Lagertechnik Ein Lager für das größte Lieferprogramm der Welt

Autor / Redakteur: Willy Schröder / M. A. Benedikt Hofmann

Ein automatisches Multifunktionslager sorgt bei einem Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten dafür, dass alle Teile schnell gefunden und Beschädigungen vermieden werden. Die Steuerung übernimmt ein kundenspezifisches Lagerverwaltungssystem.

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Die automatische Lageranlage, bei der Zuführung und Entnahme von Lagerteilen.
Die automatische Lageranlage, bei der Zuführung und Entnahme von Lagerteilen.
(Bild: Trafö)

Joskin, ein führender Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten, hat in den letzten Jahren das größte Lieferprogramm der Welt für den Transport und die Ausbringung von landwirtschaftlichen Produkten geschaffen. Mit einem Umsatz von über 100 Mio. Euro und über 800 Mitarbeitern ist die Joskin Gruppe an 5 verschiedenen Standorten aktiv. Der Hauptsitz des Familienunternehmens ist im belgischen Soumagne, rund 30 km von der Deutsch/Niederländischen Grenze entfernt. Die Produkte der Joskin Gruppe sind auf allen landwirtschaftlichen Flächen weltweit anzutreffen. Regelmäßig werden rund 40 Länder durch Joskin beliefert.

Im Jahr 2013 hat sich die Gruppe entschieden, am Hauptsitz die Fertigungs- und Lagerkapazitäten enorm zu erweitern. Dazu war man bereit einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren. Joskin entschied sich, für die Bevorratung verschiedener Ersatzteile und Halbzeuge ein Multifunktionslager von Trafö Förderanlagen zu installieren.

Trafö ist ein unabhängiger mittelständischer Maschinenbauer mit Sitz in Lauda-Königshofen. Als Spezialist für vollautomatische Lagersysteme und Logistiklösungen wurde die Firma beauftragt, das automatische Lagersystem am Hauptsitz in Soumagne zur Ausführung zu bringen. In kürzester Zeit entstand ein Multifunktionslager das die Lagerleistung bei Joskin dazu befähigt bis zu 4500 Container und Bauteile mit bis zu 3 t Gewicht und 4 m Länge zu lagern.

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Lagerhaltung mit System

Vor der Inbetriebnahme des Lagersystems waren sämtlich Ersatzteile und sonstigen Bauteile die heute sorgfältig und sachgemäß im Lager platziert sind, über das ganze Gelände verteilt. Durch die kleinen, inselartigen Lagerlösungen verloren die Mitarbeiter viel Zeit bei der Suche und Bereitstellung der Teile. Zum unwirtschaftlichen Zeitfaktor kam auch ein erhörtes Verkehrsaufkommen durch die Staplertechnik hinzu, das zusätzlich ein großes Risiko der Beschädigung der einzelnen Teile in sich trug. Diese Faktoren kosteten das Unternehmen am Ende viel Zeit und Geld und mussten so schnell wie möglich abgestellt werden. Mit der neuen, vollautomatischen Lagertechnik steht Effizienz und Wirtschaftlichkeit in der Ersatzteillogistik bei Joskin nun an erster Stelle.

Das Lagersystem mit einer Länge von rund 100 m und einer Höhe von 12 m besteht aus mehreren Komponenten. Einer der Hauptbestandteile ist die Stahlbaukonstruktion, die auf 4 Lagerzeilen aufgeteilt ist und ein enormes Lagervolumen bietet. Abhängig von der Beladehöhe der einzelnen Systempaletten können hier bis zu 1500 Lagerplätze mit einer Gesamtkapazität von rund 2700 t genutzt werden.

Die unabhängig voneinander arbeitenden Regalbediengeräte für die zwei Gassen sind für den lagerinternen Transport der Systempaletten zuständig. Mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 120 m pro Minute versorgen die Regalbediengeräte die Stationen in Windeseile mit Arbeitsmaterialien. Die Materialbereitstellung geht nun deutlich schneller voran, da der Materialfluss deutlich optimiert werden konnte.

Mehrere 100 Systempaletten bieten im Format 4250 × 1250 mm und einer Nutzlast von 3000 kg ausreichend Platz für die unterschiedlichsten Güter und Fahrzeugkomponenten von Joskin. Jedes der Läger hat jeweils eine Ein- und eine Auslagerstation um Engpässe bei der Einlagerung und Bereitstellung zu vermeiden. Ein besonderes Merkmal dieser Anlage ist die variable Beladehöhenkontrolle. Über eine spezielle, optische Vorrichtung im Einlagerbereich, wird die Höhe der Palettenbeladung millimetergenau gemessen und von der im Hause Trafö entwickelten Software genau erfasst. Der beladenen Palette wird automatisch ein entsprechender Lagerplatz zugeordnet. Auf dem Bildschirm wird der Lagerplatz visualisiert angezeigt. Somit wird die gesamte Lagertechnik über die Lagerverwaltung flexibel beladen und die zur Verfügung stehenden Stellflächen optimal genutzt.

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Bei Joskin wird auf Zukunft gesetzt

Das Thema intelligente Lagerverwaltung wird bei der Firma Joskin großgeschrieben. So lieferte Trafö Förderanlagen ein modernes, kundenspezifisches Lagerverwaltungssystem zur Steuerung und Verwaltung der Lagertechnik. Die LVR-Kommandozentrale koordiniert sämtliche Abläufe und Fahrbewegungen in der Anlage und kommuniziert sämtliche Datenstände über eine Schnittstelle an das übergeordnete ERP-System. Der modulare Aufbau der Softwarestruktur bietet für verschiedenste Anwendungen der Firma Joskin die optimale Lösung und kann durch den Einsatz einzelner Softwarebausteine jederzeit ergänzt und erweitert werden. Die Lagerverwaltung wurde auch speziell im Hinblick auf den Einsatz auf Android Geräten als App konfiguriert. Somit hat jeder Bediener die Möglichkeit per Smartphone oder Tablet den aktuellen Anlagen- und Bedienstatus abzufragen oder die Anlage aus der Ferne zu steuern.

Nach einer kurzen Phase der Inbetriebnahme Anfang 2014, erfüllt die Anlage bis heute störungsfrei ihre Dienste. Bei Joskin ist man sehr zufrieden mit der grundsoliden Anlage von Trafö, die tagtäglich zuverlässig ihre Anforderungen meistert. Das gibt Joskin die Gewissheit, die richtige Entscheidung für eine zukunftsorientierte Wirtschaftsweise getroffen zu haben. Joskin und die Trafö planen bereits gemeinsam an weiteren Automatisierungsprojekten zur Steigerung der Effizienz im Hause Joskin. MM

* Willy Schröder ist Sales Manager bei der Trafö-Förderanlagen GmbH & Co. KG in 97922 Lauda-Königshofen. Tel. (09 34 3) 7 90-00, info@trafoe-foerderanlagen.de.

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