ABB kooperiert mit Copa-Data Ein weiterer Schritt hin zur vernetzten Produktion

Autor Stefanie Michel

Im Rahmen von Automatisierungsprojekten konnte man mit dem Automation Builder von ABB schon eine Maschine oder Anlage konfigurieren, programmieren und auf Fehler testen – zunächst virtuell, dann in der Realität. Um auch die Optimierung einer realen Anlage zu ermöglichen, kooperiert ABB jetzt mit Copa-Data.

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Morten Wierod von ABB und Thomas Punzenberger von Copa-Data (v.l.) sind nun Partner: Die Copa-Data-Software „zenon“ ist nun im ABB-Produktportfolio verfügbar.
Morten Wierod von ABB und Thomas Punzenberger von Copa-Data (v.l.) sind nun Partner: Die Copa-Data-Software „zenon“ ist nun im ABB-Produktportfolio verfügbar.
(Bild: Luca Siermann)

Seit vergangenem Jahr führt ABB die unabhängige Betriebsdatenmanagement-Software „zenon“ von Copa-Data unter dem Namen „ABB „zenon“ in ihrem Portfolio. Sie soll die Möglichkeiten der Vernetzung, Maschine-zu-Maschine-Konnektivität und der Anwendungskontrolle für Maschinenbauer erweitern. Der MM Maschinenmarkt sprach mit Morten Wierod, Leiter der Geschäftseinheit Drives and Controls von ABB, und Thomas Punzenberger, CEO von Copa-Data, welche Chancen die Zusammenarbeit auch für den Anwender bietet und wie sich „zenon“ in Zukunft weiterentwickeln wird.

ABB bietet die Scada-Software von „zenon“ nun im eigenen Portfolio mit an. Warum hat man sich dafür entschieden?

Wierod: Wir sehen in „zenon“ eine Betriebsdatenerfassungs- und Managementsoftware, die der Kunde als Datensammler und IoT-Anbindung für unsere Antriebskomponenten, aber auch für seine Maschinensteuerung kann. Die hohe Konnektivität der Software verbessert damit unsere Position im Maschinenbau; das ist ein sehr wichtiger Markt für ABB – vor allem für den Bereich Antriebe und Motoren. In diesem Bereich sehen wir, dass unsere Kunden immer mehr Lösungen brauchen, nicht nur Komponenten. Sie wollen auch Monitoring für den gesamten Antriebsstrang, also für den kompletten Prozess. Wir denken, dass „zenon“ hier das geeignete Produkt ist, um Daten aus verschiedensten Quellen zusammenzuführen, zu visualisieren und unseren Kunden auf einfache Weise einen Überblick über ihre Prozesse zu geben.

ABB besitzt mit dem Automation Builder bereits ein Simulationstool für die Automatisierung. Wie arbeitet diese Software mit „zenon“ zusammen?

Wierod: Es gibt eine nahtlose Engineering-Integration zwischen „zenon“ und dem Automation Builder. Beide Programme nutzen die gleiche Datenbasis. Der Automation Builder wird für die Automatisierung eingesetzt, für die Visualisierung und das Monitoring kommt „zenon“ zum Einsatz. So lässt sich mit beiden Tools der komplette Prozess abdecken. „zenon“ kann zudem aus beliebigen SPSen – auch aus unserer SPS AC500 – Tags online importieren. Die von uns vorgestellte Technologie der virtuellen Geräte ermöglicht darüber hinaus, ein virtuelles System zu konfigurieren und dann die „zenon“-Anwendung dagegen zu testen.

Punzenberger: Mit der Kombination aus Automation Builder und „zenon“ bereitet man beispielsweise die Inbetriebnahme perfekt vor. Durch die Integration der beiden Produkte und die einheitliche Datenbasis spart man Zeit, erreicht eine höhere Qualität und vermeidet Fehler während des Enigeeringprozesses. Das ist ein großer Vorteil.

