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Lagerinspektion

Ein Smiley für das saubere Logistikzentrum

| Autor: Robert Weber

Der Fall Müller-Brot sorgte für Aufsehen in der Öffentlichkeit. Die Großbäckerei nahm es mit der Sauberkeit und der Hygiene in der Produktion nicht so genau. Das hatte Konsequenzen. Der Betrieb wurde eingestellt. Der Logistikdienstleister der Backkette ist insolvent. Doch wie sauber sind deutsche Logistikzentren?

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Richtiges Putzmittel: Für saubere Lager braucht es auch Reinigungsmittel. Kärcher ist ein Anbieter von Reinungslösungen am Markt. (Bild: Weber)
Richtiges Putzmittel: Für saubere Lager braucht es auch Reinigungsmittel. Kärcher ist ein Anbieter von Reinungslösungen am Markt. (Bild: Weber)

Ein Lebensmittel- und Hygieneskandal folgt dem nächsten. Die Medien berichten über neue Verfehlungen. Die Verbraucher sind bundesweit verunsichert. Wie sauber ist es bei meinem Bäcker von nebenan und wem kann ich noch in Sachen Lebensmittel vertrauen, fragen sich viele. Die Produktion ist ein sensibler Bereich, in dem es hygienisch zugehen muss. Aber auch im Logistikzentrum muss Sauberkeit an erster Stelle stehen. MM Logistik sprach deshalb mit Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands (BVLK).

Wie steht es um die Hygiene in deutschen Logistikzentren?

Müller: Logistikzentren sind generell anfällig für Hygieneverstöße, weil sie angefahren werden und viele unterschiedliche Personen Zutritt zu den Lagern haben. Im Moment können wir allerdings nicht von einem Hygieneproblem deutscher Logistikzentren reden.

Wie schätzen Sie das Risiko ein?

Müller: Die Risikobewertung ist immer abhängig von den gelagerten Produkten. In einem Kühllager mit Speiseeis sind andere Besonderheiten als in einem Trockensortimentlager eines großen Retailers.

Wie oft werden Logistikzentren in Deutschland kontrolliert?

Müller: Im Durchschnitt kontrollieren die Kollegen ein Logistikzentrum jedes halbe Jahr. Aber der Zeitraum kann sich verkürzen oder verlängern. Das ist abhängig von den Prüfberichten der Vergangenheit.

Wie kontrollieren Sie ein Logistikzentrum?

Müller: Die Kontrolle startet im Amt. Ich lasse mir die Baupläne und Angaben zum Sortiment kommen und fahre dann zum Betrieb. Mitentscheidend ist der Gesamteindruck. Wir kontrollieren von der Makroebene hinunter auf die Mikroebene.

Wie lange dauert eine Kontrolle und was sind die Besonderheiten eines Lagers?

Müller: Für ein großes Retaillager brauche ich schon einen halben Tag. Aber ich kann meistens schon nach 30 Minuten sagen, ob der Betrieb in Ordnung ist oder ob er nachbessern muss. Eine Überprüfung hat immer viel mit Gespür des Kontrolleurs zu tun. Darum fällt es jungen Kolleginnen und Kollegen am Anfang auch schwerer. Deshalb werden sie von erfahrenen Kontrolleuren begleitet. In den Logistikzentren nehme ich natürlich auch die Förderanlagen oder die Verpackung genau unter die Lupe. Haben wir es mit halbverpackter oder Frischware zu tun, besteht direkter Kontakt zu den Förderanlagen oder Ladungsträgern und wird in der richtigen Temperatur gelagert? Das ist vor allem bei der Chaoslagerung wichtig, denn es muss sichergestellt sein, dass die Produkte, die zusammen in dem Regalplatz liegen, die gleichen Bedingungen benötigen. Die Informationen dazu habe ich bereits in meinem Büro und kann mich so auf die Prüfung vorbereiten.

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