Instandhaltung: Getriebeöl Drei Schritte zur effektiven Getriebeölwartung

Autor / Redakteur: Mark Burnett / Beate Christmann

Die Effekte eines optimal geplanten Einsatzes und Austausches von Schmiermitteln auf die Gesamtkosten werden oft unterschätzt. Mit einem einfachen Drei-Schritte-Prozess können Industrieunternehmen ungeplante Ausfallzeiten und damit Kosten reduzieren.

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Äußere Umstände, zum Beispiel hohe Feuchtigkeit, können Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Schmierstoffes nehmen. Deswegen ist die Auswahl eines Getriebeöls mit entsprechender Beschaffenheit entscheidend. Aber nicht nur die Wahl des passenden Produkts garantiert einen optimalen Einsatz von Schmierstoffen. Für Industrieunternehmen gilt es laut NCH Europe, einen einfachen Drei-Schritte-Prozess zu beachten.
Äußere Umstände, zum Beispiel hohe Feuchtigkeit, können Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Schmierstoffes nehmen. Deswegen ist die Auswahl eines Getriebeöls mit entsprechender Beschaffenheit entscheidend. Aber nicht nur die Wahl des passenden Produkts garantiert einen optimalen Einsatz von Schmierstoffen. Für Industrieunternehmen gilt es laut NCH Europe, einen einfachen Drei-Schritte-Prozess zu beachten.
(Bild: NCH)

Der Industriesektor durchlebt derzeit die digitale Revolution. Aufgrund der Entwicklungen in den Bereichen der Sensortechnik, des Cloud-Computings und der Connectivity-Software können Anlagen heute automatisiert umfassend und kontinuierlich überwacht werden. Die Vernetzbarkeit wiederum ermöglicht Betriebsleitern zudem eine proaktive Instandhaltung: Denn nun können sie Wartungsaufgaben festlegen, die auf Leistungsdaten basieren, welche an eine Zentrale weitergeleitet werden, und die vorgenommen werden sollten, bevor es zu einem Komponentenausfall kommt.

Durchschnittliche Produktionsausfallzeit derzeit noch bei 5 bis 20 %

Mancher Experte ist sogar der Meinung, dass das Internet der Dinge (IoT) ungeplanten Ausfallzeiten in Produktionsstätten bald ein Ende setzen wird. Doch dieser Zeitpunkt ist noch lange nicht erreicht. Derzeit belaufen sich die Kosten von Ausfallzeit für eine durchschnittliche Produktionsstätte noch auf 5 bis 20 % ihrer Produktionskapazität. Betriebsleiter können sich jedoch bereits heute um eine Verbesserung ihrer Wartungssysteme bemühen, indem sie einfache Schritte befolgen zur Minimierung ungeplanter Ausfallzeiten.

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Gute Beispiele dafür sind eine effektive Schmierung und ein gut geplanter Getriebeölwechsel. Denn wird ein Gerät mit einer unzureichenden Menge an Getriebeöl versorgt, besteht für das Equipment ein signifikant erhöhtes Ausfallrisiko: Eine schlechte Schmierung führt zu zusätzlichem Teileverschleiß und infolgedessen zu kostspieligen Ersatzteilen und zeitaufwendigen Reparaturen – was wiederum Produktionsstillstände und damit erneut zusätzliche Kosten verursachen kann.

Ungeplante Ausfallzeiten minimieren

Unerfahrene Betriebsleiter könnten der Auffassung sein, dass sie lediglich ein gutes Getriebeöl kaufen und es ins System einfüllen müssen, um ihre Probleme zu lösen. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Wird die Schmiermittelwartung nicht auf durchdachte und professionelle Art und Weise durchgeführt, ist der Kauf eines qualitativ hochwertigen Getriebeöls nutzlos, weil Maschinen und Anlagen immer noch Schaden nehmen können.

Doch gibt es einen einfachen Drei-Schritte-Prozess, den Wartungstechniker befolgen können, wenn es um Getriebeölwechsel und die Reduzierung der Gefahr von Schäden oder von Ausfallzeiten geht.

Das richtige Timing als Schlüssel

Der erste Schritt ist die Wahl des geeigneten Zeitpunkts für die tatsächliche Durchführung des Vorgangs. Obwohl es wie eine Routineaufgabe wirkt, finden nur 20 % aller Ölwechsel zum richtigen Zeitpunkt statt. Wird das Öl zu häufig ausgetauscht, nämlich dann, bevor es überhaupt notwendig ist, wird dieses Vorgehen zu einer teuren Angelegenheit, bedeutet es doch die Verschwendung von Arbeitszeit und Schmierstoff. Wird das Öl hingegen zu spät gewechselt – wie es bei 40 % der Wechsel der Fall ist –, lässt die Schmierung nach und kann einen erhöhten Verschleiß und infolgedessen Maschinenstillstände, höhere Betriebskosten sowie Ausfallzeiten mit sich bringen.

Daten geben Auskunft über Zeitpunkt des Wechsels

Bei der Entscheidungsfindung bezüglich des richtigen Zeitpunkts für einen effektiven Getriebeölwechsel müssen Wartungstechniker unter anderem die externe Kontamination, wie zum Beispiel die Präsenz von Wasser und Schmutz, erheben. Ist der Verunreinigungsgrad zu hoch, muss der Schmierstoff ausgetauscht werden. Zudem sollten sie den Metallverschleiß im Auge behalten und ebenso den Ölzustand überwachen, indem sie die Viskosität und Oxidation beurteilen.

