Studie Europas Autobauer müssen eigene Batterie-Kompetenz aufbauen

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Antriebsbatterie ist die teuerste Komponente strombetriebener Fahrzeuge. Derzeit sind die Batteriekosten noch zu hoch für den Massenmarkt. Doch im Lauf dieses Jahrzehnts wird die Traktionsbatterie durch Großserienproduktion massentauglich werden, wie die Unternehmensberatung Bain & Company in einer Studie ermittelt hat.

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Fortschritte bei Lithium-Ionen-Batterien sollen Elektromobilität bezahlbar machen. (Bild: Johnson Controls/Presseanzeiger)
Fortschritte bei Lithium-Ionen-Batterien sollen Elektromobilität bezahlbar machen. (Bild: Johnson Controls/Presseanzeiger)

In Asien und den USA investieren die großen Batterie- und Automobilhersteller bereits in den Aufbau von Produktionsstandorten. Das zeige die Studie „Li-Ion Battery Market for Automotive Applications“ der Unternehmensberatung.

Batterietechnik bestimmt Wettbewerbsfähigkeit der Autoindustrie

Danach droht Europa zum Importeur der wichtigen Batterietechnik zu werden. Doch der Verlust der technischen Eigenständigkeit bei einer zentralen Komponente gefährde langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie.

Die Technik des elektrischen Antriebs im Pkw ist ausgereift, aber noch sehr kostspielig. Dennoch kommen in diesen Tagen die ersten Großserien-Elektrofahrzeuge zu den Kunden: der Nissan Leaf, der Mitsubishi Imiev und der Chevrolet Volt. Sie sind die Vorboten eines neuen Megatrends in der Automobilindustrie: die Ergänzung der traditionellen Modellpalette mit Verbrennungsmotoren durch Modelle mit elektrischem Antrieb.

Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos erreichen neue Dimensionen

Kernstück des elektrischen Antriebs ist die Lithium-Ionen-Traktionsbatterie – eine erprobte Technik, die milliardenfach in Mobiltelefonen, Laptops und Werkzeugen zu finden ist. „Für das Auto muss die Lithium-Ionen-Technologie in neue Leistungs- und Produktionsdimensionen wachsen, die sich die Automobilindustrie erst erschließen muss“, sagt Dr. Gregor Matthies, Partner und Automobilexperte bei der Unternehmensberatung. Die Traktionsbatterie wird seiner Aussage nach über den Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität entscheiden und damit letztlich über die Zukunft der Automobilindustrie.

Die Batterie ist in einem Elektroauto die mit Abstand teuerste Einzelkomponente, heißt es, ähnlich dem Verbrennungsmotor in einem konventionellen Fahrzeug. Bei einem rein batteriebetriebenen Auto mit 18-kWh Speicher koste die Batterie bei heutigen Weltmarktpreisen rund 9000 Euro und könne mehr als 45% der Gesamtherstellkosten ausmachen.

Elektroauto-Batterien müssen schnell um 60 bis 70% sinken

„Für den kurzfristigen Erfolg der Elektromobilität auf diesem Preisniveau gibt es eine relativ einfache Formel mit zwei Determinanten“, sagt Bain-Berater Matthies. Entweder die Kosten für Benzin, Diesel, CO2-Ausstoß und Großstadt-Zufahrtsberechtigungen würden drastisch steigen, oder die Preise für die Batterien würden schnell um mindestens 60 bis 70% sinken. „Ersteres sind Maßnahmen, die zu Zwangsinnovationen führen, was politisch nicht immer durchsetzbar ist. Letzteres bietet unternehmerische Chancen.“

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