Taiwan Eingeklemmt zwischen Low Cost und High Tech

Redakteur: Frank Jablonski

In einer wirtschaftlich schwierigen Zeit mit Preisdruck und starkem Wettbewerb reagieren Unternehmen und Verbände in Taiwan mit Investitionen in Qualität und Digitalisierung. In dieser Phase schießen die Wähler mit einem politischen Kurswechsel quer.

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C. C. Wang, Präsident des Taiwanesischen Maschinenindustrieverbandes (Tami), und Frank Jablonski Chefredakteur MM MaschinenMarkt (r.), nach dem Interview in Taipeh, Taiwan.
C. C. Wang, Präsident des Taiwanesischen Maschinenindustrieverbandes (Tami), und Frank Jablonski Chefredakteur MM MaschinenMarkt (r.), nach dem Interview in Taipeh, Taiwan.
(Jablonski)

Taiwan wird weiblich. Und das ist gut so, findet zumindest der Stimmungsbarometer Taxifahrer während der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt von Taipeh: „A woman as president? It’s good, it’s good!“, klingt es enthusiastisch vom Fahrersitz. Taiwan hat am Vortag gewählt und Tsai Ing-Wen von der großen Oppositionspartei mit mehr als 58 % Stimmenanteil in das Präsidentenamt gehoben – zum ersten Mal in der Geschichte weiblich besetzt.

Die historische Wahl fällt in eine Zeit der ökonomischen Stagnation und eines steigenden Frustgefühls bei vielen Wählen über ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg. Die ehemals regierende Kuomintang hatte ihr wirtschaftliches (und wohl auch politisches) Heil in einer wachsenden Zahl an Handelsabkommen mit Festlandchina gesehen.

Doch weder in Wachstumsraten noch beim einfachen Wählervolk scheint von den Versprechungen etwas angekommen zu sein. Die gleichzeitige Annäherung der konservativen Vorgängerregierung an China empfanden viele Bürger darüber hinaus wohl als zu eng. Andere wiederum sehen das jüngste Wahlergebnis mit großer Sorge und fürchten sich vor einer Zunahme der Spannungen.

Sorge in Taiwan vor Spannungen mit der Volksrepublik China

Um diese Sorgen besser zu verstehen, hilft ein kurzer Blick in die Geschichte: Die VR China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, wohingegen sich die Republik China auf der Insel Taiwan, so der offizielle Name, als souveränen Staat sieht. Die Insel Taiwan, lange Zeit japanische Kolonie, gehörte bis 1945 nicht zum Territorium der Republik China und diente im Jahr 1949 als Rückzugsgebiet der Behörden der Republik China um den berühmten Chiang Kai-shek. Während sich Taiwan bis heute selbst regiert, strebt Beijing eine Vereinigung an.

In den taiwanesischen Medien wird in den Tagen nach der Wahl viel über den künftigen Umgang der beiden miteinander spekuliert. Doch es deutet viel darauf hin, dass der politische Status quo auch unter der neuen Regierung gehalten wird. Zu eng sind die wirtschaftlichen Bindungen und die Vorteile beider Seiten an einer Zusammenarbeit.

Schätzungen gehen von weit über 100 Mrd. Dollar Investitionssummen von taiwanesischen Firmen in China aus und umgekehrt kaufen Festlandchinesen Computer, Elektronik, Fahrräder und Maschinen in Milliardenhöhe. Taiwanesische Maschinenbauer haben mit China ihren wichtigsten Markt direkt vor der Tür.

Auch ohne eventuelle Spannungen mit China läuft es derzeit nicht gut für die Wirtschaft auf der kleinen Insel. Wie C. C. Wang, Präsident des Taiwanesischen Maschinenindustrieverbandes (Tami) erläutert, liegt das zum einen an sich ändernden Marktanforderungen und zum anderen an äußeren Bedingungen wie dem für Taiwan ungünstigen Wechselkurs zum Yen.

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