Suchen

Betriebssicherheit Diese Assistenten machen den Materialfluss sicherer

Autor / Redakteur: Richard Brown / Gary Huck

Niemand möchte seine Mitarbeiter gefährden, aber im manchmal hektischen Treiben im Lager oder der Produktion kann es zu Unfällen kommen. Assistenzsysteme können Personen und Waren schützen.

Firma zum Thema

Kamerasystemegeben Flurförderzeug-Fahrern einen besseren Überblick über ihre Umwelt.
Kamerasystemegeben Flurförderzeug-Fahrern einen besseren Überblick über ihre Umwelt.
(Bild: VIA Technologies)

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) verzeichnete bei ihrer letzten Erhebung im Jahr 2018 allein in Deutschland rund 231.600 Unfälle in Verbindung mit dem Unfallmuster „innerbetrieblicher Transport“. Den größten Anteil der Schadensereignisse haben dabei mit 16 % Unfälle im Zusammenhang mit Flurfördermitteln und Materialtransportwagen, wie etwa Stapler und Gabelhubwagen. Allein für Stapler verzeichnete die DGUV dabei durchschnittlich 50 Unfälle pro Arbeitstag.

Sechs Komponenten für mehr Sicherheit im Materialfluss

Moderne Assistenz- und Sicherheitssysteme für Gabelstapler können die Unfallgefahr in Logistik- und Lagerhausumgebungen erheblich senken. Solche, auch nachrüstbare Systeme bieten unterschiedliche Hardware und Softwarekomponenten zur Unterstützung des Personals. Fortschrittliche Lösungen führen die Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammen und erhöhen so mittels redundanter Informationen die Sicherheit. Auch eine Auswertung der Daten mithilfe von KI-gestützten Algorithmen wird heute bereits in solchen Assistenzsystemen eingesetzt. Zu den wichtigsten Komponenten solcher Sicherheitssysteme gehören:

  • Ein Kamerasystem, dass quasi als zusätzliches Augenpaar fungiert und idealerweise einen 360 °-Rundumblick ermöglicht. Hierfür können beispielsweise bis zu vier „Field of View“ (FOV) 90 °-Kameras eingesetzt werden, die in einem Surround View System (SVS) zusammenarbeiten. Der so generierte 360 °-Panorama-Videostream kann dann direkt auch einen hochauflösenden Bildschirm übertragen werden.
  • Bei den Sensoren haben sich DMOD-Sensoren (Dynamic Moving Object Detection) für Front- und Heckseite bewährt. So können etwa Ultraschall-Näherungssensoren sowie Millimeterwellen-Kurzstreckenradar-Sensoren eingesetzt werden, die die nähere Umgebung überwachen. Mithilfe der DMOD-Unterstützung in den vorderen und hinteren Kameras kann das System etwa Warnmeldungen aussenden, sobald es potenzielle Sicherheitsbedrohungen wie die unerwartete Annäherung eines anderen Fahrzeugs oder einer Person im unmittelbaren Umfeld erkennt. So hat der Bediener Zeit, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um einen Unfall zu verhindern.
  • Ein Driver Monitoring System, das mittels FOV-60 °-Kamera mit Infrarotfunktion arbeitet, kann Ermüdung, Ablenkung und riskantes Verhalten des Bedieners erkennen und eine Warnmeldung geben, um die Aufmerksamkeit auf die Steuerung zurückzulenken. Ähnlich wie in Lastwagen oder Privat-Pkw erkennt das KI-gestützte System zum Beispiel Gähnen, Schläfrigkeit, ein abgewendetes Gesicht oder geschlossene Augen des Fahrers.
  • Mit dem Einsatz von Gesichtserkennungs-Technologie können über eine Driver Identification Funktion zugelassene Fahrer identifiziert werden, um zu verhindern, dass unbefugtes Personal das Fahrzeug bedient. So wird im Rahmen der Compliance-Regelungen sichergestellt, dass nur entsprechend zertifizierte und für diese Aufgaben eingeteilte Fahrer Gabelstapler und andere Flurförderzeuge in Betrieb nehmen können.
  • Ein Beschleunigungsalarm, der per CAN-Bus übermittelt wird, kann bei ungewollten oder zu hektischen Beschleunigungen ein Warnsignal geben.
  • Über einen Sensor am Schloss des Sicherheitsgurts kann der Schutz der Fahrer zusätzlich unterstützt werden.

Beim Nachrüsten drei Kriterien beachten

Beim Nachrüsten von Staplern und Hubwagen mit einem Sicherheits-Kit gibt es mehrere entscheidende Kriterien: Zunächst gilt es zu prüfen, welche Komponenten und Funktionen die Lösung bereitstellt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Zusammenspielen beziehungsweise die Integration der Komponenten oder ob diese beispielsweise mit KI-Funktionen unterstützt werden. Als drittes sollte sichergestellt sein, dass auch die Kalibrierung der Kameras und anderer Komponenten mit entsprechenden Tools unterstützt wird, um die Einrichtung des Systems zu erleichtern.

* Richard Brown ist Vizepräsident International Marketing bei VIA Technologies Inc. in Xindian District New Taipei City, Tel. (+ 88 6) 22 21 85 45 2, embedded@via.com.tw

(ID:46929021)