die Unternehmen Informationen und finanzielle Unterstützungen bereit. Sie dient aber auch zum internationalen Austausch, zum Beispiel mit der Plattform Industrie 4.0 in Deutschland oder Impresa 4.0 in Italien. Grund dafür ist der weltweite Wettbewerb, sowohl von aufstrebenden Ländern wie China als auch von entwickelten Nationen wie den USA.

Rossi: French Fab ist eine weitere Initiative. Sie soll zu einem neuen Image für die französische Industrie beitragen. Es geht darum, die Industrie in einem neuen Licht darzustellen und auch einen gewissen Stolz zu vermitteln. Nicht zuletzt soll die Initiative die Möglichkeiten für die berufliche Entwicklung in der Industrie zeigen. Wenn wir als Standort führend bleiben wollen, müssen wir die Industrie neu beleben – mit Innovationen, aber auch mit den Menschen. Ein weiterer Akteur ist die Entwicklungsbank BPI, die 2012 gegründet wurde. Sie hilft kleinen Unternehmen unter anderem mittels Coaching, zu Mittelständlern heranzuwachsen – an Unternehmen dieser Größe fehlt es in Frankreich. Ziel ist es, binnen drei Jahren 4000 Unternehmen zu Mittelständlern zu machen.

Wo liegen die Stärken Frankreichs beim Thema Digitalisierung?

Lecourtier: Die Verspätung in Sachen Digitalisierung muss aufgeholt werden. Wir sind vielleicht mit der Industrie nicht in der besten Position dafür, aber wir haben starke Anbieter in den Bereichen Software, Big Data, oder Human-Ma­chine­-Interface (HMI). Bei anderen Themen wiederum sind wir stärker, wenn wir auf europäischer Ebene geeint auftreten – das betrifft vor allem Standards und Normen. Das ist auch einer der Haupttreiber der jüngsten deutsch-französisch-italienischen Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass wir uns in Europa ein Gewicht bei der Erarbeitung von Normen verschaffen.

Rossi: Jedes Land hat seine Initiativen für die Digitalisierung der Industrie, mit unterschiedlichen Stützpfeilern. Allerdings gibt es nur in Frankreich den Pfeiler „der Mensch in der Industrie der Zukunft“. Wir sind also das einzige Land, das dabei auch auf den Menschen in dieser Dimension eingeht.

Wie setzen französische Unternehmen ihre Angebote für die Digitalisierung um?

Lecourtier: Unternehmen wie Dassault Systèmes entwickeln ihre Angebote für Industrie 4.0, Smart Cities oder Gesundheit 4.0 eher prospektiv, also nicht durch Learning by Doing, sondern mit klaren Zielsetzungen. Die Mitarbeiter sind nicht notwendigerweise Ingenieure, es sind auch viele Ärzte, Architekten oder Pharmazeuten dabei. Damit verfolgt das Unternehmen einen kundenorientierten statt einen technologieorientierten Ansatz.

Was kann Frankreich mit der Digitalisierung für seine Industrie erreichen?

Lecourtier: Wir wollen mit der Digitalisierung aufholen, was wir bei der Roboterisierung versäumt haben. Das ist eine Gelegenheit, die französische Industrie mittels Kostensenkungen wiederzubeleben. Die Herausforderung liegt bei uns selbst, dass wir die Revolution nicht verpassen. Wir sind zwar stark bei Computern, Software, allem was mit Mathematik zu tun hat, aber bei der Industrie müssen wir noch einiges aufholen. French Fab schafft das Bewusstsein hierfür.

Wie wird Ihrer Ansicht nach die französische Industrie die Herausforderungen annehmen?

Lecourtier: Der Wind hat sich gedreht: Die Unternehmensstimmung ist wieder auf dem Vorkrisenniveau, die Investitionen in Werkzeugmaschinen steigen. Damit kann die Digitalisierung gut akzeptiert werden.

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