Im Automation Builder können ganze Prozesslinien simuliert werden. Lassen sich hierfür auch reale Daten aus „zenon“ einbinden?

Punzenberger: Sie können alle Daten in „zenon“ lesen: vom Sensor über die SPS, von den Antrieben bis zu den Motoren. Die Daten werden dort gesammelt, gespeichert, analysiert und dann an andere Systeme für Simulationen und Analysen weitergegeben. Wir können die Daten von fast allen Systemen lesen – ganz egal ob Geräte, Datenbanken oder externe Systeme.

Wierod: Das Automation-Builder-Produkt wiederum erzeugt in der Simulation virtuelle Felddaten, die dann von „zenon“ erfasst und verarbeitet werden. Unterstützt durch die Simulation in 3D mit der ABB Robotstudio-Software und einer Interaktion von Sensoren und Aktoren mit der simulierten Realität können wirklichkeitsnahe Signale erzeugt werden. Damit bieten wir wirklich ein System, das mit den Bedürfnissen des Kunden beginnt. Hier wird gefragt: „Was brauchst Du?“ und nicht gezeigt, was wir noch alles können.

Welche Daten werden für die Auswertung herangezogen beziehungsweise welche kann „zenon“ auswerten?

Punzenberger: Zenon kann neben Maschinen- und Produktionsdaten beliebige andere Daten aus dem Feld erfassen, beispielsweise Energie- und andere Verbrauchsdaten. Möglich ist aber auch, Daten aus dem MES oder dem ERP auszulesen oder dorthin zu transferieren. Sobald Daten digital vorliegen, können sie erfasst, analysiert, interpretiert, Muster identifiziert und wahrscheinliche Entwicklungen errechnet werden. Dann kann die Fertigung aus vergangenen Prozessen und eigenen Vorgängen lernen und zum Beispiel Maschinenausfälle verhindern.

Wierod: Alle Betriebsdaten der Maschine werden komplett erfasst und gegebenenfalls mit anderen Produktionsdaten angereichert. Daten können beliebig vorverarbeitet und aggregiert werden. Anschließend erfolgt zum Beispiel ein Transfer der Daten in die Cloud, ins MES oder ins ERP.

Welche Informationen erhält der Anwender nach der Datenanalyse in „zenon“?

Punzenberger: Abhängig von der Anwendung und der Implementierung erhält der Nutzer Informationen und Handlungsanweisungen entweder direkt von „zenon“, oder von den übergeordneten Systemen. Dazu gehören zum Beispiel OEE-Auswertungen, Energieverbrauchsstatistiken, Alarme oder auch Hinweise zur Produktions- oder Verbrauchsoptimierung.

Wierod: Für unsere Antriebskunden ist es wichtig, dass sie mit „zenon“ Datenströme managen können. Die Auswertung kann entweder lokal, in den Produktionssystemen des Kunden, in der Cloud des Kunden oder in der ABB-Ability-Cloud erfolgen. Damit ist eine konzentrierte und selektierte Übertragung der Diagnosedaten unserer Geräte in die ABB-Cloud möglich, während sensible Produktionsdaten beim Kunden bleiben.

Alle vernetzten Geräte in „zenon“ bilden eine Ebene. Wenn man dann beispielsweise eine spezielle Auswertung der Antriebe durchführen will, bringt man die Daten in „zenon“ zusammen. Über Algorithmen können in Zukunft spezifische Analysen wie beispielsweise die Alterung von IGBTs oder Kondensatoren in Antrieben durchgeführt werden. Dieses Drives Condition Monitoring erfolgt in der ABB-Cloud. Die Anzeige erfolgt im mit „zenon“ gestalteten Maschinen-HMI, im Webbrowser des Betreibers oder, falls vom Kunden gewünscht, im ABB Remote-Servicecenter zur Überwachung durch ABB-Experten.

