Hannover-Messe 2008 Energietechnik „made in Germany“ weltweit gefragt

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Ulrike Gloger

Am 22. und 23. April 2008 findet auf der Hannover-Messe in Halle 27 der World Energy Dialogue statt. Diesmal stehen innovative Kraftwerke und Energiepartnerschaften im Mittelpunkt des Kongresses. Über die Auswirkungen der aktuellen Energiedebatte sprachen wir mit Stephan Kohler, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und Chairman World Energy Dialogue.

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MM: Der World Energy Dialogue geht dieses Jahr bereits in die dritte Runde. Welche Bilanz zieht die Dena mit Blick auf die deutsche Industrie, wird das Thema dort angenommen?

Kohler: Wir können durchaus feststellen, dass das Thema sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite angekommen ist. Mit Blick auf die Industrie gilt das für die drei Bereiche energieeffiziente Produkte und Anlagen, Kraft-Wärme-Kopplung sowie direkt zur Kostenreduktion in der Produktion, um den Anteil der Energiekosten weiter zu reduzieren.

Die weltweite Nachfrage nach energieeffizienten Produkten, Maschinen und Dienstleistungen steigt sehr stark an. Dies eröffnet auch neue Geschäftsfelder, wie zum Beispiel Contracting, bei dem nicht nur Anlagen oder Maschinen geliefert werden, sondern auch Energiedienstleistungen.

MM: Ist das deutsche Contracting-Modell auch für die Auslandsmärkte von Bedeutung?

Kohler: Als Finanzierungsmodell stößt dies etwa in China, Russland und anderen Ländern auf Interesse, zum Beispiel bei Immobilienbesitzern, Gewerbetreibenden und Betrieben, die nicht über das entsprechende Know-how in diesem Metier verfügen.

MM: Womit kann die deutsche Industrie in Sachen Energieeffizienz denn generell am besten punkten?

Kohler: Deutsche Unternehmen sind im Ausland bereits heute hochgefragte Gesprächspartner zu diesem Thema. Wir sind sowohl im Bereich regenerative Energien als auch bei energieeffizienten Anlagen und Maschinen bestens aufgestellt. Deutsche Unternehmen liefern zum Beispiel Anlagen zur Produktion von Biodiesel auf Jatrovabasis, die keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion darstellt.

Wir sollten dabei aber nicht nur an China denken; auch die osteuropäischen Staaten wie Russland, Ukraine, Rumänien und Zentralasien rücken in den Fokus. Natürlich genießt Asien einen gewissen Sonderstatus als attraktiver Absatzmarkt. Aber auch der Mittelmeerraum wie Tunesien oder die arabischen Staaten und Regionen wie Dubai haben ein großes Interesse, etwa an deutscher Solartechnik.

Die unterschiedlichen Ansätze müssen auf die konkreten Bedürfnisse jeder Weltregion abgestimmt sein. Das ist eine große technologische Herausforderung für uns.

MM: Dennoch stellen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit für viele Unternehmen zunächst nur ein Schlagwort dar. Wie also lässt sich diese Schwellenangst nehmen und ein entsprechendes Projekt betriebswirtschaftlich sauber rechnen?

Kohler: Seitdem der Ölpreis um die 100 Dollar je Barrel pendelt und der Posten Energie dadurch zum Kostenfaktor wurde, ist das Thema nicht mehr nur in der Regie der Betriebsingenieure angesiedelt, sondern es kümmern sich unmittelbar die Kaufleute im Unternehmen darum. Wir sind also sehr optimistisch, dass das Thema allein über die Kostenseite bereits als vordringlich erkannt wurde und die Betriebe konkrete Lösungen angehen. Die Technologien dazu gibt es bereits in großer Bandbreite und Tiefe.

MM: Gilt das nur für die besonders energieintensiven Branchen?

Kohler: Die Unternehmen, bei denen die Energiekosten 10 bis 15% oder mehr ausmachen, haben schon in der Vergangenheit besonders auf Energieeffizienz geachtet. Wir stellen aber fest, dass gerade mittelständische Betriebe aus dem produzierenden Gewerbe mit einem Anteil der Energiekosten zwischen 3 und 5% plötzlich aufgewacht sind.

Unsere Kampagne zur Optimierung der Druckluftsysteme hat ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie hoch die Kapitalrendite in diesem Bereich bei den eingesetzten Investitionen sein kann.

MM: Nach welchen Kriterien sollte denn überhaupt der diesjährige Energy Efficiency Award vergeben werden und wie definiert die Dena ein preisverdächtiges Unternehmen der Marke Energieeffizienz, das immerhin 30000 Euro erhält?

Kohler: Das Augenmerk liegt vor allem darauf, Unternehmen zu prämieren, die ganze Systeme mit einem schlüssigen Konzept optimieren. Sprich, es geht um Energiemanagementsysteme, die mit einem innovativen Produkt verbunden sind.

Nur einen Motor durch einen besseren auszuwechseln, reicht also nicht. Denn die Summe des Ganzen soll mehr als die Summe seiner Einzelteile sein. Den Preis verdienen also Unternehmen, die zeigen, dass sich durch Systemoptimierung mehr erreichen lässt als durch die Optimierung einzelner Komponenten.

MM: Was versprechen Sie sich persönlich vom diesjährigen World Energy Dialogue?

Kohler: Ich erhoffe mir durch den permanenten Dialog vor allem ein gestiegenes Bewusstsein in der Industrie und Öffentlichkeit, dass neue Kraftwerke und Netze zu mehr Klimaschutz beitragen, die Versorgungssicherheit erhöhen und die Energiekosten dämpfen, wenn nicht sogar weiter reduzieren können. Wir wollen mit dem Dialog, bildlich gesprochen, quasi auf die neue Generation der auf Energieeffizienz hin optimierten Kraftwerke einstimmen.

MM: Lassen sich die wirtschaftlich aufstrebenden Schwellenländer sowie die nur mit einer Art elektrischen Notversorgung ausgestatteten Entwicklungsregionen in diesen Prozess einbinden?

Kohler: Auf dem World Energy Dialogue sind Gäste aus vielen Ländern vertreten, etwa auch afrikanische Delegationen. Das wird also alles andere als eine deutschland- oder europazentrierte Veranstaltung. Der Blick richtet sich demzufolge auf die ganze Welt.

World Energy Dialogue, 22. und 23. April in Halle 27

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