Elektroindustrie: Jahresausblick 2017 Elektronik als Zugpferd

Die Elektroindustrie ist aus wirtschaftlicher Sicht mit 849.000 Beschäftigten nicht nur die zweitgrößte Branche, sondern sie hat mit 43 % auch die höchste Wertschöpfungsquote aller Industriebranchen in Deutschland. Zum Erfolg der Elektrosparte trägt aber auch ihr hoher Innovationsgrad bei. Dies sind alles Gründe, ihre wirtschaftliche Entwicklung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Die Elektroindustrie spielt aufgrund ihrer Innovationskarft auch für die anderen Branchen eine große Rolle.
Die Elektroindustrie spielt aufgrund ihrer Innovationskarft auch für die anderen Branchen eine große Rolle.
(Bild: www.siemens.com/presse)

In unserer zunehmend automatisierten Welt sind sie fast überall vorzufinden: kleine elektrische Helferlein, die uns das Leben einfacher machen. Das fängt beim elektrischen Tür- oder Garagentoröffner an, geht über elektrische Dosenöffner und reicht bis hin zu Sensoren, die den schlüssellosen Zugang zur eigenen Wohnung oder dem Auto ermöglichen. Alleine in unseren Fahrzeugen befinden sich mittlerweile so viele Elektro- und Elektronikprodukte, dass man diese in diesem Bericht aus Platzgründen nicht einmal alle aufzählen könnte.

Viele Geräte, sei es eine Werkzeugmaschine oder das Auto selbst, könnten ohne Steuerung, ohne Sensoren und ohne elektrische Verbindungen nicht mehr verkauft werden – aus Gründen des Komforts oder der leichteren Bedienbarkeit. Auch Waren, die das verarbeitende Gewerbe in Deutschland oder auf der ganzen Welt herstellt, werden erst durch die eingebaute Elektronik zu einem begehrten Produkt und damit zu einem gefragten Exportgut. Eine leistungsfähige Elektronikindustrie ermöglicht so erst die Herstellung von hochwertigen Produkten.

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Leistungsfähige Elektroindustrie

Doch warum ist unsere Elektroindustrie so leistungsfähig? Nun, das kommt nicht von ungefähr; nach Aussage des ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.) steht in Deutschland etwa ein Viertel aller Beschäftigten, die man der Forschung und Entwicklung (FuE) zurechnet, bei der Elektrobranche in Lohn und Brot. Mit Ausgaben von 15,5 Mrd. Euro stammte 2015 mehr als ein Fünftel aller privatwirtschaftlichen FuE-Aufwendungen in Deutschland aus der Elektroindustrie. 2016 waren es nach Aussage von Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI sogar 16,2 Mrd. Euro. Damit überstiegen sie die Anlageninvestitionen in der Branche um mehr als das Zweieinhalbfache. „Im verarbeitenden Gewerbe ist es genau anders herum“, so Gontermann. Dort lagen die Investitionen 2015 mit 118 Mrd. Euro knapp doppelt so hoch wie die FuE-Aufwendungen, die bei 69 Mrd. Euro lagen.

Eine Innovationsstudie von Fraunhofer-ISI und IW Consult, die der ZVEI in Auftrag gab, zeigt auch, dass die Elektroindustrie einen Vorsprung vor den anderen Branchen hat, zumindest was die Digitalisierung betrifft. Eine indexbasierte Erhebung (von 0 bis 100 Punkten) zeigt den Hauptbefund: Die Gesamtwirtschaft steht mit einem durchschnittlichen Punktwert von 4,8 noch schwach da. Das verarbeitende Segment punktet mit 7,0 und mit einem Wert von 10,2 ist die Elektrobranche am weitesten fortgeschritten.

Kleine und mittelständische Unternehmen hinken bei der Digitalisierung hinterher

Doch wie in vielen anderen Bereichen ist es auch bei der Elektrobranche so, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) hinterherhinken, denn wie die Studie weiter aufzeigt, beträgt der Umsatzanteil der KMU mit smarten Produkten lediglich 11,8 %, gemessen am Gesamtumsatz. Bei den Großen der Elektroindustrie sind es hingegen schon 18,4 % und die digitalen Angebote haben dort einen Anteil von 25,1 %, während es bei den KMU nur 15,3 % sind.

Doch um die vollständigen Digitalisierungspotenziale erschließen zu können, sei es wichtig, eine hohe digitale Reife im gesamten Unternehmen zu haben. Dazu gehörten zunehmend auch im B2B-Bereich Onlineaktivitäten, wie das Betreiben von Webshops oder Social-Media-Aktivitäten. Eine Onlinepräsenz, auf der digitale Begriffe zu finden sind, sei ein erstes Maß für den Umgang mit digitalen Themen im Unternehmen.

Bitte lesen Sie zum Thema Industrie 4.0 auch den Beitrag „Kriterien eines Industrie-4.0-Produktes.“

Wie hat sich nun die Branche der Elektrotechnik im vergangenen Jahr entwickelt? Blicken wir in der Zeitschiene kurz zurück: Gleich zu Jahresbeginn plagten die chinesische Wirtschaft Deflationssorgen, die mit einem Börseneinbruch einhergingen. Mitte des Jahres kam das Votum zum Ausstieg Großbritanniens aus der europäischen Gemeinschaft, im Juli folgte der fehlgeschlagene Putschversuch in der Türkei. Im November sorgten die Wähler in den USA für eine Überraschung: Sie stimmten für Donald Trump als Präsidenten. Dazu kam dann im Dezember auch noch das gescheiterte Verfassungsreferendum in Italien. Zusammen mit der Einigung der OPEC mit den ihr nicht angehörenden Öllieferländern, das Ölangebot zu beschränken, waren das alles keine positiven Signale.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt