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Werkzeugmaschinen Eine Branche bleibt unbeeindruckt

| Autor: Robert Horn

Den internationalen Krisen und Unwägbarkeiten zum Trotz ist die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie mit einer guten Portion Optimismus in das Jahr 2017 gestartet, nachdem das alte Jahr mit einer Rekordzahl an Aufträgen beendet wurde. Aktuelle Zahlen bestätigen die gute Lage.

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Die Auftragslage in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie bleibt weiterhin positiv.
Die Auftragslage in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie bleibt weiterhin positiv.
(Bild: Bystronic CorCom)

Derzeit, Stand Juni 2017, überschlagen sich Deutschlands Wirtschaftsforscher mit Erfolgsnachrichten. So meldet etwa das Ifo-Institut aus München den höchsten Stand der Ifo-Exporterwartungen seit sechs Jahren. Das bedeutet, dass nahezu alle Branchen in Deutschland eine Zunahme ihrer Ausfuhren erwarten. Auch andere Indikatoren des renommierten Instituts zeigen, dass es der deutschen Wirtschaft derzeit blendend geht: Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Juni 2017 ebenfalls auf Rekordniveau.

Auch das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) signalisiert ein kräftiges Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. „Die euphorische Stimmung in den Unternehmen spricht dafür, dass die deutsche Wirtschaft das rasante Tempo des Auftaktquartals nahezu halten kann“, kommentiert DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Er warnt gleichzeitig: „Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, dass die Erwartungen in den Unternehmen längst nicht so optimistisch sind wie deren Einschätzung der aktuellen Lage – die derzeit hohen Zuwächse wird die deutsche Wirtschaft nicht auf Dauer halten können.“

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Werkzeugmaschinenindustrie in Zahlen

Aktuelle Kennzahlen der wichtigsten deutschen Maschinenbausparte:

  • 15,0 Mrd. Euro betrug der Produktionswert der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie 2016. Der Zerspanungsanteil machte 8,2 Mrd. Euro aus, die Umformtechnik kam auf 2,9 Mrd. Euro.
  • - 1 % beträgt damit der Unterschied zum Vorjahr. 2015 lag die Produktion bei 15,1 Mrd. Euro.
  • 69.135 Personen waren 2016 in der Werkzeugmaschinenindustrie tätig. Das ist ein Plus von 1 % gegenüber dem Vorjahr.

Positive Erwartungen übertroffen

Noch zum Jahresbeginn hatte der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) einen deutlichen Produktionszuwachs von 3 % prognostiziert. Gestützt wurde die Einschätzung auf die sich solide entwickelnde globale Werkzeugmaschinennachfrage und das dicke Auftragspolster aus 2016. Dabei profitierte die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie vor allem von Großaufträgen aus der weltweiten Automobilindustrie.

VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer: „Unbeeindruckt von den vielen Unsicherheiten durch Krisen in der Welt läuft die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie nach wie vor stabil auf hohem Niveau.“
VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer: „Unbeeindruckt von den vielen Unsicherheiten durch Krisen in der Welt läuft die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie nach wie vor stabil auf hohem Niveau.“
(Bild: VDW/Tristan Rösler)

Inzwischen blickt der VDW sogar noch positiver in die Zukunft und ist mit der aktuellen Geschäftslage mehr als zufrieden. „Der Auftragseingang entwickelt sich seit Jahresbeginn besser als erwartet“, freut sich VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer. Nach Zahlen des Branchenverbandes ist der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 % gestiegen.

Während das Inland um 2 % zulegte, wuchsen die Auslandsaufträge um 8 %. Wichtigster Abnehmer sind dabei weiterhin die Euro-Länder, deren Bestellungen um 23 % in die Höhe schnellten. Ein genauer Blick zeigt, dass vor allem die Umformtechnik zulegen konnte. Hier stiegen die Aufträge um 13 %, während die Bestellungen in der Zerspanungstechnik, die laut VDW etwa 70 % des Gesamtumsatzes ausmacht, nur um 3 % zulegen konnten.

Chinageschäft nimmt wieder zu

Auch das Geschäft mit China, das 2016 im Vergleich zu den Vorjahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, zieht wieder an. Stiegen die Bestellungen im vergangenen Jahr bereits um mehr als ein Fünftel, war dies vorrangig Großprojekten der internationalen Automobilindustrie in China geschuldet. Im ersten Quartal 2017 setzt sich die gute Entwicklung jedoch weiter fort, berichtet der VDW.

Die meisten Exporte deutscher Werkzeugmaschinenhersteller gehen nach China. 2016 lagen die Ausfuhren bei 1,9 Mrd. Euro und damit 10 % niedriger als 2015. In die USA gingen Maschinen im Wert von 1,06 Mrd. Euro.
Die meisten Exporte deutscher Werkzeugmaschinenhersteller gehen nach China. 2016 lagen die Ausfuhren bei 1,9 Mrd. Euro und damit 10 % niedriger als 2015. In die USA gingen Maschinen im Wert von 1,06 Mrd. Euro.
(Bild: MM Grafik)

Im Jahr 2016 hatte die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie Waren im Wert von knapp 1,9 Mrd. Euro nach China exportiert. In den Jahren davor hatte der Auftragswert jeweils über 2 Mrd. Euro gelegen.

Damit bleibt China nach wie vor das wichtigste Abnehmerland der Branche. Zum Vergleich: Die USA, die auf Platz 2 rangieren, erreichen mit etwa 1,1 Mrd. Euro Exportwert etwa die Hälfte des chinesischen Bedarfs. Dabei ist der Absatz in die USA 2016 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 11 % gestiegen. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen für deutsche Werkzeugmaschinenhersteller weiterhin Italien (2016: 486 Mio. Euro Export), Frankreich (423 Mio. Euro) und Polen (415 Mio. Euro).

„Unbeeindruckt von den vielen Unsicherheiten durch Krisen in der Welt läuft die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie nach wie vor stabil auf hohem Niveau“, sagt VDW-Geschäftsführer Schäfer abschließend.

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