Suchen

Porträt Die Geburt des Personal Computers

| Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Rosemarie Stahl

San Francisco, Herbst 1974: Ein 19-jähriger Mann kehrt mit langen Haaren, Vollbart und in Sandalen aus Indien zurück. Mehrere Monate hat sich der Frutarier in der Ferne mit dem Hinduismus, dem Buddhismus und der Primärtherapie beschäftigt. Und er wird Geschichte schreiben.

Der Werbespruch für den Apple I lautete 1976: „Byte into an Apple".
Der Werbespruch für den Apple I lautete 1976: „Byte into an Apple".
(Bild: Wikipedia)

Doch nicht als Philosoph mit dem Charme eines Blumenkindes aus Kalifornien, sondern als Technikhippie. Seine Leidenschaft zu Früchten wird dabei zum Markenzeichen. 1976, vor 40 Jahren also, wird er ein Unternehmen gründen mit einem angebissenen Apfel als Symbol. Als Steve Jobs 2011 im Alter von 56 Jahren an Krebs stirbt, wird sein Vermögen auf mehr als 8 Mrd. Dollar geschätzt.

Er ist einer der PC-Pioniere, der zum Milliardär wurde. Der andere, sein Konkurrent, ist 1974 ebenfalls 19 Jahre alt und studiert damals in Harvard, bricht ein Jahr später sein Studium ab um fortan mit seinem Kommilitonen programmieren. Bill Gates ist heute mit einem Vermögen von fast 90 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt. Beide jungen Männer beginnen mit ihren Freunden in den 70ern ihre Mission aus Spaß an der Freude, und es wird mehr – sie verändern das Leben von Milliarden von Menschen. Sie prägen den Personal Computer.

Vom Altair über den Apple I zum IBM-PC

Drei Jahre vor Jobs Rückkehr aus Indien schafft das Unternehmen Intel eine wesentliche Voraussetzung für das Interesse an Computern und der Zukunft mit ihnen: den Mikroprozessor. 1971 stellt das Unternehmen mit dem „Intel 4004“ den ersten seiner Art vor. 1974 ist mit dem „Intel 8080“ ein erster vollwertiger 8-Bite-Mikroprozessor auf dem Markt. Für ihn wird das Betriebssystem CP/M entwickelt, ein plattformunabhängiges System, das Computer zehn Jahre lang prägen soll, bis es von MS-DOS verdrängt wird.

Fortan wird im Südosten der USA gestaunt, gebastelt und junge Studenten treffen sich in Computerclubs. Bereits 1975 stellt ein Bastler und Elektrohändler aus New Mexiko namens Ed Roberts seinen ersten Heimcomputer vor – den „Altair 8800“. Der ist kompakt und mit seinen 400 Dollar erschwinglich. Somit kann er es mit den ganz Großen aufnehmen. Die ganz Großen – das sind Computer, die 1975 noch ganze Räume füllen und in Instituten und Großkonzernen stehen. Selbst Studenten bekommen sie selten zu Gesicht. Einen privaten Computer zu besitzen, war bis dahin schlicht und einfach eine Utopie. Nun können sich Bastler mit dem Altair ihren eigenen leisten. Doch das Ding wird mit Kippschaltern programmiert. Es lässt sich nichts speichern, denn es gibt keine Software. Dennoch ist es begehrt – auch in San Francisco.

Steves Jobs und sein Studienfreund Steve Wozniak staunen im Computerclub über das Gerät und wollen auch einen Altair haben. Doch die jungen Männer haben die 400 Dollar nicht. Also bastelt Wozniak seinen eigenen und billigeren – vor allem um die Freunde im Club zu beeindrucken, wie er später zugibt. Die Computer-Jünger sind begeistert und lassen sich mit großem Interesse vom Bastler und Erbauer erklären, wie die Kiste funktioniert. Jobs sieht sie, überlegt und sagt: „Lass uns eine Firma gründen und das Ding verkaufen.“ Mehr aus Spaß als aus hartem Unternehmergeist gründen die zwei am 1. April 1976 die Firma Apple Computer. Für das notwenige Startkapital von 1000 Dollar verkauft Wozniak seinen Taschenrechner, Jobs seinen VW-Bus. In der Garage von Jobs‘ Eltern entstehen die ersten 50 Apple in Heimarbeit. Die Gehäuse liefert der örtliche Schreiner, denn der Apple I hat eines aus Holz. Das Gerät ist kleiner und einfacher als der Altair, doch es kann genauso viel.

