Forschungsmuffel Erstmals wieder Rückgang bei deutschen Forschungsausgaben

Autor / Redakteur: dpa-AFX / Peter Königsreuther

Der Stifteverband hat im Auftrag des Bundesforschungsministerums analysiert, dass für Forschung und Entwicklung erstmals seit sieben Jahren weniger Geld ausgegeben wird.

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Das Coronajahr hat zwar Geld in die medizinische Forschung gespült. In anderen Forschungs- und Entwicklunszweigen aber erstmals nach sieben Jahren einen Investitionsrückgang ausgelöst.
Das Coronajahr hat zwar Geld in die medizinische Forschung gespült. In anderen Forschungs- und Entwicklunszweigen aber erstmals nach sieben Jahren einen Investitionsrückgang ausgelöst.
(Bild: dpa)

Im Coronajahr 2020 sind die Ausgaben der deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) erstmals seit sieben Jahren zurückgegangen. Das offenbart eine aktuelle Erhebung des Stifterverbandes im Auftrag des Bundesforschungsministeriums. Demnach investierten Unternehmen zwar 71 Milliarden Euro in ihre eigene Forschung. Doch das waren 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr, heißt es genauer. Auch das Forschungspersonal musste einige Federn lassen. Würden alle Voll- und Teilzeitbeschäftigten in Forschungsabteilungen berücksichtigt, ergäben sich für 2020 rund 467.400 Vollzeitstellen, was etwa 8.200 weniger bedeute als 2019. Lediglich die Ausgaben für Forschungsaufträge an andere Partner seien gestiegen, wie die Untersuchung zeigt. Der Anstieg beträgt rund 1 Prozent, was einen bisherigen Höchstwert von 22,9 Milliarden Euro bedeutet.

Schwächelnde Eigenforschung in Fahrzeug- und Maschinenbau

Im Kfz-Bereich seien FuE-Ausgaben am stärksten reduziert worden. Genauer gesagt, von 2019 auf 2020 um fast 4 Milliarden Euro respektive 13,6 Prozent. Im Maschinenbau seien sie um knapp 7 Prozent gesunken, in der Chemie- und Pharmaindustrie um je gut 3 Prozent. Als Gründe wurden Umsatzrückgänge, unterbrochene Lieferketten oder Lockdown-Regelungen genannt. Um interne Kosten zu mindern, hätten vor allem der Fahrzeug- und Maschinenbau verstärkt auf externes Wissen zurückgegriffen, heißt es weiter.

Die IT-Branche habe ihre FuE-Aufwendungen aber gesteigert. Auch wissenschaftliche Dienstleistungen – etwa in Medizin und Biotechnologie – profitierten von stabilen Aufträgen aus der Industrie. Die geschäftsführende Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) verwies im Rahmen der Bekanntmachung der Ergebnisse, dass der Bund seine FuE-Ausgaben 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Milliarden Euro erhöht hat.

Staat will ein gutes Stück vom BIP für FuE springen lassen

Die FuE-Ausgaben von Staat und Hochschulen betrugen gemäß vorläufiger Berechnungen des Statistischen Bundesamtes etwa 34,6 Milliarden Euro. Zusammen mit der Wirtschaft seien damit in Deutschland im Jahr 2020 knapp 106 Milliarden Euro für interne Forschung und Entwicklung ausgegeben worden. Der Anteil der FuE-Ausgaben an der Wirtschaftsleistung habe trotz des gesunkenen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf 3,14 Prozent abgenommen (nach 3,17 Prozent im Jahr davor). Ziel der geschäftsführenden Bundesregierung ist es nun, dass bis 2025 für Forschung und Entwicklung rund 3,5 Prozent des BIP investiert werden wird.

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