Energieeffizienz Energiemanagement ist Chefsache

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Ulrike Gloger

Energieeffizienz ist eines der Top-Themen dieser Messe. Deutsche Unternehmen stehen im internationalen Wettbewerb gar nicht so schlecht da. Wir sprachen über die Möglichkeiten der Energieeinsparung mit Annegret-Cl. Agricola, Bereichsleiterin Energieeffizienz im Elektrizitätsbereich bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena) in Berlin.

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MM: Frau Agricola, wie ist es um das Thema Energieeffizienz beim Herz der deutschen Industrie, dem produzierenden Maschinen- und Anlagenbau, bestellt?

Agricola: Als Anbieter von energieeffizienten Technologien und Dienstleistungen sind deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Dies gilt sowohl für die Hersteller energieeffizienter Geräte und Anlagen sowie im Bereich der Automatisierungstechnik, aber auch in der Planung und im Anlagenbau. Gleichzeitig bestehen innerhalb der industriellen und gewerblichen Produktion in Deutschland vielfach noch erhebliche Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz und Kosteneinsparung.

MM: Wie lassen sich denn diese Defizite beheben?

Agricola: Die Möglichkeiten liegen in fast allen Bereichen der industriellen Produktion, in denen Energie zum Einsatz kommt, sowohl im Bereich Wärme/Brennstoffe als auch im Elektrizitätsbereich. Zum Beispiel gibt es bei Querschnittstechnologien wie Pumpen, Druckluft, Antriebe, Ventilatoren, Kälte- und Fördertechnik in einer Vielzahl von Betrieben die Möglichkeit zur Erschließung von Kostenvorteilen durch eine energetische Optimierung. Auch bei den prozessspezifischen Technologien, wie etwa beim Schweißen oder der Galvanisierung, gibt es ebenfalls hohe Einsparpotenziale.

MM: Aber die verpassten Chancen dominieren immer noch die Szenerie?

Agricola: Es gibt immer noch Informationsdefizite über die wirtschaftlichen Vorteile betrieblicher Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Viele Unternehmen sind sich der Chancen, die eine systematische Analyse und Optimierung der Energie verbrauchenden Systeme mit sich bringen, noch nicht ausreichend bewusst.

Oft ist den Unternehmen auch nicht ausreichend bekannt, wo sie in ihrem eigenen Betrieb tatsächlich ansetzen können. Deshalb gilt es, dies noch stärker in den Vordergrund zu rücken.

MM: Welche Schritte sind in Sachen Energieeffizienz in den Unternehmen notwendig?

Agricola: Häufig wird bei Investitionen nur auf den Anschaffungspreis geachtet. Zur optimalen Begrenzung der Gesamtkosten bei Neu- oder Ersatzinvestitionen gehört die genaue Betrachtung der Lebenszykluskosten (LCC). Wenn man die Lebenszykluskosten berücksichtigt, machen die Energiekosten häufig den größten Anteil aus.

Bei Pumpen- und Druckluftsystemen entfallen auf die Energiekosten bis zu 90% der Lebenszykluskosten. Bei diesen Anlagen lassen sich durch eine systematische energetische Optimierung und entsprechende Energieeffizienzmaßnahmen oftmals Kosteneinsparungen von 20 bis 30% und mehr realisieren.

Wichtig ist auch, zu betonen, dass durch wirtschaftliche Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen Kapitalrenditen im hohen zweistelligen Bereich erzielt werden können.

MM: Welche Branchen sind denn die Vorreiter im Sinne einer energieeffizienteren Produktion?

Agricola: Energieeffizienz als Entscheidungskriterium des Managements ist – vor allem bedingt durch die hohe Relevanz der Energiekosten – am stärksten in den energieintensiven Branchen angekommen. Allgemein gilt: Die höchsten Energieeffizienzpotenziale können im Bereich der Querschnittstechnologien erschlossen werden, weil diese Technologien in sehr vielen Unternehmen und Branchen zum Einsatz kommen.

Ganz vorne sind Betriebe, in denen das Energiemanagement, das heißt der strategische Energieeinkauf sowie die kontinuierliche Optimierung des Energieverbrauchs und der Energiekosten als Chefsache verstanden werden.

MM: Können auch kleinere Betriebe davon profitieren?

Agricola: Einerseits können auch kleinere und mittlere Unternehmen durch die Umsetzung wirtschaftlicher Energieeffizienzmaßnahmen erhebliche Energie- und Kosteneinsparungen erzielen. Da in mittelständischen Unternehmen aber häufig die Personal- und Kapitalressourcen zur Erschließung dieser Potenziale stärker begrenzt sind als in Großunternehmen, empfiehlt es sich im Hinblick auf den Zeit- und Kostenrahmen, überschaubare Schritte bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen einzuleiten.

MM: Lässt sich ein derartiges Projekt überhaupt exakt planen?

Agricola: Mittelständische Unternehmen haben häufig einen längeren Planungshorizont als große Unternehmen, wodurch auch Energieeffizienzmaßnahmen mit einem längeren Planungshorizont erfolgreich umgesetzt werden können. Wir empfehlen in jedem Fall, durch eine Analyse derjenigen betrieblichen Systeme, die den höchsten Energieverbrauch aufweisen, gezielt die entsprechenden Energie- und Kosteneinsparpotenziale zu identifizieren und daraus wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen zu entwickeln beziehungsweise umzusetzen.

MM: Lässt sich damit nicht auch im Exportgeschäft gutes Geld verdienen?

Agricola: Sicherlich kann dieses Know-how über Produkte und Dienstleistungen als wertvolles Exportgut auch erfolgreich auf Auslandsmärkten – auch in Schwellen- und Entwicklungsländern – vermarktet werden. Dazu sollten die Anbieter dieser Technologien und Dienstleistungen ihre Kompetenz in Sachen „Energieeffizienz“ noch stärker als bisher herausstellen und bekannt machen.

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