Verpackungstechnik

Die Mutter der Porzellankiste

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Bewährter Rohstoff für große Kaliber

Gerade wenn größere und schwerere Teile verpackt werden müssen, greifen die Unternehmen häufig auf einen Rohstoff zurück, der aus dem B2C-Bereich fast vollständig verschwunden ist: Holz. Die Gründe dafür sind recht einleuchtend. Zum einen bietet Holz im Vergleich zu anderen Materialien immer noch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und, noch wichtiger, es eignet sich hervorragend für „maßgeschneiderte“ Verpackungen. „Transportverpackungen aus Holz können in jeder beliebigen Abmessung gefertigt werden, da das Grundmaterial keine fixen Baumaße kennt. So werden die vielfach verwendeten Sperrholzplatten über Formatsägen entsprechend zugeschnitten und bei größeren Abmessungen passgenau aneinandergesetzt“, beschreibt Jan Kurth, Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE), die Vorteile. Ähnlich verhält es sich mit Konstruktionen aus Vollholz, bei denen einzelne Bretter entsprechend zugeschnitten und aneinandergesetzt werden. Holz ist also, bezogen auf die jeweilige Abmessung des zu verpackenden Gutes, beliebig flexibel. Zudem verfügt es über gute statische Eigenschaften bei einem vergleichsweise geringen Gewicht.

Ergänzendes zum Thema
Korrosionsschutz
Mit Gasen gegen den Rost

Für solche Anforderungen sind VCI-Verpackungen vergleichsweise neu auf dem Markt. VCI steht für Volatile Corrosion Inhibitors, zu Deutsch „flüchtige Korrosionsverhinderer“. Das sind Substanzen, die aus einer Dampfphase heraus metallische Werkstoffe vor Korrosion schützen. VCI-Moleküle entfalten ihre Wirkung an der Metalloberfläche, an der sie absorbiert werden, um eine Schutzschicht gegen die Einwirkung von Sauerstoff beziehungsweise Wasser zu bilden.

Bei den VCI-Molekülen handelt es sich beispielsweise um Salze, die auf Trägermaterialien wie Papier oder Folie aufgebracht werden oder in einem Spender enthalten sind und dort allmählich verdampfen. Durch einen Zusatz zum VCI-Wirkstoff wird eine Volatilität und Polarität erzeugt und somit von der Metalloberfläche angezogen. Die VCI-Moleküle lösen sich vom Trägermaterial und besetzen die Metalloberfläche. Diese Schicht passiviert die elektrisch geladene Fläche und bildet eine Barriere, die eine Oxydation verhindert. Der Korrosionsprozess – Elektronenfluss im Metall und Ionenfluss an der Oberfläche – findet nicht statt. Die VCI-Substanzen fallen laut dem Anbieter Bantleon aus Ulm zudem nicht unter die VOC-Richtlinie, weil ihr Flammpunkt viel höher liegt. Die genauen Inhalte variieren, weil jeder Korrosionsschutz an das verpackte Metall – Stahl, Gusseisen, Buntmetall, Aluminium oder anderes – angepasst werden muss. Erhältlich sind VCI-Verpackungen in vielerlei Formen: Folien, Beutel, Papiere, Luftpolsterfolien, Spender, Hauben oder sogar individuelle, formschlüssige Verpackungen sind auf dem Markt.

Im Vergleich zu flüssigen oder festen Korrosionsschutzmitteln haben VCI-Verpackungen zwei große Vorteile: Zum einen legen sich die zunächst gasförmigen VCI-Wirkstoffe als Schutzmantel auf sämtliche Metalloberflächen – Sacklöcher, Falze, Innengewinde oder andere schwer zugängliche Bauteilgeometrien stellen kein Problem mehr dar. Zum anderen entfällt natürlich auch die Bauteilreinigung, wie der Verpackungshersteller Ströbel GmbH aus Langenzenn berichtet. Zwar können nach Angaben von Bantleon VCI-Verpackungen beim Kauf etwas teurer sein, sie rechnen sich jedoch durch eingesparte Prozessschritte beim Kunden.

Jede Form von Korrosionsschutz setzt freilich das Vermeiden korrosionsauslösender Faktoren in der Prozesskette voraus. „Die Reinigung neu produzierter Metallprodukte ist unverzichtbar“, erläutert Dr. Frank Faßbender, Leiter der Excor-Korrosionsforschung GmbH, Dresden. „Die Verantwortlichen in Produktion und Versand sollten jedoch beachten, dass sich nur mit einer gepflegten und überwachten Badqualität zufriedenstellende Ergebnisse erzielen lassen. Dünnschicht-bildende Reiniger können den Korrosionsschutz unterstützen.“

Grundsätzlich empfehlen deshalb alle VCI-Anbieter auch, stets darauf zu achten, dass die verpackten Bauteile sauber und trocken sind. Auch sollten sie nur mit Handschuhen und nicht mit den Fingern angefasst werden.

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Weil es sich um individuelle Verpackungen handelt, werden vom Kunden natürlich präzise Angaben zu dem zu verpackenden Gut benötigt. Neben den genauen Abmessungen geht es um die Frage des Gewichts, des genauen Schwerpunktes und möglicher Befestigungspunkte. „Dort, wo der Schwerpunkt liegt, muss die Statik der Verpackung möglicherweise verstärkt werden. Wichtig ist zudem, wie die Maschine transportiert und umgeschlagen wird und wohin die Reise mit welchem Transportmittel geht“, berichtet Kurth. Auf einem Schiff wirken beispielsweise andere Kräfte auf die Verpackung ein als auf dem Lkw. Muss die Kiste mit einem Kran angehoben werden, braucht es hierfür in der Regel spezielle Anschlagpunkte, die zu berücksichtigen sind. Ist das zu verpackende Teil länger unterwegs und wird zudem noch der Feuchtigkeit ausgesetzt (zum Beispiel Transport über mehrere Klimazonen), geht es noch um Fragen des Korrosionsschutzes (siehe Kastentext).

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