Nachruf Die Kunststoffwelt trauert um Prof. Georg Menges

Redakteur: Peter Königsreuther

Im stolzen Alter von 97 Jahren starb Prof. Georg Menges. Ein weitreichend bekannter Experte und Pionier in Sachen Kunststofftechnik, der seine Karriere allerdings „in Metall“ begann...

Firmen zum Thema

Abschied von einer echten Kunststoff-Koryphäe! Mit 97 Jahren verstarb am 28. Februar Prof. Georg Menges, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Kunststoffvearbeitung und langjähriger Leiter des IKV der RWTH Aachen University.
Abschied von einer echten Kunststoff-Koryphäe! Mit 97 Jahren verstarb am 28. Februar Prof. Georg Menges, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Kunststoffvearbeitung und langjähriger Leiter des IKV der RWTH Aachen University.
(Bild: IKV)

Georg Menges erblickte in Gernsbach in Baden das Licht der Welt und studierte nach dem Kriegsdienst und mehrjähriger Kriegsgefangenschaft ab 1949 Maschinenbau an der damaligen TH Stuttgart. 1955 promovierte er dort mit einer Arbeit zum Sprödbruchverhalten von Metallen zum Dr.-Ing.. Anschließend führte ihn sein Weg in die Eisenhüttenindustrie. Doch er wendete sich bald der aufkommenden Kunststoffindustrie zu. Menges wird 1965 dann auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung der TH Aachen berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1989 innehat. Gleichzeitig wird ihm die Leitung des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen übertragen. Die RWTH Aachen University und das IKV verlieren mit Prof. Menges einen engagierten Pionier und einen besonderen Freund. Man werde Professor Georg Menges ein stetes und ehrendes Gedenken bewahren.

Wissenschaft und Wirtschaft müssen ineinandergreifen!

Schnell etabliert sich der Experte als kreativer Impulsgeber und dynamischer Manager des nun rasch wachsenden Instituts, heißt es. Dabei kann er zahlreiche Firmen der noch jungen Kunststoffbranche als Kooperationspartner und Mitglieder der IKV-Fördervereinigung gewinnen. Sehr früh erkennt er den Nutzen der Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft. Deshalb entwickelt er diese Erkenntnis zum Leitbild und Markenkern des IKV. Inzwischen wuchs die Nachfrage nach Kunststoffanwendungen rapide. Vor diesem Trend entwickelt sich die Kunststofftechnik auch als Wissenschaftsdisziplin. Und Georg Menges etabliert das IKV als führendes Forschungs- und Ausbildungsinstitut, das sich im Zuge dessen dem kompletten Spektrum von der Werkstoff- über die Konstruktionstechnik bis hin zu den Verarbeitungsverfahren von Kunststoffen widmet.

Hellhöriger Kunststoffpionier erkennt viele Chancen

Dabei wird er auf neue Entwicklungen und Methoden aus benachbarten Disziplinen aufmerksam, die er als relevant für die Kunststofftechnik ansieht. In der Motorenforschung etwa, begegnet ihm ein Drucksensor, den er in Kooperation mit der Industrie zum Werkzeug-Innendrucksensor entwickelt. Menges ist also mit Fug und Recht als Pionier der Automatisierung zu bezeichnen, und hat das Computer Integrated Manufacturing (CAM) als Vorläufer zur Industrie 4.0 maßgeblich für die Kunststofftechnik zugänglich gemacht. Auch wenn er, wie so viele Vordenker, anfangs für seine Bemühungen belächelt wurde, wie das IKV anmerkt. Spritzgießprozesse mit damals raumfüllenden Computern zu regeln, schien nämlich nicht gerade probat. Parallel dazu erkennt Menges bereits früh die Chancen, die sich durch numerische Simulationsverfahren mit Blick auf die Berechnung des Wärme- und Stofftransports in Kunststoffverarbeitungs-Prozessen ergeben. Deshalb entwickelt er am IKV entsprechende Programme. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst befasst sich der umtriebige Kunststoffkenner insbesondere mit dem Recycling von Kunststoffen. Dazu regte er zahlreiche Projekte an, arbeitete an Patenten und verfasste Bücher.

Auch die Persönlichkeitsbildung von Experten ist wichtig!

Die zunehmende Nachfrage nach qualifizierten Kunststoffingenieuren veranlasste Menges, die Einrichtung eines eigenen Studiengangs für diese Disziplin zu betreiben. So wird an der RWTH Aachen seit 1970 erstmalig an einer Universität die Studienrichtung „Kunststofftechnik“ angeboten. Unkonventionelle Lehrmethoden – so musste aus Gründen der Anschaulichkeit auch mal eine Spritzgießmaschine in den Hörsaal geschafft werden – eine praxisorientierte Ausbildung und sein besonderes Charisma führen zu regem Zulauf. Am Ende seiner aktiven Laufbahn hat seine Art zu lehren über 1000 in seiner Wirkungszeit ausgebildete Diplom-Ingenieure und mehr als 200 Promotionen beeinflusst. Außer einer guten fachlichen Ausbildung war ihm übrigens die Entwicklung von Persönlichkeiten wichtig, die in Industrie und Wissenschaft Verantwortung übernehmen können. Mit diesem Anspruch und einem großen Engagement als Mentor und Ratgeber erlangen zahlreiche Absolventen des IKV zentrale Führungspositionen in Kunststoffindustrie und Forschung. Besonders wichtig und unterstützenswert waren für Menges Ausgründungen. Auch begleitete er Absolventen und Doktoranden auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Die Ehrungen sprechen für sich...

Für seine Verdienste um die Kunststofftechnik werden ihm zahlreiche hohe nationale und internationale Auszeichnungen zuteil. Besonders hervorzuheben, weil sich hierin Breite und Tiefe der Wertschätzung seines Wirkens widerspiegeln, ist die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch das Handwerksabzeichens in Gold hat er verliehen bekommen. Seine Aufnahme in die Plastics Hall of Fame der Plastics Academy (USA) sowie die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Montanuniversität Leoben, runden die Ehrungen ab.

(ID:47186297)