Neben Copa-Data tritt nun auch ABB mit dem „zenon“-Kunden in Kontakt. Wie wird die Software in das Service-Angebot von ABB eingebunden?

Wierod: Wir behandeln ABB „zenon“ wie ein ABB-Produkt. Deshalb übernehmen wir die volle Verantwortung für den Support und den kompletten Lifecycle. Damit sind wir im Produktlebenszyklus involviert – von der Produktvorstellung bis in die aktive Phase und den Support danach. Das bedeutet auch, dass es jährlich ein reguläres Update sowie mehrere kleinere Updates oder Sprachpakete gibt. Kunden mit Service-Vertrag bekommen diese Updates kostenlos. Das ist ein Vorgehen, wie mit vielen anderen ABB-Produkten auch.

Punzenberger: Natürlich unterstützen wir unsere eigenen „zenon“-Kunden auch weiterhin aktiv. ABB erhält bei Bedarf von uns den voll integrierten Factory-Support. Zum Beispiel wenn es Fragen zur Software gibt, die nur Mitarbeiter von Copa-Data beantworten können.

Hat Copa-Data eigene Datenanalysten oder bekommt man die Informationen, was denn an Daten wichtig beziehungsweise von Bedeutung ist, von ABB?

Wierod: In der komplexen Welt, von der wir hier reden, gibt es niemanden, der alles kann. Man wird Anwendungsspezialisten beim Maschinenbauer und beim Betreiber brauchen, Experten für Datenmanagement und -visualisierung und Experten für Komponenten oder Geräte. Für uns bei ABB heißt das: Wir liefern das Know-how für den Antriebsstrang und dessen Überwachung und Optimierung. Wie die Produktionsdaten ausgewertet und die Informationen dann letztlich verwendet werden, bestimmt der Einzelfall und damit der Kunde. Für den Antriebsstrang möchten wir aber von der Auslegung, der Überwachung bis zum Service der Partner der Wahl sein.

Punzenberger: Wir können die KPIs bereitstellen, aber wenn es ins Detail eines Antriebs geht, dann ist ABB der Experte. Dort weiß man genau, wie man diesen Antrieb betreibt, welche Wartung er benötigt und welche Zustände aus einem Zwischenfall entstehen können.

Hat ABB eigene Erfahrung mit „zenon“ in der Produktion gemacht?

Wierod: ABB hat bereits viel Erfahrung mit „zenon“ zum Beispiel aus Automobilprojekten, aus Projekten mit Maschinenbauern und in der erneuerbaren Energieerzeugung. In der eigenen Fertigung gibt es ein Pilotprojekt in Deutschland, bei dem eine Fertigungslinie mit Losgröße 1 umgesetzt wird. Im Moment ist die Einführung in weitere Bereiche ein laufender Prozess. Wir sind derzeit dabei, „zenon“ weltweit in der Produktion unserer Frequenzumrichter einzuführen.

Wie wird Copa-Data „zenon“ in den nächsten Jahren weiterentwickeln? In Zusammenarbeit mit ABB?

Punzenberger: Wir haben eine genaue Vorstellung und diese stimmen wir auch mit ABB ab. Unsere Vision geht deutlich in Richtung Übernahme eines Datenanalysepakets, um alle Möglichkeiten zu bieten: Daten von Maschinen im Feld und Energiedaten aufnehmen, Condition Monitoring betreiben und dann die Daten rechnergestützt analysieren. Für rechenintensive Analysen beispielsweise werden die Daten in die Cloud geschickt und schließlich die Ergebnisse wieder ins Feld zurückgegeben, um sie dem Kunden zu zeigen, sodass er einen Überblick über seine Produktion hat. Ein großer Teil der Anwendung wird Predictive Analytics sein – also Informationen weitergeben, bevor etwas passiert.

Das Interview führte Stefanie Michel, Redakteurin Antriebstechnik beim MM Maschinenmarkt

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