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Produktpiraterie

EBM-Detektive gehen strikt gegen Produktpiraterie vor

| Autor/ Redakteur: / Nora Nuissl

Kopierte Produkte, gefälschte Marken, nachgebautes Design – das ist im Maschinenbau keine Seltenheit. 71 % von 337 befragten Unternehmen waren 2014 laut einer VDMA-Studie von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Doch nur wenige wehren sich dagegen. EBM-Papst kämpft dagegen mit verschiedenen Maßnahmen gegen Plagiate an.

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Piratenjäger: EBM-Papst wehrt sich gegen Produktfälschungen.
Piratenjäger: EBM-Papst wehrt sich gegen Produktfälschungen.
( © Coloures-pic - Fotolia)

Grauer Beton, lange Fensterreihen, gläserne Eingangshalle, chromfarbene Treppen, davor das Empfangsschild. Äußerlich unterscheidet sich die Zentrale des baden-württembergischen Unternehmens EBM-Papst nicht von anderen Firmen. Mit mehr als 11.000 Mitarbeitern weltweit und einem jährlichen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro zählt der Hersteller von Ventilatoren und Elektromotoren zur Riege der großen Maschinenbauplayer. So weit, so normal.

In einer Sache aber unterscheidet sich das Unternehmen grundlegend: Bei Produkt- und Markenklau ist der Ventilatorenhersteller strikt wie kaum eine andere Firma. Produktpiraterie ist kein Kavaliersdelikt, zeigen die EBM-Zahlen. „Rund 150 Mio. Euro Umsatz jährlich büßt das Unternehmen durch Produktfälschungen ein“, schätzt Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung (F&E).

Offensiver Umgang mit Produktpiraterie

Das lässt sich das Mulfinger Unternehmen nicht gefallen: ++Große Razzia – zahlreiche Produktfälschungen und Kisten voll kopierter Etiketten eines deutschen Ventilatorenherstellers sichergestellt++Chinesische Behörden arbeiten eng mit deutschen Un- ternehmen im Kampf gegen Produktpiraterie zusammen++ Solche Schlagzeilen prangten 2012 in den Zeitungen Pekings – auf Initiative des deutschen Unternehmens.

Plagiateure kopieren ganze Produkte – und schaden dem Markenwert

Die Bedrohung und mögliche Schäden, die Produktklau hervorruft, sieht der Hersteller klar. „Bei Produktpiraterie handelt es sich nicht nur um einen momentanen monetären Verlust. Wenn der Kunde Funktionsschwächen bei einem vermeintlichen Produkt feststellt, kann das den Markenwert und unsere Reputation schädigen“, erklärt Lindl.

Produktimitationen werden immer pefekter

„Je größer ein Unternehmen ist, desto gefährdeter ist es, kopiert zu werden“, weiß auch Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der VDMA-AG Produkt- und Know-how-Schutz. Die 1963 von Gerhard Sturm und Heinz Ziehl gegründete Firma Elektrobau Mulfingen (EBM) hat sich in ihrer über 50-jährigen Geschichte zu einem innovativen Technologieunternehmen gewandelt. Die Produkte des Ventilatorenherstellers werden oft und gerne kopiert. Dabei wird vor nichts haltgemacht – Plagiateure kopieren oft das komplette Produkt, inklusive Marke, Form und technologischer Komponenten, erzählt Lindl. „Das Problem ist, dass die heutigen Plagiate eine perfekte Kopie des Originals sind. Erst beim Zerlegen wird durch minimale Hinweise klar, dass es sich um eine Fälschung handelt“, erzählt der Chef der F&E-Abteilung. Diese perfekten Imitationen erkennt nur ein geschultes Auge – wie das von Paul Mezger.

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