Ingenieursausbildung Die größten Schwächen liegen in der Praxiserfahrung der Absolventen

Redakteur: Robert Horn

Wie gut können die deutschen Hochschulen mit den Bologna-Anforderungen inzwischen umgehen? Wie gut vorbereitet sind die Studentinnen und Studenten auf die Ingenieurausbildung? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gestern zusammen mit dem VDI Verein Deutscher Ingenieure und der Stiftung Mercator in Berlin präsentiert hat.

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Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer: „In der Ingenieurausbildung muss die Praxisorientierung weiter ausgebaut werden.“
Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer: „In der Ingenieurausbildung muss die Praxisorientierung weiter ausgebaut werden.“
(Bild: VDMA)

Die wichtigsten Ergebnisse daraus lauten:

Deutschland besitzt eine zukunftsfähige Ingenieurausbildung

Die Hochschulen „können“ Bologna. Auch in den Unternehmen ist Bologna angekommen und wird akzeptiert. Doch um die hohe Qualität der Ingenieursausbildung für die Zukunft zu sichern, müssen Herausforderungen gemeistert werden.

Verbesserungsbedarf in der Berufsvorbereitung

Bei 43 % der Bachelor- und 37 % der Master-Studierenden vermissen Arbeitgeber Praxiskenntnisse stark bis sehr stark. Genau diese Kenntnisse sind aber für Unternehmen zu 48 % für eine Einstellung entscheidend. 81 % der Unternehmen werten auch soziale Kompetenzen der Bewerber, ihr Auftreten und ihre Präsentation als wichtig. Laut Studie weisen jedoch Bachelor- und Master-Absolventen diese Kompetenzen nur zu 23 beziehungsweise 32 % auf.

Erfolgsmodell duale Studiengänge

Die Hochschullehrenden beurteilen diese praxisnahe Ausbildungsform, bei der die Unternehmen beteiligt sind, zu 72 % als gut bis sehr gut. 69 % der befragten Führungskräfte von Unternehmen geben an, durch duale Studiengänge gute bis sehr gute Nachwuchskräfte gewonnen zu haben.

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, sieht als Konsequenz dringenden Handlungsbedarf: „In der Ingenieurausbildung muss die Praxisorientierung weiter ausgebaut werden. Die Fachhochschulen zeigen, dass mehr Praxis im Studium möglich ist. Auch die Bedeutung des dualen Studiums ist bei Hochschullehrenden und Unternehmen unumstritten.“ Die Studie bewerte für den Berufseinstieg Praxissemester und -module der Fachhochschul-Studiengänge ebenso positiv wie die dualen Studiengänge, so Rauen. „Das zeigt: Nur eine stark anwendungsorientierte Ausbildung bereitet die Studierenden optimal auf eine Industrielaufbahn vor.“

Starke Zersplitterung der Studienlandschaft

Fast jeder vierte der befragten Studierenden weiß nicht, ob er später die Berufsbezeichnung Ingenieur tragen darf. Dieser Missstand liegt am vielfältigen Angebot von spezialisierten Bachelor-Studiengängen und einem fehlenden einheitlichen akademischen Grad für Ingenieurstudiengänge.

Professor Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Präsident des VDI, fordert deshalb, unbedingt wieder Transparenz in die Abschlüsse zu bringen. „Der VDI fordert die Einführung der akademischen Grade Bachelor und Master of Engineering oder Master of Science in Engineering. Mit solchen einheitlichen Graden wird es gelingen, die Marke „German Engineering“ für die Zukunft weiter zu stärken.“

Weitere Ergebnisse der Studie:

Hochschulart spielt bei Einstellung geringe Rolle

64 beziehungsweise 60 % der Führungskräfte in Unternehmen geben an, bei der Suche nach neuen Kräften keine Präferenz für Bachelor- oder Masterabsolventen von Fachhochschulen oder Universitäten zu haben. Aus Sicht der Fach- und Führungskräfte werden aber zu 42 beziehungsweise 37 % Absolventen mit breit angelegten Bachelor- oder Master-Studiengängen bevorzugt.

Mehr Bezug zur Forschung und mehr Auslandsaufenthalte

Die Studie offenbart hier weiteren Handlungsbedarf. Selbst bei den Lehrenden der Universitäten geben nur 41 % an, in speziellen Lehrveranstaltungen Forschungsmethoden gut oder sehr gut zu vermitteln. Bei ihren Studierenden sind nur 25 % der Meinung, hier gut bis sehr gut etwa auf eine Promotion vorbereitet zu sein. Eine forschungsorientierte Lehre kann aber ein bedeutendes Element der Praxisorientierung sein. Fast 80 % der Bachelor- und Master-Studierenden antworten zudem, über keinerlei Auslandserfahrung zu verfügen. Und über die Hälfte aller Studierenden erhielt in ihrem Studium keine oder kaum die Förderung von Fremdsprachen.

Die Studie wurde vom Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH durchgeführt. Befragt wurden 1300 Studierende der Ingenieurwissenschaften, knapp 400 Hochschullehrende, mehr als 1400 Fach- und Führungskräfte in Unternehmen sowie gut 250 Absolventen, die kürzlich in den Beruf eingestiegen sind.

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