Tiefbohrmaschinen Flexible Tiefbohrmaschinen durch modulare Bauweise

Autor / Redakteur: Jost Eppinger / Mag. Victoria Sonnenberg

Modularität und Kundennähe sind oft ein Garant für erfolgreiche Lösungen, so auch bei einem schwäbischen Tiefbohr-Maschinenhersteller, der mit seiner gelebten Konstruktionsweise mit modularen Systemkomponenten eine flexible Maschinenbauweise ermöglicht.

Firma zum Thema

Das Umrüsten der Typ-B80-Maschine vom Einlippen- auf das BTA-Verfahren erfolgt durch wenige, immer notwendige Wechselteile (Bohrbuchsenträger/Boza, Bohrölzuführung) und werkzeuglos, wenn möglich.
Das Umrüsten der Typ-B80-Maschine vom Einlippen- auf das BTA-Verfahren erfolgt durch wenige, immer notwendige Wechselteile (Bohrbuchsenträger/Boza, Bohrölzuführung) und werkzeuglos, wenn möglich.
(Bild: Martin Wagenhan)

Die Tibo Tiefbohrtechnik GmbH in Pfullingen bei Reutlingen ist ein schwäbischer Tiefbohr-Maschinenhersteller, der sich auf die Herstellung von Tiefbohrmaschinen für ein breites Anwendungsspektrum spezialisiert hat.

Bereits seit 1994 befasst sich Tibo mit der Tiefbohrtechnologie und hat sich am Markt als einer der führenden deutschen Hersteller für hochpräzise und leistungsstarke Einlippen- und BTA-Tiefbohrmaschinen etabliert. „Der Umzug in neue Räume war die logische Konsequenz unserer steigenden Verkaufszahlen und den stark wachsenden Marktanteilen. Die Professionalität, die unsere Kunden von uns gewohnt sind, spiegelt sich jetzt auch in einer neuen Corpo- rate Identity und modernem Markenauftritt deutlich wieder“, berichtet Benjamin Röcker, Vertriebsleiter der Tibo Tiefbohrtechnik GmbH.

Bildergalerie

Tiefbohrlösungen mit Bohrdurchmesser 2 bis 400 mm bei bis zu 12 m Bohrtiefe

Anfang 2016 wurde in neue Produktions- und Büroflächen investiert. Mit der steten Ausweitung der Produktpalette eröffnet sich Tibo immer weitere Märkte. Mittlerweile stehen Tiefbohrlösungen für alle Industriezweige und Anwendungsfälle mit Bohrdurchmesser 2 bis 400 mm bei bis zu 12 m Bohrtiefe bereit. „Dadurch lassen sich nahezu alle Anforderungen der heutigen Industrie erfüllen“, so Röcker weiter. Besondere Anforderungen stellte ein Unternehmen aus der Schweiz, das sich für Tibo entschied. „Wir konnten einen neuen Kundenauftrag gewinnen und brauchten dafür zusätzlich eine neue Maschine. Wir haben uns für Tibo entschieden, die uns die bestmögliche technische Lösung anbieten konnte“, sagt Markus Bär, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens Tiefbohrbär.

Eine von Tibo gelebte Konstruktionsweise mit modularen Systemkomponenten ermöglicht eine flexible Maschinenbauweise und deckt dadurch das große Angebotsspektrum mühelos ab. „Durch die Kombination verschiedener Standardkomponenten können wir stets eine auf den Kunden zugeschnittene Tiefbohrmaschine realisieren. Selbst Sondermaschinen können so auf einfache Weise aus unserem Baukastensystem heraus wiederum als Standard erstellt werden, wie zum Beispiel für das Tiefbohren von außermittigen Bohrung auf Teilkreisen. Eine aufwendige und für den Kunden teure Sonderkonstruktion ist deshalb nicht nötig, was unsere Maschinen definitiv zur attraktiven Lösung macht“, führt Röcker weiter aus.

Zielkunden hierfür sind laut Röcker unter anderem Unternehmen in der Erdölindustrie, wo extreme Verhältnisse von Bohrtiefe zu Bohrdurchmesser und außerzentrische Bohrungen in hochfeste Materialien wie Inconel gefordert sind. Die Standardmaschine in diesem Anwendungsgebiet kann bis Bohrdurchmesser 30 mm im Teilkreis auf bis zu 4500 mm tief bohren. Andere Ausführungen sind auch möglich.

„Speziell unsere Tiefbohrmaschine Typ B80 ist bei steigenden Verkaufszahlen bereits seit mehreren Jahren im Trend und von unseren Kunden gefragt“, so Röcker weiter.

