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Ventilatoren Energiesparend über die Ostsee

| Autor / Redakteur: Katrin Lindner / Simone Käfer

Null Emissionen – das ist das ehrgeizige Ziel der Reederei Scandlines. Deshalb durchdachte sie die Belüftung ihrer sechs Hybridfähren neu und verbraucht nun über 80 % weniger Energie.

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Die Hybridfähre „Prinsesse Benedikte” der Reederei Scandlines verkehrt zwischen dem deutschen Puttgarden und dem dänischen Rødby. Durch neue Ventilatoren spart sie über 80 % Energie bei der Belüftung.
Die Hybridfähre „Prinsesse Benedikte” der Reederei Scandlines verkehrt zwischen dem deutschen Puttgarden und dem dänischen Rødby. Durch neue Ventilatoren spart sie über 80 % Energie bei der Belüftung.
(Bild: Jukka Huotari/Scandlines )

LED statt herkömmlicher Beleuchtung, Hybridantriebe, Abgaswäscher, neue Wasserpumpen, Lehrgänge zur sparsamen Fahrweise: Die Reederei Scandlines setzt konsequent auf Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch eine effiziente Klimatisierung des Autodecks der Fähre, die neben dem Antrieb selbst sehr viel Energie verbraucht. Da auf der Fähre auch Lkw mit entzündbaren Stoffen den Fehmarnbelt überqueren, müssen die Ventilatoren explosionsgeschützt sein.

Die Fähren sind mit zwei Brücken ausgestattet, so müssen sie außerhalb der Häfen nicht wenden. Vor der Überarbeitung sorgten bei der Überfahrt insgesamt acht große AC-Ventilatoren für die Frischluftzufuhr des 12.000 m3 großen geschlossenen Autodecks. Für die Zu- und Abluft liefen jedoch immer einige Ventilatoren rückwärts. Diese Betriebsart ist besonders ineffizient, da Ventilatoren immer für eine Förderrichtung ausgelegt sind und im Rückwärtsbetrieb drastisch mehr Energie verbrauchen.

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Kühlung für den Elektrobus

Hybrid- und Elektromotoren sind auch in Bussen auf dem Vormarsch und verdrängen nach und nach den reinen Verbrennungsmotor. EBM-Papst stellt einen neuen robusten Ventilator für die Motorkühlung vor, dem Straßenschmutz nichts anhaben kann.

Ein Fan-Grid aus sechs Axialventilatoren kühlt den Motor und schützt so vor Überhitzung.
Ein Fan-Grid aus sechs Axialventilatoren kühlt den Motor und schützt so vor Überhitzung.
( Bild: EBM-Papst )

Straßen sind immer schmutzig: Straßenstaub, kleinteilige Partikel und chemisch aggressive Verunreinigungen können sich an den Flügeln des Ventilators festsetzen. Setzt sich der Schmutz ungleichmäßig ab, führt dies zu einer Unwucht, welche die Lebensdauer des Ventilators stark einschränkt und zu einem Frühausfall führen kann.

Ein spezielles Laufraddesign soll nun den Wirkungsgrad erhöhen und Schmutzablagerungen unterbinden. Der neue Axialventilator von EBM-Papst ist besonders unempfindlich gegenüber Schmutzablagerungen. Die speziell aerodynamisch optimierte Formgebung der Schaufeln verhindert, dass sich Schmutz am Ventilator festsetzen kann. Dies führt zu einer besonders langen Lebensdauer, wie zahlreiche Tests nachweisen, berichtet der Ventilatorhersteller.

  • Größerer Wirkungsgrad und keine Schmutzablagerungen mehr

Das Laufrad ermöglicht höhere Drehzahlen und schafft damit zusätzliche Reserven bei der Kühlleistung. Durch die Kombination mit einem feststehenden Nachleitrad sei es gelungen, den Wirkungsgrad weiter zu steigern und das ohne den sonst üblichen Schleuderring, erklärt EBM-Papst. Damit sei ein robuster, schmutzunempfindlicher und gleichzeitig energiesparender Ventilator für Heavy-Duty-Anwendungen entwickelt worden.

  • Ein Parallelbetrieb sorgt für Redundanz und Sicherheit

Ein weiterer Vorteil ist die Anordnung der Ventilatoren als Fan-Grid. Der Parallelbetrieb mehrerer kleiner Ventilatoren gegenüber einem großen Ventilator ermöglicht es, die Ventilatoren bedarfsgerecht anzusteuern und redundant auszulegen. Sollte einmal ein Ventilator ausfallen, könnten die übrigen mit höherer Drehzahl betrieben werden und den Ausfall kompensieren. So wird ein möglicher Luftleistungsabfall bestmöglich kompensiert und der Fahrzeugmotor ist vor Überhitzung geschützt.

  • Die Elektronik hält dem Hochdruckreiniger stand

Die Elektronik ist in Schutzart IP6k9k staubfest ausgeführt. Außerdem hält der Ventilator auch einem Hochdruckreiniger stand, falls das Fahrzeug durch die Waschstraße fährt. Der Ventilator ermöglicht Luftleistungen bis 3000 m3/h. Eine Steuerung ist standardmäßig über PWM oder lineare Spannung möglich. Der Ventilator ist für den Betrieb in einem 24 VDC-Netz ausgelegt.

Frische Luft im Autodeck

Zusammen mit EBM-Papst in Dänemark entwickelte die Reederei deshalb ein neues Konzept: Je vier explosionsgeschützte EC-Axialventilatoren sind als Fan-Grid auf eine schwenkbare Metallplatte montiert. Die Platte mit den Ventilatoren kann dadurch einfach in die benötigte Förderrichtung gedreht werden. So fördern die Ventilatoren die Luft immer in die Richtung, für die sie ausgelegt sind und arbeiten so mit maximaler Effizienz. Dass nun vier Ventilatoren die Arbeit eines einzigen übernehmen, hat auch den Vorteil, dass die Fläche, über welche die Luft gefördert wird, vergrößert wird. Das verbessert den Luftaustausch auf dem Autodeck zusätzlich. Am Schiff mussten außerdem keine Umbauten vorgenommen werden.

Die schwenkbare Metallplatte mit vier Ventilatoren sorgt für die energiesparende Belüftung des Autodecks auf den Fähren.
Die schwenkbare Metallplatte mit vier Ventilatoren sorgt für die energiesparende Belüftung des Autodecks auf den Fähren.
(Bild: ©Henrik Petit for EBM-Papst )

Die Maßnahmen ermöglichen pro Schiff Einsparungen von 2 Mio. kWh pro Jahr, was dem Jahresverbrauch von rund 65 Einfamilienhäusern entspricht. Mittlerweile hat die Reederei auch die Ventilatoren für die Kabinenklimatisierung durch EC-Ventilatoren ersetzt. Ein Upgrade für drei weitere Fähren, die Deutschland mit Dänemark verbinden, ist bereits geplant.

* Weitere Informationen: EBM-Papst in 74673 Mulfingen, Tel. (07938) 81-0, info1@de.ebmpapst.com, www.ebmpapst.com

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