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Harting Die Familie der Steckverbinder

| Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

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Mit industrietauglichen Steckverbindern ist das Unternehmen Harting bekannt geworden.
Mit industrietauglichen Steckverbindern ist das Unternehmen Harting bekannt geworden.
(Bild: Harting)

Das Unternehmen Harting ist vielen Maschinenbaufirmen wohlbekannt als Produzent zuverlässiger, massiver Steckverbinder. Doch begonnen hat alles ganz anders: Denn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, am 1. September 1945, gründet das Unternehmerehepaar Wilhelm und Marie Harting vor 70 Jahren die Firma „Wilhelm Harting Mechanische Werkstätten“. Gefertigt wird in einer kleinen Halle mit etwa 100 m² in einer ehemaligen Reparaturwerkstatt in Minden. Produziert wird, was man damals dringend benötigte: Sparlampen, heiß begehrte Kochplatten, elektrische Feueranzünder, Zweiplatten-Elektrokocher und Bügeleisen.

Schon bald platzt der Betrieb aus allen Nähten, 1947 ziehen die Hartings in das nahegelegene ehemalige Pferdelazarett der Mindener Simeonskaserne. Dort vergrößert sich das Werk zusehends: Labor, Versuchswerkstatt und Konstruktionsbüro werden eingerichtet. Und wieder sucht man eine neue Bleibe: Mit 180 Mitarbeitern lässt sich das Unternehmen 1950 nun in Espelkamp nieder. Die Firmenadresse lautet: Wilhelm Harting – Werk für Elektrotechnik und Mechanik, Danziger Straße, Espelkamp-Mittwald. Dort werden mehrere frühere Munitionslagerhallen zu einem modernen, 50.000 m² großen Werk umgebaut.

1954 macht sich der Wohlstand in Deutschland bemerkbar. Deshalb baut Harting im Auftrag Musikboxen. Dann beginnt die Produktion von Plattenspielern und Phonokoffern. Außerdem überrascht Wilhelm Harting den Markt und seine Kunden mit einem 12-Platten-Wechsler und startet zudem 1957 die Produktion elektromedizinischer Diathermiegeräte.

Elektromechanische und elektromagnetische Bauelemente

1957 kommt ein weiterer Produktionszweig dazu, der historisch von entscheidender Bedeutung für das Wachstum des Unternehmens ist und der in der Fachwelt als Wertbegriff unter „elektromechanische und elektromagnetische Bauelemente“ gehandelt wird. 1959 produziert Harting als weitere Neuheit und erstes europäisches Unternehmen elektrische Zigarettenautomaten.

Als Wilhelm Harting im Jahre 1962 stirbt, zählt sein Unternehmen bereits über 700 Beschäftigte. Fünf Jahre nach dem Tode ihres Mannes und der Übernahme der Firmenleitung erhält Marie Harting Unterstützung aus den eigenen Reihen: Ihr Sohn Dietmar tritt in das Unternehmen ein und zwei Jahre später auch sein Bruder Jürgen. Dietmar Harting kümmert sich als Diplomkaufmann um den kaufmännischen Bereich, sein Bruder Jürgen übernimmt die Leitung des gesamten technischen Bereichs bis zu seinem frühen Tode 1973 im Alter von nur 32 Jahren.

Die Produktion von Leiterplatten-Steckverbindern läuft seit den 70er-Jahren auf Hochtouren. Mitte dieser Dekade werden die Produktion und der Verkauf von Musikautomaten eingestellt. Das Unternehmen fokussiert sich auf Zigarettenautomaten für den Innenbereich sowie Steckverbinder. Am 1. Januar 1979 wird die erste europäische Tochtergesellschaft in Frankreich gegründet. Es folgen weltweit viele weitere Niederlassungen. Im selben Jahr engagiert sich Harting in der Entwicklung und Fertigung von Bauelementen für faseroptische Übertragungssysteme mit Polymerfasern in Maschinensteuerungen.

Industrietaugliche Lösungen im Ethernet-Bereich

Dann geht alles ganz schnell: 1983 wird die Flachkabel-Steckverbinderproduktion im Schweizer Uhrenzentrum Biel aufgebaut. 1986 produziert Harting den ersten elektrischen Außenautomaten „Semtron“. Im März 1987 tritt Margrit Harting als Geschäftsführerin in die GmbH ein. 1987 wird ein Kombinationssteckverbinder „Han Com“ entwickelt, der Elektronik- und Leistungskontakte in einem Steckverbinder vereinigt. 1999 wird Dietmar Harting zum ZVEI-Präsidenten gewählt.

Das neue Jahrtausend steht im Zeichen der Ausrichtung als Technologiegruppe: Harting gibt sich eine Organisationsstruktur mit sieben Global Business Units und Landesgesellschaften in 32 Ländern. So können Lösungen schnell und flexibel entwickelt werden. Herausragende Beispiele für Produkte sind die industrietauglichen Lösungen im Ethernet-Bereich, die sowohl Steckverbinder auf RJ45-Basis als auch komplette Verkabelungssysteme und aktive Geräte wie Switches umfassen. Der Ausbau von Kompetenzen führt bis hin zum Micro-Packaging, das heißt der Ankontaktierung zum Beispiel von Mikrochips.

Die Jahre 2003/04 bringen für Dietmar Harting neue Herausforderungen: Er wird zum Präsidenten des DIN gewählt und zum Ehrenpräsidenten des ZVEI auf Lebenszeit ernannt.

Seit 2005 ist Harting auch in Indien aktiv. Die dritte Generation nimmt mit Philip F. W. Harting als Managing Director Asia Pacific ihre Tätigkeit auf.

Für den passiven UHF-RFID-Transponder Harfid LT 86 (HT) erhält Harting 2006 den Hermes-Award – Internationaler Technologiepreis der Hannover-Messe. Mit Dipl.-Kauffrau Maresa W. M. Harting tritt im April 2007 die Tochter von Dietmar und Margrit Harting als Vorstand Finanzen und Einkauf in das elterliche Familienunternehmen ein. Am 1. März 2008 beginnt Philip F. W. Harting als Vorstand Connec-tivity und Networks bei der Harting KGaA.

Im Produktbereich überzeugt der neue Steckverbinder Han-Yellock, der auf der Hannover-Messe 2010 vorgestellt wird, mit einem völlig neuen Design. Dafür erhält er auch 2011 den renommierten internationalen iF product design award.

Seit 2014 sind Maresa Harting-Hertz und Philip Harting als persönlich haftende Gesellschafter und damit die dritte Generation fest in das Unternehmen eingebunden. Die Gruppe zählt mittlerweile 4048 Mitarbeiter und generiert einen jährlichen Umsatz von 547 Mio. Euro.

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