Wozniak bastelt weiter, ersetzt einen Chip durch fünf andere und optimiert Schaltkreise. Bereits ein Jahr später baut er den Computer, den er sich immer für sich wünschte – den Apple II. Sein Freund Jobs sagt: „Ich denke, wir können Tausend davon im Monat verkaufen.“ Und das können sie. Sie borgen sich Startkapital und gründen eine Fertigung. Apple löst binnen kurzer Zeit viele Computer in Unternehmen und an den Börsen ab.

Der mächtige Konkurrent IBM legt nach und stellt 1981 seinen PC vor. Dabei steht die Hardware schnell zur Auslieferung bereit. Was noch fehlt, ist die Software. Und da kommen zwei Männer ins Spiel, die als Pioniere der Software gelten. Seit 1975 beschäftigen sich der Harvard-Absolvent Bill Gates und sein älterer Schulfreund Paul Allen mit der Software „Basic“. Und das mit Erfolg: Sie füttern ihren Altair mithilfe von Kassettenrecordern und Diskettenlaufwerken mit Software. Und das tun sie so intensiv, dass Bill Gates sein Studium an den Nagel hängt und niemals abschließen wird. Allen und Gates programmieren in den 70ern bereits erfolgreich ihr „Basic“ für IBM. 1981 ist der IBM-PC fertig, ausgestattet mit dem Betriebssystem MS-DOS. Und dieses Gerät ist leistungsfähiger als der Apple II. Was IBM wiederum nicht hat, ist eine Kontrolle über Lizenzen an Dritte. Anders als Apple hat IBM keine Rechte an der Hardware seiner Produkte. Fast alles kommt von Zulieferern, nichts ist geschützt. Also wird der PC von IBM fröhlich nachgebaut. Und diese Nachbauten verbreiten sich schnell und sind günstiger als das Original. Der 64 von Commodore ist ein populäres Beispiel dafür.

Eine grafische Benutzeroberfläche ist die Zukunft

Drei Jahre später ist es wiederum Apple, das 1984 mit seinem Macintosh den Markt zurückerobert. Das Arbeitsprinzip dieses Rechners: eine grafische Benutzeroberfläche mit einer Maus als Steuergerät. Privatpersonen und kleine Firmen kaufen den nach einer Apfelsorte benannten MAC. Ein Jahr später stellt Microsoft sein Windows vor. Ein Abklatsch? Mutmaßlicher Diebstahl steht im Raum. Doch alle klauen. Gates und Allen kaufen MS-DOS von einem Programmierer in Seattle für 50.000 Dollar. Und die grafische Benutzeroberfläche mit der Maus? Das entdeckt Steve Jobs bei Xerox und kreiert daraus seinen MAC. Nun wiederum folgt Microsoft 1985 mit seinen Fenstern. 1993 waren 80 Prozent aller PCs auf der Welt mit Windows ausgestattet. 1995 hat Microsoft mit seinem „Windows 95“ den Sieg vollbracht. Ein ganzes Betriebssystem hat die Welt erobert. Vom Handy, über den PC bis zur Spielkonsole ist alles in der Hand von Bill Gates’ Unternehmen. Aber auch Apple hat mit dem MAC seinen Erfolg und ist dort Marktführer, wo die Musik spielt.

Der Personal Computer hat in den letzten Jahrzehnten die Welt verändert. Er ist das wichtigste Kommunikationsinstrument der Gesellschaft. Und die Entwicklung ging nicht von der Industrie aus, sondern von den Technik-Hippies aus Kalifornien.

(ID:44018293)