Tiefbohrmaschine Typ B80 kombiniert bis zu sechs verschiedene Zerspanungsverfahren

Insgesamt können auf der B80-Tiefbohrmaschine bis zu sechs verschiedene Bearbeitungsverfahren kombiniert werden: Einlippentiefbohren, BTA-Tiefbohren stoßend, BTA-Aufbohren stoßend und ziehend (zur Reduzierung des – durch das stoßende Bohren – entstehenden Bohrungsmittenverlaufs) sowie Schälen und Glattwalzen einzeln und kombiniert (beispielsweise zur Herstellung von Hydraulikzylinderrohren). Auch denkbar sind Technologien wie Auskammern, im englischen auch Bottle Boring genannt (zur Herstellung beliebiger Innenkonturen für zum Beispiel Fahrwerke bei Flugzeugen). „Diese kommen aber überwiegend bei unseren größeren Baureihen, der B125, B160 und B250 zur Anwendung“, erklärt Röcker die Vorteile der Tiefbohrmaschine B80, die bereits mehrere Jahre im Standardprogramm zu finden ist.

Zielkunden für die B80-Baureihe mit kombiniertem ELB-/BTA-Verfahren sind zum einen Lohnbohrer mit großer Varianz im Bohrdurchmesser bei zum Teil kleinen Losgrößen, aber auch OEM mit einer großen Teilevielfalt oder Kunden mit begrenzten Platzverhältnissen, die aber beide Tiefbohrverfahren zur Anwendung bringen möchten. „Und natürlich all diejenigen, die auf lange Sicht einen Bedarf an solch einer Maschine schon sehen, vorerst aber nur eines der möglichen Verfahren benötigen“, ergänzt Röcker.

Einlippen-Tiefbohren und BTA-Tiefbohren auf einer einzigen Maschine

Tibo kennzeichnet seine Maschinen stets mit einem Kennbuchstaben (E = Einlippen-Tiefbohrmaschine, B = BTA-Tiefbohrmaschine) in Verbindung mit einer Kennzahl, die den maximalen Vollbohrdurchmesser angibt, gefolgt von einer Kennziffer für die Anzahl der Bohrspindeln und schließlich der Angabe der Bohrtiefe. Eine Maschine der Baugröße B80-1-3000 kann mit einer Bohrspindel bei einem Durchmesser von 80 mm 3000 mm tief vollbohren.

„Die B80-Baureihe kam daher in Frage, weil sie für uns als Lohnbohrer flexible Möglichkeiten für viele Bohrbereiche bietet“, ergänzt Bär. Die Maschine kombiniert die Zerspanungsverfahren Einlippentiefbohren und BTA-Tiefbohren auf einer Maschine und deckt dadurch einen Vollbohr-Durchmesserbereich 4 bis 80 mm und bis zu einem Durchmesser von 100 mm Aufbohren ab. Die benötigte Bohrtiefe ist dabei frei wählbar und kann auf Kundenwunsch festgelegt werden.

Das Umrüsten der Typ-B80-Maschine vom Einlippen- auf das BTA-Verfahren wurde durch Tibo clever gelöst, erfolgt durch wenige immer notwendige Wechselteile (Bohrbuchsenträger/Boza, Bohrölzuführung) und wo möglich werkzeuglos. „Uns war wichtig, unseren Kunden eine echte Lösung zu bieten, bei der die Maschinenbediener Ihre Tibo Maschine gerne und mit wenigen Handgriffen auf das andere Verfahren umstellen können.“

Neueste Steuerungstechnik mit hohem Bedienkomfort

In Sachen Elektronik bestückt Tibo seine Maschinen serienmäßig mit PLC (speicherprogrammierbaren Steuerungen, SPS) in Verbindung mit 9“ beziehungsweise 12“ großen Touch Panels, die durch hochauflösende Farbdisplays bestechen. Die eigens von Tibo entwickelte Steuerungssoftware ermöglicht mit der großen Displayanzeige einen hohen Bedienungskomfort und eine Übersicht über alle Prozessparameter.

Eine intuitive Bedienung des Touch Panels, ähnlich der eines Smartphones, ermöglicht das Einstellen der Prozessparameter schon durch wenige Fingertipps und ohne große Vorkenntnisse in der Programmierung von Werkzeugmaschinen.

