Montage

Digitale Assistenzsysteme revolutionieren die Werkbankmontage

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Mit Anleitungsblöcken zahlreiche Produktvarianten abdecken

Grundlage dieses Lösungsansatzes ist eine SQL-Datenbank, die auf unternehmenseigenen Servern gehostet werden sollte. In dieser Datenbank legt die Arbeitsvorbereitung über eine Eingabemaske der Software alle Informationen ab, die für die Produktmontage benötigt werden. Das können Konstruktions-, Schalt- und Prüfpläne sein, Fotos, Grafiken und Zeichnungen oder auch Videos. Zudem lassen sich für einzelne Montageschritte individuelle textliche Anleitungen hinterlegen – auf Wunsch auch in mehreren Sprachen und mehreren Kompetenzlevels.

Aus diesem Datenpool generiert die Arbeitsvorbereitung anschließend für jedes Produkt und jeden zuständigen Mitarbeiter die zugehörige digitale Arbeitsanweisung, die dauerhaft gespeichert und jederzeit wieder verändert werden kann. Ein ausgefeiltes Variantenmanagement ermöglicht es zum Beispiel, Montageschritte typischer Baugruppen in festen Anleitungsblöcken zusammenzufassen und diese Blöcke dann beliebig zu rekombinieren. Auf diese Weise lässt sich mit einer begrenzten Anzahl von Grunddatensätzen eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Produktvarianten abdecken. Zudem kann jedem Arbeitsplatz über das Variantenmanagement dann auch der auftragsspezifische Arbeitsplan zugeordnet werden.

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Messgeräte in die Software integrieren

Die Möglichkeiten der Software gehen noch weiter, denn den Anwendern stehen noch zahlreiche Zusatzoptionen zur Verfügung. So lassen sich auch Mess- und Prüfsysteme sowie andere technische Geräte in die Software integrieren, was unter anderem eine automatische Dokumentation von Messdaten ermöglicht. Über diese Integration ist dann auch eine automatische montageplanspezifische Messgeräteparametrisierung möglich.

Des Weiteren können ganze Arbeitsplatzsysteme in die Software eingebunden werden – von der grundlegenden Zugangsberechtigung und Arbeitsplatzkonfiguration über Arbeitsfläche, PC und Leuchtmittel bis zu Materialversorgung und ESD-Schutz. Dadurch lässt sich unter anderem für jeden Montageschritt die individuell passende Höheneinstellung und Beleuchtung des Arbeitstisches realisieren.

Doch um die Software optimal zu nutzen, ist eine klare Umsetzungsstrategie nötig, die auch konsequent verfolgt werden muss. Im Prozess zahlt sich diese systematische Vorgehensweise rasch aus, denn durch die Digitalisierung der Abläufe lassen sich schon nach kurzer Zeit messbare Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen erzielen. Verbesserungen in Informations- und Prozessmanagement, reduzierte Durchlaufzeiten sowie verringerte Qualifizierungsaufwände sind ebenso typische Resultate wie deutlich verringerte Fehlerquoten, die präzise Erfassung von Prozesslaufzeiten und die Entstehung ganzer Produktlebenslauf-Akten. Auch bei den Werkzeugkosten zeigen sich Vorteile: Infolge der höheren Prozesseffizienz werden gewöhnlich weniger Werkzeuge benötigt, auch sinkt der Aufwand für Werkzeugsuchen sowie für die Verwaltung und Wartung der Werkzeugbestände insgesamt.

Behutsamer Einstieg bei digitalen Assistenzsystemen

Auch wenn es für Anwender attraktiv erscheint, sich solche Vorteile möglichst schnell zu erschließen, will der Schritt in die Digitalisierung gut geplant sein. Zu empfehlen ist, den Einsatz digitaler Assistenzsysteme zu Beginn auf einen kleineren, klar abgegrenzten Bereich zu beschränken und so einen sanften Einstieg in die Industrie 4.0 zu wählen. Idealerweise sollte die digitale Transformation also zunächst in einem ausgewählten Fertigungssegment erprobt und verinnerlicht werden, ohne sogleich alle betrieblichen Fertigungsprozesse zu konvertieren. Dieser zurückhaltende Ansatz verhindert, dass bei Einstiegsschwierigkeiten zahlreiche Betriebsabläufe in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gerade in der Anfangsphase ist es zudem sehr wichtig, sich kontinuierlich mit dem Technologiepartner auszutauschen, um die ersten Erfahrungen zu bewerten und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Werden diese Empfehlungen konsequent berücksichtigt, ist die Hürde der Digitalisierung auch für kleinere mittelständische Unternehmen nur noch halb so hoch.

* Timo Henkelmann ist Geschäftsführer bei der Elabo GmbH in 74564 Crailsheim, Tel. +49 7951 307-0, info@elabo.de

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