Übersetzung technischer Texte Die Sprache als Schlüssel zu globalen Märkten

Autor / Redakteur: Herbert Grab / Robert Horn

Unternehmen, die über ihre Landesgrenzen hinweg erfolgreich sein wollen, müssen sich heute sprachlich weit mehr differenzieren als noch vor einigen Jahren. Gefragt sind Übersetzungsdienstleister mit globalem Netzwerk und hoher Prozesskompetenz.

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Die Vielfalt der Sprachen nimmt auf dem internationalen Markt immer mehr zu. Wer überregional erfolgreich sein will, muss deshalb regionale Sprachgewohnheiten berücksichtigen.
Die Vielfalt der Sprachen nimmt auf dem internationalen Markt immer mehr zu. Wer überregional erfolgreich sein will, muss deshalb regionale Sprachgewohnheiten berücksichtigen.
(Bild: © Cybrain - Fotolia.com)

Die Übersetzung technischer Texte führte früher in vielen Unternehmen ein Mauerblümchendasein. Inzwischen aber erkennen immer mehr Führungskräfte, dass ein souveräner Umgang mit Sprache und das Anbieten von Informationen in der jeweiligen Landes- oder Regionalsprache wesentlich zum Erfolg im Ausland beiträgt. Dies ist auch eine zentrale Aussage der Studie The Language Services Market 2015 von Common Sense Advisory, CSA. Die Konsequenz ist klar: Technische Dokumentationen, Bedienungsanleitungen, Marketing- oder sonstige Texte sollten für möglichst viele Zielmärkte in der jeweiligen Landes- oder gar Regionalsprache verfasst sein. Denn angesichts der Globalisierung dient den Menschen, die man erreichen will, ihre eigene Sprache mehr denn je als Identifikationsfläche.

Die Sprachlandschaft verändert sich

Vor allem in Europa hat sich in den vergangenen Jahren der Trend zu mehr Sprachen deutlich verstärkt. So wurde früher im Baltikum in Russisch kommuniziert, heute sind es drei Sprachen. Wo früher Serbokroatisch gesprochen wurde, ist es heute Serbisch oder Kroatisch. Ukrainisch gab es bis vor einigen Jahren im Unternehmensalltag praktisch nicht. Und wer seine Produkte in Spanien erfolgreich vermarkten will, muss sich heute überlegen, ob er seine Texte auch in Baskisch und Katalanisch anbieten sollte. Nicht von ungefähr gibt es Facebook mittlerweile in 80 Sprachen. Hinzu kommt, dass globale Märkte vor allem großen Anbietern in die Hände spielen, die einfach skalierbare Produkte in vielen Ländern anbieten. Die Folge: Für alle anderen Unternehmen werden Nischenprodukte wichtiger. Die aber rechnen sich nur, wenn man dafür viele Absatzmärkte erschließt. Und seine Unterlagen dazu in der jeweiligen Sprache anbietet.

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Qualität und Quantität steigern

Für Unternehmen, die international agieren, heißt das: Sie müssen die Qualität ihrer übersetzten Texte und gegebenenfalls die Zahl der angebotenen Sprachen steigern. Zugleich aber gilt es, nach Möglichkeit die Kosten zu senken. Diesem Umstand müssen die Übersetzungsdienstleister Rechnung tragen. „Gefragt sind IT-gestützte Übersetzungs-Tools, ein eingespieltes globales Netzwerk und hohe Prozesskompetenz“, erklärt Wolfgang Sturz.

Der Geschäftsführer von Transline mit Sitz in Reutlingen muss es wissen. Sein 1986 gegründetes Unternehmen zählt mit einem Umsatz von rund 12 Mio. Euro und 100 Mitarbeitern zu den drei größten deutschen Übersetzungsdienstleistern. Technisch anspruchsvolle Produkte sind sein Spezialgebiet, 160 Sprachen kann das Unternehmen in der baden-württembergischen Industriestadt Reutlingen bedienen. Früher lieferte der Auftraggeber hundert Seiten Text, der meistens in Englisch oder eine andere Weltsprache übersetzt werden sollten.

Heute indes, erläutert Sturz, erhalten seine Teams eine Fülle kleiner Dateien mit Textbausteinen, die sich in großen Dokumenten oder etwa auf der Unternehmens-Website geändert haben. Durfte früher eine Übersetzung gerne mal 30 Tage dauern, sind heute drei Tage die Regel – noch dazu für eine Vielzahl an Sprachvarianten. Massive Auswirkungen hat auch die wachsende Zahl der Kommunikationskanäle: Wird etwa eine Textpassage auf der deutschen Website eines Unternehmens geändert oder neu eingefügt, müssen die englische und gegebenenfalls weitere Versionen am folgenden Tag online sein. Um dem Zeit- und Kostendruck standzuhalten, straffen Übersetzungsdienstleister ihre Prozesse und automatisieren Teile ihrer Arbeit. Sie setzen neue Technologien und effizientere Verfahren ein oder konzentrieren sich beispielsweise auf ein, zwei Spezialgebiete.

Elementar: das Translation Memory

Klar ist: Die Übersetzungsbranche kommt ohne IT-gestützte Systeme nicht mehr aus. Zentrales Tool ist das „Translation Memory“. Das Analyse- und Recherchesystem durchforstet die Datenbank nach Sätzen oder Textteilen, die schon einmal übersetzt wurden, und fischt diese Passagen heraus. Für einen Heiztechnikhersteller hat Transline so 50 % der Übersetzungskosten eingespart. Doch es geht gerade bei technischen Dokumentationen auch um Exaktheit und Konsistenz im Fachwortschatz, der Terminologie. Wer darauf nicht achtet, produziert innerhalb weniger Jahre einen Wildwuchs und öffnet der Begriffsverwirrung Tür und Tor.

Ein Übersetzungsdienstleister muss deshalb in der Lage sein, die gewachsene Terminologie des Unternehmens zu überarbeiten. Und er muss die sprachliche Charakteristik in alle gewünschten Sprachen übertragen. Das erfordert Fingerspitzengefühl, hohe Sprachkompetenz, technisches Wissen und eine genaue Kenntnis der Sprachkultur im jeweiligen Zielland. Nicht zu vergessen – so der Transline-Chef – ein weiterer Aspekt: „Vor allem bei unternehmenskritischen Inhalten sind Vertraulichkeit und eine verlässliche Qualität der Übersetzungen essenziell. Immerhin kann aus einer fehlerhaften Übersetzung auch ein Haftungsfall entstehen.“ Wichtig sei deshalb die richtige Balance zwischen IT-gestützten Prozessen und dem Einsatz von Menschen. MM

* Herbert Grab ist Autor bei der Storymaker GmbH in 72124 Pliezhausen, (01 79) 6 94 85 00, herbert.grab@digitmedia-online.de

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