Strommarkt Fehlende Investitionsanreize gefährden Versorgungssicherheit

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Energiewende stellt den deutschen Strommarkt vor eine Bewährungsprobe. Schon 2020 sollen erneuerbare Energien rund 35 % des Strombedarfs decken. Wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint, drohen in Spitzenzeiten mit hohem Stromverbrauch aber Deckungslücken, wie Pricewaterhousecoopers (PWC) mitteilt.

Anbieter zum Thema

(Bild: Nordex)

Zwar steige die potenziell verfügbare Menge an Strom aus regenerativen Quellen, dafür sinke die gesicherte Kapazität zur Stromerzeugung in Deutschland wegen des Atomausstiegs. Nach Berechnungen von PWC lag sie im Jahr 2012 noch bei 93 GW, im Jahr 2035 sollen es nur noch 73 GW sein. Diese Differenz entspreche der Leistung von 35 Gas- und Dampfkraftwerken.

Gesamtstabilität des Energiesystems wird bisher nicht vergütet

„Um die Versorgung in Zukunft zu garantieren, sind zusätzliche Kraftwerke notwendig, die mit herkömmlichen Energiequellen betrieben werden. Zusätzlich muss das Angebot an grünem Strom stärker mit der Nachfrage in Einklang gebracht werden. Bisher wird vor allem die Bereitstellung von Strom vergütet, nicht aber die Gesamtstabilität des Energiesystems. Daher muss das Design des Strommarkts entsprechend angepasst werden“, sagt Norbert Schwieters, Industry Leader für Energiewirtschaft Deutschland bei PWC, aus Anlass der 20. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft.

Insbesondere Gas- und Dampfkraftwerke eignen sich nach Auffassung der Unternehmensberater, um die drohenden Versorgungslücken sicher zu schließen. Allerdings lohne sich der Bau solcher Anlagen bei der gegenwärtigen Struktur des Strommarkts nicht. Denn aufgrund der zunehmenden Menge an grünem Strom würden die Strompreise an den Terminbörsen und die Einsatzzeiten der Kraftwerke sinken. Investoren könnten daher die zusätzlich benötigten Anlagen derzeit nicht wirtschaftlich betreiben.

Investoren erhalten derzeit keine Anreize für Reservekapazitäten im Strommarkt

Der Netzausbau sei ein weiterer wichtiger Schritt, um für einen besseren regionalen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage an grünem Strom zu sorgen. Ein Ansatzpunkt seien länderübergreifende Supernetze, auch Super Grids genannt. Zusätzlich biete das Speichermanagement Möglichkeiten, Überschüsse zu speichern – sei es in Form von Batteriesystemen oder von Gas, so Schwieters: „Viele dieser Ideen sind vielversprechend, aber derzeit noch nicht umsetzbar und marktreif.“

Im derzeitigen Strommarkt-Design fehlt es laut MItteilung an wirtschaftlichen Anreizen, um die in Zukunft nötigen Reservekapazitäten zu schaffen. Die Betreiber von Erneuerbaren-Energie-Anlagen geben den erzeugten Strom lediglich an die Netzbetreiber ab. Sie müssen aber keine Verantwortung für die Gesamtstabilität der Energieversorgung übernehmen und erhalten ihre Vergütung unabhängig davon, ob der Strom zu diesem Zeitpunkt gebraucht wird oder nicht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:37639540)