Lagertechnik Die Fertigungs-Performance wird durch Blechlager gepusht

Autor / Redakteur: Ines Pfister / Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Durch konsequentes Investment in die Lager- und Materialfluss-Automatisierung konnte ein Blechbearbeiter die Produktivität um mehr als 25 % erhöhen, die Material-Verfügbarkeit ausweiten und außerdem den Materialverschnitt spürbar reduzieren.

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Das Blechlagersystem Kasto Unitower 3.0, hier: Die Untertunnelung des Blechlagersystems und der Fahrweg zur Durchfahrt des Längsfahrwagens in den Bereich des Beladesystems der Laseranlage.
Das Blechlagersystem Kasto Unitower 3.0, hier: Die Untertunnelung des Blechlagersystems und der Fahrweg zur Durchfahrt des Längsfahrwagens in den Bereich des Beladesystems der Laseranlage.
(Bild: Kasto)

In der Keller Blechtechnik GmbH mit Sitz im südbadischen Endingen steckt die Philosophie eines typisch mittelständischen Unternehmens. Das verdeutlicht die Kombination der beiden Slogans „Ideen in Blech – gut beraten, gut gelöst“: Die Ursprünge gehen auf das Jahr 1901 zurück: Vom Urgroßvater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters, Harald Keller, als Schmiede und Hufbeschlagbetrieb gegründet und vom Großvater fortgeführt, begannen der Vater und ein Onkel Anfang der 90er Jahre mit der industriellen Blechbearbeitung. Spätestens mit dem Einstieg von Harald Keller im Jahr 2001 nahm die Entwicklung hin zum strikt auf Industrie-Dienstleistungen fokussierten Betrieb ihren Verlauf.

Seit jeher setzt das Unternehmen, in dem heute mehr als 40 Mitarbeiter/innen beschäftigt sind, auf neue Technologien. Unter anderem investierte Keller bereits im Jahr 1991 in Stanzmaschinen sowie 1997 in eine Laser-Schneidanlage und CNC-Gesenkbiegepressen. Harald Keller führt diesen Kurs mit der Strategie einer durchgängig vernetzten, flexiblen Auftragsfertigung fort. „Wir sind seit 1965 zertifizierter Schweißfachbetrieb und Lieferant von Blech- sowie Metallteilen für Landmaschinen und den Maschinenbau. Darüber hinaus sind wir als Hersteller von Ölbehältern sowie als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig. Damit haben wir zwar ein breites Kundenspektrum, konnten aber nicht alle relevanten Technologien und Leistungen anbieten“, erklärt er. „Deshalb haben wir unser Fertigungs-Portfolio Stück für Stück ausgebaut und mit dem Einsatz neuer Technologien und Verfahren ein starkes Wachstum generiert. Wir bieten heute alles für die industrielle Blechteilefertigung – vom Laser-Schneiden und Stanzen über das Laser-Schweißen und -Beschriften, Biegen und Umformen, Schleifen und Gleitschleifen, Einpressen bis zur Oberflächenveredelung durch Pulverbeschichtung.“

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Als spezialisierter Universalist den Erfolg erarbeitet

Heute kommen die Kunden unter anderem aus der Nahrungsmittelproduktion, der Medizintechnik, dem Automotivebereich sowie dem Maschinen-, Landmaschinen- und Metallbau. Dieses Spektrum stellt für die Fertigung wegen der teils sehr unterschiedlichen Materialien immer wieder eine Herausforderung dar. Um die Kunden schnell beliefern zu können, greift Keller Blechtechnik auf ein umfangreiches Materiallager zurück. Dieses beruht auf einem von Harald Keller als Technikerarbeit erstellten Lager- und Materialflusskonzept. Früher waren die unterschiedlichen Werkstoffe auf mehrere Lagerorte verteilt, wodurch sich ein hoher Aufwand für Disposition, Transport und Handling ergab. Heute stellt sich dies ganz anders dar: Mit Hilfe der Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG entstand eine Lager- und Materialflusslösung nach Maß. Diese ermöglicht eine direkte Versorgung einer hoch automatisierten Laserschneidanlage mit Beladesystem direkt aus dem Blechlager.

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Herzstück ist ein Kasto-Blechlagersystem der Baureihe Unitower B 3.0 mit 89 Paletten-Lagerplätzen. Die Paletten nehmen Bleche im Format 3000 x 1500 mm auf und können bis zu einer Stapelhöhe von 90 mm mit verschiedensten Blechen beladen werden. Die Nutzlast liegt bei jeweils 3 t, sodass Keller sofort auf rund 270 t Bleche zugreifen kann. Das Unternehmen, das Bleche aus Stahl, Niro und Aluminium in Dicken von 0,5 bis 20 mm verarbeitet, erreicht mit dieser Lagerkapazität einen hohen Verfügungsgrad und kann damit auf Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren. Das automatische Turmlagersystem besitzt zur Ein- und Auslagerung von Systempaletten sowie zu direkten Beschickung des Beladesystems an der Laseranlage mit Blechen eine Querstation (Station I) mit Querfahrwagen und eine Längsstation (Station II) mit Längsfahrwagen. Zur Be- und Entladung der ausgepackten Blechpakete per Stapler oder Hallenkran ist der Querfahrwagen mit einer hydraulischen Stempel-Hubeinrichtung ausgerüstet.

Automatisches Lagersystem als Herz des Materialfluss-Konzepts

Der Längswagen zur Versorgung des Laseranlagen-Beladesystems hat einen Ablageplatz zum sukzessiven Ein- und Auslagern von Systempaletten sowie für die hauptzeitparallele Rückführung nicht mehr benötigter Bleche und Paletten. Beide Fahrwagen haben eine optische Konturenkontrolle, um in jedem Paletten-Beladezustand einen sicheren Betrieb zu ermöglichen und Störungen zu vermeiden. Für das Paletten- und Blech-Handling ist das dynamische Regalbediengerät zuständig, das mit Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 22 m/min im Hubwerk und 20 m/min in der Systempaletten-Zieh-/Schiebeeinrichtung arbeitet. Die Systemsteuerung Kasto-Easycontrol ist als Automatik- oder Handsteuerung nutzbar und beinhaltet auch die Auftragsverwaltung für das gesamte Lagersystem. Zudem besteht eine Schnittstelle zum Beladesystem der Laserschneidanlage, um den sicheren Beschickungsablauf zu gewährleisten.

„Wir konnten hier auf Grundlage der Standardausführungen des Blechlagerturms Unitower B 3.0 und mit angepasster Anordnung der Quer- und Längsstationen eine sehr kompakte Anlage realisieren“, erläutert Martin Stöckle, Vertriebsteamleiter bei Kasto. „Da die Platzverhältnisse durch die Anordnung der Laserschneidanlage und des weiteren Equipments in der Halle ziemlich beengt waren, machten wir den Vorschlag, das Lagersystem hinter der bestehenden Hallenwand aufzustellen, um die Blechpaletten auf kürzestem Weg in den Bereich des Beladesystems befördern zu können.“ Dadurch minimieren sich die Wechselzeiten und die Laseranlage ist im 1,5-schichtigen Betrieb mit Bedienung sowie in der zweiten und dritten unbemannten Schicht fast unterbrechungsfrei nutzbar. Dies ermöglicht zum einen ein signifikantes Produktivitäts-Plus von rund 25 %. Zum anderen sorgte die aktuelle Lager- und Bestandsübersicht dafür, dass Keller seinen Lagervorrat optimieren und zudem den Verschnitt verringern konnte. „Hinzu kommen weitere Vorteile wie die Vermeidung von Beschädigungen durch mehrfaches Lager- und Transport-Handling, die bessere Auslastung der Laseranlage durch geringere Stillstandzeiten, der Wegfall des Transports von Außenlagern und damit auch der Schutz vor Witterungseinflüssen“, resümiert Harald Keller.

Kasto auf der Euroblech 2016: Halle 11, Stand E16

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