Forum Mobilitec 2014 Elektromobilität bietet Geschäftspotenziale für Komponentenhersteller

Redakteur: Stefanie Michel

Deutschland soll Leitmarkt und Leitanbieter der Elektromobilität werden und der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat das notwendige Know-how dafür. Welche Chancen sich hier bieten, erklärt Hartmut Rauen, Geschäftsführer der Fachverbände Antriebstechnik und Fluidtechnik, im Interview.

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Hartmut Rauen: „Die Elektromobilität bietet interessante Geschäftspotenziale, insbesondere für Komponentenhersteller im Bereich Antriebsstrang.“
Hartmut Rauen: „Die Elektromobilität bietet interessante Geschäftspotenziale, insbesondere für Komponentenhersteller im Bereich Antriebsstrang.“
(Bild: VDMA)

Für die Akzeptanz der Elektromobilität ist der Preis entscheidend. Wie müssen Produktionstechnologien in einem Hochlohnland wie Deutschland aussehen, um hier eine eigene Produktion beispielsweise von Elektromotoren für Elektroautos aufzubauen?

Rauen: Elektromobilität bietet eine gute Chance, die Produktion für Komponenten in Deutschland auf- beziehungsweise auszubauen. Es gilt, diese „neuen“ Komponenten in der Automobilindustrie in passender Qualität zum besten Preis zu produzieren. Hierzu müssen beispielsweise die Taktzeit und die Ausschussrate deutlich verringert werden. Dies gelingt nur mit automatisierten Prozessen und schnellen Online-Qualitätssicherungsverfahren. Das Know-how zur Kostenreduzierung der Komponenten liegt also maßgeblich bei modernen Produktionstechnologien. In der automatisierten, energieeffizienten Fertigung der Komponenten liegt die Chance für den Produktionsstandort Deutschland. Die besten Köpfe dafür haben wir vor Ort. Maschinenbauer und Automatisierer entwickeln gemeinsam mit Automobilherstellern und Zulieferern diese Produktionstechnologie eben am liebsten in der Heimat.

Wie können Chancen auf dem Markt von Unternehmen genutzt werden , die bisher nicht im Bereich Automotive tätig waren, deren Produkte aber für die Produktion von Elektroautos wichtig wären?

Rauen: Es gibt eine ganze Reihe von Maschinen- und Anlagenbauern, die bisher nicht in die Automobilproduktion involviert waren, etwa die Hersteller von Wickelmaschinen für Elektrotraktionsmotoren oder Anlagenhersteller für die Beschichtung und Bearbeitung von Rollenware in der Batteriezellproduktion. Auf unserer Plattform E-Motive treffen diese Unternehmen auf die Automobilindustrie. So zeigt zum Beispiel unsere Roadmapping-Aktivität im Industriekreis Batterieproduktion auf, welche Prozesse und Verfahren derzeit in der Planung oder Entwicklung sind. Dort können sich die Unternehmen Kontakte knüpfen und sich einbringen.

Viele Kompetenzen im Bereich des elektrischen Antriebsstrangs liegen bei Unternehmen, die bisher hauptsächlich im industriellen Umfeld tätig waren. Automobilhersteller setzten hingegen auf ihr Netz an spezialisierten Zulieferern. Wie lassen sich die „neuen“ Partner zusammenbringen?

Rauen: Wir bringen die Unternehmen technologieorientiert und anwendungsübergreifend zusammen. Bei uns sitzen also beispielsweise zum Thema Elektromotor nicht nur OEM und Zulieferer aus der Automobilindustrie am Tisch, sondern auch Hersteller und Zulieferer aus dem Bereich der mobilen Maschinen wie Gabelstapler. Sie können schon auf eine lange Erfahrung mit elektrischen Traktionsmotoren zurückblicken und diese einbringen. Im Gegenzug profitieren sie wieder von der durch die Automobilindustrie im Zuge der Kostenreduzierung vorangetriebenen Produktionstechnologie. In diesem Zusammenhang ist die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) ein attraktives Format, bei dem sich Firmen und Experten entlang der gesamten Wertschöpfungskette treffen und kennenlernen können. Ziel ist es, gemeinsam an einem Forschungsthema zu arbeiten – und dies im Zusammenschluss von großen und kleinen Unternehmen sowie der Wissenschaft. Auf diesem Wege werden die Kompetenzen der Akteure sichtbar und neue Geschäftsbeziehungen möglich.

Kann der Bereich Elektromobilität ein weiteres – langfristiges – Standbein für Komponentenhersteller im Bereich Antriebsstrang oder Handhabung sein?

Rauen: Die Elektromobilität kennt sehr viele Anwendungsfelder und bietet somit interessante Geschäftspotenziale, insbesondere für Komponentenhersteller im Bereich Antriebsstrang.

Und wie müssen die Unternehmen aufgestellt sein oder auf was müssen sie sich einstellen?

Rauen: Elektromobilität ist zugleich ein sehr technologie-intensiver Bereich. Daher kann man als Unternehmen das Thema sicherlich nicht „by the way“ abbilden, sondern sollte es als vollwertiges Geschäftsfeld betrachten. Dazu gehören auch Investitionen in neue Produktionstechnologien, denn diese sind ein maßgeblicher Parameter für die Qualität und Kosteneffizienz der Produkte und somit von hoher Relevanz für die Positionierung im internationalen Wettbewerb. Der Staat kann hier helfen und neben der Forschungsförderung im Bereich der Produktionstechnologien zudem für gute Investitionsbedingungen sorgen.

In welchen Bereichen der Produktionstechnik für Elektromobilität besteht noch Forschungsbedarf und wie unterstützt das der VDMA?

Rauen: Bei der Elektromobilität handelt es sich um ein Feld mit viel „Luft nach oben“. Die Komponenten E-Motoren, Hochleistungsbatterien, Leistungselektronik und vor allem auch der Leichtbau mit Verbundfaserwerkstoffen sind alles „Neulinge“ in der Automobilindustrie. Diese gilt es kontinuierlich weiterzuentwickeln und mit skalierbaren Produktionstechnologien kosteneffizient bei passender Qualität herzustellen. Vor diesem Hintergrund bündeln wir im VDMA-Forum Elektromobilität E-Motive sämtliche Kompetenzen aus Sicht des Maschinen- und Anlagenbaus und bringen Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Unser Board E-Motive bildet die Sicht der Automobilindustrie ab und zeigt die Bedarfe auf. Es bildet auch den Programmausschuss für unser jährliches „E-Motive Expertenforum Elektrische Fahrzeugantriebe“, was am 15. und 16. Mai 2014 in Wolfsburg stattfindet.

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