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Internationalisierung Exporteure sollten neue Märkte ins Auge fassen

| Autor: Stéphane Itasse

Der Kreditversicherer Atradius sieht für 2017 in Bulgarien, Indien und Indonesien gute Geschäftsaussichten. Diese Märkte werden dank einer robusten Binnennachfrage, der demographischen Entwicklung und langfristiger Investitionen hohe Wachstumsraten erzielen. Dadurch ergeben sich zusätzliche Absatzmöglichkeiten – wenn auch in den einzelnen Ländern generell Risiken für Zahlungsausfälle bestehen bleiben. Hingegen dürften Geschäfte in der Türkei, Südafrika, Argentinien und Mexiko zunehmende Unsicherheiten mit sich bringen.

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Welche Exportmärkte sind 2017 top, wo müssen die Unternehmen aufpassen? Der Kreditversicherer Atradius hat dazu eine Analyse veröffentlicht.
Welche Exportmärkte sind 2017 top, wo müssen die Unternehmen aufpassen? Der Kreditversicherer Atradius hat dazu eine Analyse veröffentlicht.
(Bild: HHLA/Thies Rätzke)

„Der internationale Handel wird 2017 wieder nur verhalten zulegen. Für zahlreiche Emerging Markets ergeben sich zusätzliche Unsicherheiten durch den nach wie vor unklaren Kurs der neuen US-Regierung in der Fiskal- und Außenhandelspolitik”, sagt Andreas Tesch, Chief Market Officer von Atradius, laut einer Mitteilung des Kreditversicherers. „Große Impulse für exportierende Schwellenländer – insbesondere solchen, die auf Rohstoffe fokussiert sind – sind nicht zu erwarten. Das wird sich auch auf die Zahlungsmoral vor Ort auswirken. Deshalb bieten in diesem Jahr vor allem Volkswirtschaften mit wachsenden, jungen Mittelschichten, die den Privatkonsum stützen, den Import beleben und Investitionen lohnenswert machen, hervorragende Perspektiven.“

Schwache Unternehmensfinanzen gefährden Zahlungsmoral

In Europa trifft das auf Bulgariens Wirtschaft zu, die 2017 um 3 % wachsen soll. Viel versprechende Chancen bietet der Balkanstaat unter anderem ausländischen Akteuren der Agrar- und Lebensmittelindustrie, da die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln steigt und der heimische Markt mit vielen kleinen und mittelständischen Firmen nach wie vor sehr fragmentiert ist. Darüber hinaus nimmt der Bedarf an chemischen Produkten vor dem Hintergrund einer wachsenden Industrie sowie einer steigenden Haushaltsnachfrage zu.

Trotz vielerorts guter Perspektiven bleibt die finanzielle Ausstattung bulgarischer Unternehmen jedoch eingeschränkt, da sie nach wie vor nur sehr begrenzt Kredite zugesagt bekommen. Die Zahlungsziele liegen bei 15 bis 45 Tagen und werden im Schnitt um rund 30 Tage überschritten.

Auch in Indien werden chemische Produkte 2017 stark nachgefragt werden. Allein von 2013 bis 2015 hat sich der Import von Chemikalien fast verdoppelt von 10 auf 19 Mrd. US-Dollar. Der Bedarf dürfte längerfristig hoch bleiben vor dem Hintergrund einer wachsenden Industrie. Dank des starken Privatkonsums der indischen Bevölkerung versprechen auch Verbrauchsgüter und Elektronikartikel weiterhin gute Chancen. Der von der Regierung Modi geplante Ausbau der Infrastruktur mit Wohnungsbau-, Transport- und IT-Plänen wird zudem der Baubranche Aufwind geben. „Damit einhergehend verbessert sich der Insolvenzausblick für das Land, nach 2016 rechnet Atradius auch 2017 mit einem Rückgang der Firmeninsolvenzen. In Sachen Zahlungsmoral ist Indien nichtsdestotrotz Schlusslicht in Asien, laut jüngstem Zahlungsmoralbarometer warteten Unternehmen bei Firmengeschäften zuletzt durchschnittlich 48 Tage auf ihr Geld – so lange wie nirgendwo anders in der Region“, sagt Tesch.

Großprojekte beflügeln die Wirtschaft in Indonesien

In Indonesien könnten ausländische Unternehmen von Großprojekten wie Häfen, Flughäfen, Straßen und Brücken profitieren, die die Regierung in der Hauptstadt Jakarta und mehreren Provinzen forciert. Ein Steueramnestieprogramm bis März 2017 soll nicht deklarierte Vermögen ins Land zurückführen und das staatliche Budget für diese Projekte langfristig sichern. Vor diesem Hintergrund dürfte das Zahlungsverhalten in der indonesischen Bauindustrie stabil bleiben – nur in Einzelfällen dürfte es zu Verzögerungen kommen, etwa wegen verspäteter Abnahmen oder Überweisungsfreigaben durch den Staat.

Als einer der 15 größten Handelspartner Deutschlands bietet die Türkei hiesigen Exporteuren auch 2017 viele Chancen, jedoch haben sich am Bosporus die politischen Risiken seit dem Putsch im Juli noch einmal deutlich erhöht. „In der Türkei beobachten wir die Lage intensiv, um unsere Kunden vor risikoreicher Geschäften zu schützen und das Lieferantenrisiko zu verringern. Das gilt auch im Hinblick auf zahlreiche Abnehmer, die im Visier der Ermittlungsbehörden stehen und daher mit der Beschlagnahmung von Unternehmenswerten rechnen müssen. Wir engagieren uns weiter am Bosporus und beobachten die Lage vor Ort sehr genau, um unseren Kunden hier den bestmöglichen Forderungsschutz zu geben“, meint Tesch.

Wahlsieg Trumps in den USA gefährdet Wirtschaft der Türkei und Mexikos

Seit der US-Wahl hat sich auch das Währungsrisiko für die stark von externem Kapital abhängige türkische Wirtschaft zusätzlich vergrößert. Die Kreditkosten für Unternehmen und Regierung sind gestiegen, wenn auch beide nach wie vor noch einen relativ guten Zugang zu Krediten haben.

Ein weiterer Risikofaktor – nicht nur für die Türkei – stellt ein möglicher expansiver wirtschaftspolitischer Kurs der neuen US-Regierung dar, der auch bei Ländern wie Südafrika oder Argentinien nicht ohne Folgen bleiben würde, da diese ebenfalls stark von ausländischem Kapital abhängig sind. In Argentinien besteht darüber hinaus noch ein hohes Länderrisiko. Mexikanische Unternehmen könnten zudem bei einer protektionistischeren Politik der USA 2017 zusätzlich unter Druck geraten, da das Land mit einem Exportanteil von 80 % besonders stark von den Geschäften mit dem Nachbarland abhängt.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt