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Studie

Finanzkrise kann zu Energiekrise führen

24.11.2008 | Redakteur: Stéphane Itasse

Bernd Wöllner, Leiter Energy & Utilities bei Capgemini Consulting, befürchtet eine Energiekrise aufgrund zu geringer Investitionen. Bild: Capgemini
Bernd Wöllner, Leiter Energy & Utilities bei Capgemini Consulting, befürchtet eine Energiekrise aufgrund zu geringer Investitionen. Bild: Capgemini

Die Finanzkrise wird die notwendigen Investitionen von 1 Bill. Euro in den Ausbau der europäischen Energie-Infrastruktur beeinträchtigen. Deshalb droht nach dem Ende der Wirtschaftskrise mit dem dann kommenden Aufschwung eine Energiekrise, wie das Beratungsunternehmen Capgemini als Kernergebnis seines zehnten europäischen Energiereports ermittelt hat.

In den Jahren 2007 und 2008 war Europa nicht in der Lage, die Themen Versorgungssicherheit wie auch CO2-Emissionsreduzierung entsprechend anzugehen, teilte das Beratungsunternehmen am Montag mit. So stieg im Jahr 2007 – wenn auch langsamer als zuvor – die Nachfrage nach Strom um 0,9% und auch die Kohlendioxid-Emissionen sanken nicht wie geplant, sondern blieben auf Vorjahresniveau. Die Versorgungssicherheit nahm somit zwischen 2006 und 2007 trotz relativ mildem Wetter ab: Gemessen an der tatsächlich zur Verfügung stehenden Kapazität nach UCTE (Union for the Coordination of Transmission of Electricity)-Zahlen reduzierte sich die „Stromreserve“ in Europa in diesem Zeitraum von 7,6 auf 5,3%.

Energiebranche investiert zu wenig

„Ohne ein deutliches Investitionsprogramm für die Strom- wie auch Gas-Infrastruktur ist damit die Versorgung deutlich gefährdet. Der bevorstehende wirtschaftliche Abschwung wird zwar zunächst das Problem der drohenden Energieversorgungslücke zeitlich verschieben. Aber umso härter wird dann der Schock mit dem hoffentlich bald wieder startenden Aufschwung kommen“, sagt Bernd Wöllner, Leiter Energy & Utilities bei Capgemini Consulting. Das Beratungsunternehmen schätzt die notwendigen Investitionen in die Strom- und Gas-Infrastruktur auf rund 1 Bill. Euro verteilt über die nächsten 25 Jahre.

Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2005 haben die Versorgungsunternehmen zwar ihre Investitionen wieder gesteigert. Da jedoch etwa 58% der geplanten neuen Erzeugungskapazität auf fossilen Brennstoffen beruht, ist dies keine klare Entscheidung in Richtung weniger CO2-Emissionen.

Im Jahr 2007 stiegen die Investitionen in erneuerbare Energien, vor allem Windenergie, so dass 8,3 GW an Kapazität in Europa neu entstanden. Allerdings ist Windenergie keine planbare Größe und steht speziell zu den Peak-Zeiten nicht immer zur Verfügung. Unter anderem dies erklärt die schlechtere Lage bei der Versorgungssicherheit.

Energieunternehmen fusionieren häufiger

Auf europäischer Ebene haben mit GDF-Suez und Endesa-Enel/Acciona in der ersten Jahreshälfte 2008 einige Großfusionen stattgefunden, die ihrerseits aufgrund von Vorgaben der Regulierungsbehörden weitere Käufe und Verkäufe nach sich ziehen. Die bevorstehende Wirtschaftskrise wird gerade für Unternehmen mit einer gesunden Bilanz und hohen Barvermögen in nächster Zeit weitere Anlässe für Zukäufe schaffen – auch wenn die Finanzierung sicher schwieriger sein wird.

Auf der Seite der potenziellen Übernahmekandidaten stehen unter anderem junge Firmen sowie Marktneulinge mit schwächeren Bilanzen. Gleich ist allen Firmen in der derzeitigen Situation, dass sie ihre operative Kraft stärken müssen. Dies gilt vor allem für die internen Prozesse, ihre Organisation und die Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen.

„Es ist klar, dass die Themen Versorgungssicherheit und Klimaschutz spätestens zu Beginn des neuen Aufschwungs wieder auf den Tisch kommen. Und dann vehementer als je zuvor. Daher sollten Unternehmen wie auch Regierungen besser jetzt an ihren Investitionsplänen für Null-CO2 Erzeugungskapazitäten festhalten“, erläutert Wöllner.

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