Ein gutes Überwachungssystem kann diese Aufgaben erleichtern: Es misst den sogenannten TBN-Wert (Total Base Number) – das ist die Alkalinitätsreserve, welche der Neutralisation säurehaltiger Bestandteile im Öl dient – sowie die Gesamtsäurezahl (TAN), durch welche die Öloxidation und die Bildung korrosiver säurehaltiger Verbindungen zunimmt.

Schmierstoff soll angemessenen Korrosionsschutz bieten

Im Laufe der Zeit nimmt der TBN-Wert normalerweise ab und die Gesamtsäurezahl (TAN) nimmt zu. In dem Moment, ab dem die Zahlen sich treffen, sollte das Öl zeitnah gewechselt werden. Denn ab diesem Zeitpunkt kann es keinen angemessenen Korrosionsschutz mehr bieten.

Da Getriebeöl das Rückgrat vieler Maschinen in der Produktionsstätte bildet, ist es wichtig, sicherzugehen, dass dieses seine Funktion richtig erfüllen kann. Mit einem geeigneten Analytics-Programm kann ein Unternehmen die Risiken erheblich senken, die ein zu früher oder zu später Wechsel des Schmiermittels sowie der Einsatz von zu viel oder zu wenig Getriebeöl zur Folge haben können. Wartungs-, Energie- und Wasserspezialist NCH Europe beispielsweise hat zu diesem Zweck das NCH-Ölservice-Programm (NOSP) entwickelt.

Systemreinigung vor der Neubefüllung

Steht letztlich ein Austausch des Schmiermittels an, besteht der zweite Schritt im Prozess in einer gründlichen Reinigung des Getriebeölsystems, bevor dieses erneut mit frischem Öl befüllt werden kann. Diese elementare Maßnahme stellt leider keine Selbstverständlichkeit dar: So mancher Betriebsleiter ist es eventuell gewohnt, die Maschine instinktiv bei Bedarf zu befüllen – doch das wird letztlich sehr wahrscheinlich dazu führen, dass die vorangegangene Analyse vollkommen nutzlos war und die Maschine dennoch beschädigt wird. Denn wenn Öl sich kontinuierlich ansammeln kann, bilden die Verunreinigungen darin Ablagerungen an den Metallflächen des Systems. Das hat wiederum zur Folge, dass die Betriebstemperatur ansteigt, was die Leistungsfähigkeit der Maschine reduzieren und im schlimmsten Fall zur deren Ausfall führen kann.

Um zu verhindern, dass schädliche Ablagerungen entstehen, ist es wichtig, dass Wartungstechniker das System effektiv reinigen. Dadurch können die Schmutzpartikel aufgelöst und saure Schadstoffe neutralisiert werden. Das Reinigungsmittel sollte dabei vor einem und nicht erst während eines Ölwechsels verwendet werden. Denn mithilfe des Reinigers werden die Ablagerungen aus dem Innenleben der Maschine gelöst, um dann im noch alten Öl zu schweben. Wird dieses dann ausgewechselt, ist die Maschine sauber und bereit für frisches Öl.

Die Wahl des geeigneten Schmierprodukts

Sobald die ersten beiden Maßnahmen komplett abgeschlossen sind, gilt es im dritten und damit letzten Schritt des Prozesses das jeweils passende Getriebeöl für die unterschiedlichen Maschinen auszusuchen. Die Wahl eines ungeeigneten Schmierprodukts könnte letztlich zur Folge haben, dass selbst ein Ölwechsel zum idealen Zeitpunkt sowie eine noch so gründliche Systemreinigung nutzlos gewesen wären.

Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die zuständigen Techniker die spezifischen Anforderungen der Maschinen und der jeweiligen Standorte berücksichtigen, an denen sie sich befinden. Wird ein Getriebe beispielsweise in einer feuchten Umgebung oder im Freien eingesetzt, kann es anfällig für Kondensation und Wassereintritt sein. In diesem Fall sollte entsprechend ein für diese Anforderungen ausgelegter Schmierstoff zum Einsatz kommen. Geeignete Schmierprodukte, wie zum Beispiel das Top Blend CS von NCH Europe, verfügen über einen hohen Gehalt an Calciumsulfonat, das wasserabweisend ist und somit die Korrosionsgeschwindigkeit vermindert. Außerdem enthalten sie Säureneutralisatoren und Oxidationsinhibitoren, die verhindern, dass im Öl befindliche Säuren negative Auswirkungen auf Getriebe und Dichtungen haben.

Drei Schritte erhöhen Wahrscheinlichkeit einer langfristig einwandfreien Produktion

Wartungstechniker sollten angewiesen werden, diese drei einfachen Schritte zu befolgen. Auf diese Weise können Betriebsleiter die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöhen, dass die wesentlichen Prozesse in ihrer Anlage langfristig einwandfrei funktionieren. Wird darauf geachtet, zum richtigen Zeitpunkt einen Schmierstoff auszutauschen, wird dies im Zusammenspiel mit einer effektiven Systemreinigung zwischen den Ölwechseln sowie der richtigen Produktwahl für die jeweilige Maschine und ihren Einsatzort dazu beitragen, das Ausfallrisiko und die daraus resultierenden Kosten zu reduzieren.

* Mark Burnett ist Vizepräsident der Innovationsplattform für die Bereiche Schmierstoffe und Kraftstoffadditive bei NCH Europe in WV14 0QL Bilston (Großbritannien), Tel. (0 61 05) 20 10, deutschland@ncheurope.com

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