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Produktionsplanung

Durchgängige Software hilft bei der Fertigungsplanung und -steuerung

| Autor / Redakteur: Peter Bauer / Reinhold Schäfer

Nach der Kaufentscheidung wurde nach neun Monaten fast die komplette Gewatec-Suite eingeführt. „Wir haben in Vorbereitung der Softwareeinführung einiges standardisiert und effizienter organisiert“, so Maczula. „Die technische Herausforderung, PPS, MES, BDE, QS, kaufmännische Module, Lieferscheine und Aufträge mit einem Schlag umzustellen, haben wir gut gemeistert. Allerdings waren manche Kollegen mit diesem Tempo überfordert. Hier kann ich vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen den Rat geben: Wer eine solch umfassende Änderung vornimmt, sollte nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, die Betroffenen frühzeitig einzubinden und mitzunehmen.“

Lieferant für die Schnittstellen

Eine weitere Herausforderung war die Anbindung des Maschinenparks. Während sich moderne CNC-Bearbeitungszentren vergleichsweise einfach und direkt in die Maschinendatenerfassung einbinden lassen, brauchen andere, einfache Maschinen individuelle Lösungen. Die Minimaleinbindung bei den sehr einfachen Drehmaschinen sind Taktzähler, mit denen sich der Arbeitsfortschritt erfassen lässt. „Nur wenn der gesamte Maschinenpark angeschlossen ist, kann die computergestützte Kapazitätsplanung wirklich funktionieren“, ist Maczula überzeugt.

Die umfassende Maschinenüberwachung mit dem MDE/BDE-System Provis hat durch ein zwischenzeitlich hinzugekommenes mobiles Interface noch eine besondere Bedeutung für die Mitarbeiter in der Stero-Produktion. Der Auftragsfertiger produziert sieben Tage die Woche in drei Schichten rund um die Uhr. An den Wochenenden wird dabei vorrangig „mannarme“ Fertigung eingeplant. Hier laufen Aufträge, die über lange Zeit von Maschinen automatisch abgearbeitet werden können. Der jeweils verantwortliche Mitarbeiter kann seine Maschine aus der Ferne überwachen, verbringt also einen großen Teil seiner Schicht zuhause in Bereitschaft. „Eine beliebte Regelung, die zeigt, wie gut etabliert die Software ist“, so Maczula.

Auch Fremdsysteme werden integriert. So plant Maczula, das CAD/CAM-System, die Werkzeugvoreinstellung, das Dokumentenmanagementsystem für die automatisierte Rechnungsprüfung sowie ein Lager- und Ausgabesystem für Werkzeuge dieses Jahr einzubinden.

Flexibilität in der Planung

„Wachstum ist kein Ziel, sondern das Ergebnis hervorragender Leistungen“, wiederholt Maczula ein beliebtes Motto des Firmengründers Stefan Rosendahl. „Wachstum wird aber früher oder später auch zur Herausforderung. Ohne die Einführung einer durchgängigen Softwareunterstützung hätten wir große Probleme bekommen.“ Neben höchster Qualität und Präzision gehört vor allem Flexibilität zum Selbstverständnis des Auftragsfertiges aus dem Bergischen Land. Die Kunden reichen vom Schlosser bis zur Automobilindustrie und entsprechend variieren die Losgrößen – im Durchschnitt zwischen 500 und 10.000 Stück plus Bemusterung. Die Kunst der effizienten, kostenbewussten Fertigung besteht in der jeweils optimalen Zuordnung der Aufträge zu den Maschinen unterschiedlicher Leistungsklassen.

Der tägliche Materialbedarf aus dem Konsignationslager – im Jahr werden bei Stero 2500 t Stahl, Aluminium und Messing verarbeitet – muss ebenso geplant werden wie die Einbindung der Partnerunternehmen für Oberflächen-Nachbehandlungen. Seit Einführung der Kapazitätsplanung mit Gewatec trifft man sich morgens vor der elektronischen Plantafel und organisiert die Priorisierung und Zuordnung der Aufträge. Der Planungshorizont reicht über rund zehn Wochen, bei Stero sind ständig 700 bis 800 Aufträge aktiv. Der Vertrieb hat dank dieses Systems Transparenz über die Auslastung und kann Wunschtermine mit hoher Treffsicherheit bestätigen. Die Angebotserstellung spiegelt die Regeln der Produktionsplanung wider. Ob ein Kunde 50, 500 oder 5000 Teile anfragt – es gehen die Kosten der jeweils geeigneten Maschinen in die Kalkulation ein.

Die Transparenz bezieht sich übrigens nicht nur auf die IT-gestützte Planung, sondern auch auf deren Änderung im Dialog mit den Kunden. Bei Stero ist es üblich, bei Kapazitätsengpässen im Falle von Eilaufträgen mit anderen Kunden zu sprechen, ob deren Auftrag noch warten kann. „Diese mit den betroffenen Kunden abgestimmten Planänderungen schaffen uns zusätzliche Spielräume. Unsere Kunden lieben diesen offenen Umgang und reagieren positiv auf solche Anfragen. So wissen sie: Wenn es bei ihnen mal besonders eilig ist, werden wir auch für sie alle Hebel in Bewegung setzen. Basis dafür ist aber, dass wir genau wissen, welche Aufträge welcher Kunden wann auf welchen Maschinen geplant sind“, verrät Stefan Rosendahl.

Planungssystem wächst weiter

„Wir wären ohne Gewatec nicht dort, wo wir heute stehen. Wir hätten unser Wachstum schlicht nicht bewältigen können. Mit der Software sind Status und Planung jederzeit transparent, wir können Effizienz und Termintreue hoch und gleichzeitig den Planungs-, Steuerungs- und Organisationsaufwand klein halten“, zeigt sich Maczula überzeugt. Ein weiterer Vorteil der modularen Struktur und der einheitlichen Datenbank zeigt sich bei den Updates: für Maczula und sein Team meist nur das kurze Einspielen der neuen Version am Wochenende. „Es ist schön, zu sehen, wie sich die Software mit den Kunden weiterentwickelt – wir tauschen uns ja regelmäßig bei Anwendertreffen mit anderen Nutzern aus – und wie interessante kundenspezifische Projekte in den Standard wandern“, sagt der Ingenieur. Zu den aktuellen Erweiterungen der Software, die bei Stero evaluiert werden, gehört ein BAM-System (Bedarfs-Anforderungs-Management). „Da haben wir und andere Anwender eine Lücke gesehen, die jetzt geschlossen wird. Wir prüfen derzeit, wie dieses Modul die Kommunikation zwischen Produktion und Einkauf zu verbessern hilft. Damit haben wir dann einen durchgängigen digitalen Workflow von der Bestellanforderung aus dem Betrieb über die Genehmigung bis zur Anfrage und der Bestellung im Einkauf.“

* Peter Bauer ist Vertriebsleiter bei der Gewatec GmbH & Co. KG in 78564 Wehingen

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