Nordschweden Digitalisierung entfacht Boom im tiefsten Wald

Autor: Stéphane Itasse

Oft Schnee und Eis, weite Wälder und nur wenige Menschen: Trotz dieser Umweltbedingungen steht der Norden Schwedens vor einem Wirtschaftsboom. Einer der Auslöser dafür ist äußerst billiger Ökostrom, von dem unter anderem die IT-Branche profitieren will.

Mitten in den Wäldern Nordschwedens finden Anbieter von Datenzentren gute Standortbedingungen - und wollen weiter expandieren.
Mitten in den Wäldern Nordschwedens finden Anbieter von Datenzentren gute Standortbedingungen - und wollen weiter expandieren.
(Fortlax)

Europas niedrigste Strompreise sowie ein stabiles und leistungsfähiges Energienetz haben einer jungen Branche den Weg Richtung Nordschweden geebnet, wie die Deutsch-Schwedische Handelskammer (AHK Schweden) berichtet. Seit Facebook im Jahr 2013 seine erste Datenhalle unweit von Luleå eröffnete, hätten sich bereits zehn weitere Datencenter in der Region etabliert.

Datenzentren für viele Branchen aktiv

Denn Bedarf an Daten- und Rechenkapazität haben nicht nur die Internetkonzerne, sondern auch etablierte Industrieunternehmen. So hat im März 2016 das in Piteå ansässige Hochsicherheits-Rechenzentrum Fortlax mit der BMW Group einen großen Kunden gewonnen, wie die Handelskammer mitteilt. BMW werde Fortlax nicht nur als externen Datenspeicher nutzen, sondern auch als Superrechner für komplexe Datenverarbeitung, Simulationen und Datenanalysen.

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Die Wachstumsaussichten erscheinen gut, denn die zunehmende Digitalisierung erfordert laut AHK große Speicherkapazitäten zu niedrigen Energiekosten bei hoher Sicherheit. „Hier verfügt die Region Nordschweden über 100-prozentig grünen Strom aus Wasser- und Windkraft“, erläutert Anne Graf, Chief Commercial Officer bei The Node Pole.

Digitalisierung wird zum Wachstumsmotor

Dieser Name steht sowohl für die Region im äußersten Norden von Schweden als auch für ein Netzwerk aus rund 50 Technologie- und Konstruktionsunternehmen sowie den vier Kommunen Luleå, Piteå, Boden und Älvsbyn. Diese haben es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam Hightechinvestitionen wie die von Facebook in die Region zu locken. „Es ist schlichtweg effizienter, Daten zu verlagern, als Strom“, sagte Graf auf dem Finance and Investment Forum London 2016 weiter.

Viele weitere Betriebe profitieren von solchen Investitionen während der Bauphase und auch nach Inbetriebnahme. Vor allem die Baubranche, aber auch Transport- und Logistikunternehmen, technische Zulieferer, Sicherheits- und Beratungsunternehmen. „Zugang zu gut ausgebildetem Personal ist hier entscheidend“, weiß Conny Hökfors, Business Area Director des Dienstleistungsunternehmens LTU Business AB. Es gehört der Technischen Universität Luleå, die bereits seit vielen Jahren ihre Dienstleistungen im Bereich strategische Geschäfts- und Kompetenzentwicklung anbietet und somit die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung fördert.

Schwedens Regierung will Stromsteuer für Datenzentren senken

Um die Datenzentren weiter zu unterstützen, plant die schwedische Regierung zudem eine Senkung der Stromsteuer für die Branche. Laut Plänen von Finanzministerin Magdalena Andersson und des Ministers für Unternehmen und Innovation Mikael Damberg sollen diese Unternehmen ab dem 1. Januar 2017 nur noch 0,5 Öre je Kilowattstunde an den Staat abführen. Mit der neuen Initiative will Stockholm die Digitalisierung vorantreiben und Wertschöpfung in das Land bringen. Damit sollen Hunderte von neuen Arbeitsplätzen in ganz Schweden entstehen.

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„Diese Steuerharmonisierung macht das gemeinsame Angebot von The Node Pole und Schweden sowohl zu dem technisch fortgeschrittensten als auch zu dem preislich wettbewerbsfähigsten Paket und obendrein zu dem grünsten Angebot überhaupt“, kommentierte Niklas Nordström, Vorsitzender des Netzwerks und Bürgermeister der Stadt Luleå.

Auch traditionelle Branchen geben Impulse

Doch nicht nur die neue Internetindustrie, auch etablierte Branchen sorgen im hohen Norden Europas für einen Boom: Die Entdeckung neuer, enormer Eisenerzvorkommen bescherte der Bergbauindustrie in Nordschweden in den vergangenen Jahren eine ungeahnte Renaissance, wie es in einem Bericht der Handelskammer heißt. Die neuen Rohstofffunde sollen die Zukunft des Bergbaus für die kommenden Jahrzehnte sichern und Schweden zur wichtigsten Bergbaunation Europas machen. Die Umsatzziele der beiden Hauptakteure am Markt, LKAB und Boliden AB, ließen überdies die Zulieferindustrie sowie die Logistikbranche florieren.

Um den Abtransport des Eisenerzes sicherzustellen, wird unter anderem der Hafen von Luleå ausgebaut und die Fahrrinne vertieft, um somit größeren Transportschiffen den Zugang zu ermöglichen, wie es heißt. Der Hafen ist trotz Eisbildung ganzjährig befahrbar und die wichtigste Verkehrsschlagader. Das Projekt Malmporten, wie das Infrastrukturvorhaben heißt, werde die Konkurrenzfähigkeit der gesamten Region steigern und umweltfreundlichere Transporte ermöglichen, ist sich der Hafen in Luleå sicher. Die Arbeiten werden zu 50 % von der EU finanziert, sollen im kommenden Jahr beginnen und bis 2020 abgeschlossen sein.

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