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Kongress Womenpower auf der Hannover-Messe

Ein Kongress nicht nur für Heldinnen

29.03.2007 | Redakteur: Ulrike Gloger

Angela Josephs: „Der Kongress als Forum gesellschafts- und personalpolitischer Trends rundet das Ausstellungs- und Themenspektrum ab und beweist, dass die Hannover-Messe Plattform von Zukunftstrends in vielen relevanten Bereichen ist.“
Angela Josephs: „Der Kongress als Forum gesellschafts- und personalpolitischer Trends rundet das Ausstellungs- und Themenspektrum ab und beweist, dass die Hannover-Messe Plattform von Zukunftstrends in vielen relevanten Bereichen ist.“

Zum vierten Mal findet während der Hannover-Messe der Kongress Womenpower statt. Von anfangs etwa 200 Besucherinnen und Besuchern steigerte der Kongress im vergangen Jahr die Teilnehmerzahl

Zum vierten Mal findet während der Hannover-Messe der Kongress Womenpower statt. Von anfangs etwa 200 Besucherinnen und Besuchern steigerte der Kongress im vergangen Jahr die Teilnehmerzahl auf mehr als 500 und erwartet eine ähnliche Resonanz auch 2007. Die Themen reichen von Frauenförderung über Chancengleichheit bis hin zu Karriereperspektiven von Frauen etwa in Ingenieurberufen.

Der Kongress findet am Freitag, 20. April von 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Convention Center auf dem Messegelände statt. Über Ziele und Inhalte des Kongresses sprachen wir mit Angela Josephs, Pressechefin von Phoenix Contact und Mitglied im Beirat der Kongresses.

MM: Der Kongress Womenpower genießt ganz offensichtlich großen und wachsenden Zuspruch, und das ausgerechnet auf der von Männern dominierten Hannover Messe. Was will und kann eine solche Veranstaltung für Frauen leisten?

Josephs: Der Kongress will nicht nur etwas für Frauen leisten, sondern auch für Männer, oder noch weiter gefasst: für die Zukunftschancen der Wirtschaft und Industrie. Stichwort: Vereinbarkeit von Beruf und Familie – für Mütter und Väter, aber auch für Arbeitgeber, denn die demografische Entwicklung verlangt dringend danach, die wertvolle Arbeitskraft qualifizierter Frauen bei Familiengründung nicht zu verlieren oder einzuschränken. In diesem Sinne ist unser diesjähriges Motto „Move on to Competence“ als Appell an Personal- und Firmenchefs zu verstehen.

MM: Sie engagieren sich seit Jahren im Beirat dieses Kongresses. Was sind Ihre Gründe dafür?

Josephs: Ich halte den Kongress für eine Bereicherung der Industriemesse Hannover-Messe, die in ihren Hallen technische Trends abbildet. Der Kongress als Forum gesellschafts- und personalpolitischer Trends rundet damit das Ausstellungs- und Themenspektrum ab und beweist, dass die Hannover-Messe Plattform von Zukunftstrends in vielen relevanten Bereichen ist. Mein Engagement resultiert aus der tiefen Überzeugung, dass die deutsche Wirtschaft und Industrie noch viel Nachholbedarf in punkto echter Integration von Frauen hat und gut daran tut, diesen Kongress im Konzert der zwölf Fachmessen der Hannover-Messe als Offerte wahrzunehmen.

MM: Frauen stellen heute in Deutschland 52% der Bevölkerung, sie verdienen im Schnitt 23% weniger als männliche Kollegen. In der Wissenschaft sind nur 15% und in der Wirtschaft nur 10% der Spitzenpositionen mit Frauen besetzt. Was läuft falsch?

Josephs: Die Zahlen skizzieren in dramatischer Weise den Nachholbedarf. Meines Erachtens muss viel mehr, intensiver und nachhaltiger Ermutigung von Mädchen und Frauen stattfinden – in der familiären Erziehung, in der Schulbildung und bereits im Kindergarten, aber auch Einsicht seitens der Wirtschaft und der Hochschulen, dass Womenpower genauso viel wert ist wie Manpower oder anders gesagt. Ermutigung junger Mädchen und Frauen, sich Leistung zuzutrauen, anspruchsvolle Ziele zu setzen und Karriere zu machen. Allerdings müssen die Strukturen in Wirtschaft und Hochschule auch ihrerseits offene sein und die Verantwortlichen echte Förderungsbereitschaft zeigen.

MM: Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zur Zeit kontrovers diskutiert und ist offensichtlich in Deutschland ein Problem wie in kaum einem anderen Land. Was muss sich ändern?

Josephs: Es müssen einerseits Kapazitäten zur Kinderbetreuung ab frühem Kindesalter geschaffen werden, zu vertretbaren Kosten. Und der Umgang mit diesem Thema muss in Unternehmen, aber auch der Politik und Gesellschaft ein offener und wertfreierer sein. Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden, dass berufstätige Männer und Frauen Kinder haben, teilzeit oder vollzeit – je nach eigenem Wunsch – in ihrem Job weiterarbeiten und es einfach handeln können, die Kinder in Betreuung zu geben. Und das auch frühzeitig nach der Geburt, ohne dass sie leidige Diskussionen um ernsthafte Elternliebe führen müssen. Es darf nicht nur Heldinnen geben, die das mit überdurchschnittlicher Power und Finanzstärke schaffen.

MM: Sie sind in leitender Position bei Phoenix Contact beschäftigt. Das Unternehmen bietet Modelle für die Rückkehr in den Beruf von Müttern und Vätern nach der Babypause. Gibt es darüber hinaus Programme für die Chancengleichheit von Frauen und Männern und welche Erfahrungen macht Phoenix Contact damit?

Josephs: Da wir in unserer Unternehmenskultur Chancengleichheit implizit verankert haben und täglich leben, haben wir dafür keine spezielles Programm aufgelegt. Im Gegenteil: Was beispielsweise die Besetzung von Fach- und Führungsfunktionen angeht, würden wir uns dort mehr Frauenpower wünschen. Da wir ein sehr ingenieurslastiges Unternehmen sind und unsere eigene Quote wie auch das Angebot von technisch ausgebildeten Frauen am Arbeitsmarkt sehr gering ist, sind uns dadurch Grenzen gesetzt.

Das Interview führte MM-Redakteurin Ulrike Gloger.

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