„Bei konventionellen Tiefbohrmaschinen wird in der Regel nur die Z-Achse (Bohrachse) angesteuert, somit wäre es vermessen, wenn wir unseren Kunden hier eine aufwendiger zu programmierende und vor allem für diesen Einsatzzweck überdimensionierte CNC anbieten würden, die auch noch um einiges teurer ist als unsere leistungsstarken PLC.“

CNC kommen bei Tibo nur dann zum Einsatz, wenn es aufgrund der Zahl anzusteuernder Maschinenachsen erforderlich ist oder auf Kundenwunsch ausdrücklich gewünscht wird.

Eine hohe Prozesssicherheit bieten die Tiefbohrmaschinen des Pfullinger Unternehmens nicht nur durch die Überwachung aller wichtigen Prozessparameter, sondern auch mittels einer programmierbaren Spanbruch-Überwachung, die eine kurze Spanbildung ermöglicht.

Bei schwer zerspanbaren und vor allem langspanenden Werkstoffen ist dies unerlässlich, um lange Wirr- und Spiralspäne, potenzieller Auslöser für einen Spänestau und weitere prozesskritische Einflüsse wie Werkzeug-, Werkstück- oder in Folge auch eventuelle Maschinenbeschädigungen verlässlich zu vermeiden. „Wir legen großen Wert darauf, die Prozesssicherheit während des Bohrvorgangs stetig zu erhöhen“, so Röcker weiter. Zur Prozesssicherheit tragen auch die steife Schweißbettkonstruktion und die optionale Mineralgussfüllung der Tibo-Betten für zum Beispiel schwer zerspanbare Werkstoffe bei, um die schwingungsdämpfenden Eigenschaften der Maschinen nochmals zu erweitern. „Wir raten bewusst von veralteten Varianten wie armierten Betonfüllungen ab, da der Wassereintrag durch den nassen Beton und die dadurch entstehende Korrosion unseren Qualitätsansprüchen nicht gerecht wird.“ Hier arbeitet Tibo mit namhaften lokalen Partnern zusammen, die in ihrem Gebiet der Mineralgusstechnik ebenfalls zu den führenden Anbietern gehören. „Bei unseren Großmaschinen ist eine Füllung zum Teil sinnvoll, aber nicht für alle Anwendungen ist eine Mineralgussfüllung der Betten zwingend erforderlich. Hier beraten wir dann von Fall zu Fall und geben die langjährigen Erfahrungen und Know-how im Tiefbohren gerne an unsere Kunden weiter, um die für den jeweiligen Anwendungsfall optimale Konfiguration zu finden“, sagt Röcker.

Schnelle Lieferfähigkeit durch Modulbauweise

Durch standardisierte Komponenten – die für eine große Anzahl verschiedener Maschinentypen verwendet werden können –, ist stets eine rasche Lieferfähigkeit für Maschinen und auch für Ersatzteile gewährleistet. „Dadurch reduzieren sich auch unsere Lagerhaltungskosten auf ein Minimum. Diesen Preisvorteil geben wir auch gerne an unsere Kunden weiter“, erklärt Röcker.

Auf Kundenanfragen kann der Maschinenbauer schnell reagieren. Die Maschinen werden nach Auftragseingang innerhalb von durchschnittlich vier bis sechs Monaten in Betrieb genommen. „Wir konnten die benötigte Maschine bereits nach vier Monaten bei uns in Betrieb nehmen“, so Bär weiter.

Wenn Tiefbohrmaschinen noch schneller benötigt werden, empfiehlt Röcker einen Blick in das auf der Homepage befindliche Express-Lieferprogramm: „Hier finden unsere Kunden eine Reihe von Tiefbohrmaschinen, die für gängige Anwendungen vormontiert und gegebenenfalls innerhalb kurzer Zeit für ihren Einsatzzweck eingerichtet werden können.“

„Flexibilität und Zuverlässigkeit sind nicht nur bei unseren Maschinen zu finden, sondern auch bei unserem Serviceangebot eine absolute Grundvoraussetzung für eine langfristige Kundenbindung. Nichts ist schlimmer für den Kunden, als im Servicefall tagelang auf einen Monteur warten zu müssen.“

After-Sales-Service, Wartung und kurzfristiger Service vor Ort werden bei Tibo großgeschrieben und durch über 20 hochqualifizierte Servicefachkräfte gewährleistet.

„Bei Bedarf sind wir durch unser ausgeprägtes Netz an Servicefachkräften innerhalb weniger Stunden vor Ort, um unseren Kunden als kompetenter Partner mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und das weltweit. Je nach Modell verfügen die Maschinen auch über Bohrdatenspeicher in denen sich wiederkehrende Anwendungen speichern und einfach aufrufen lassen.

In Kombination mit einer Remote-Fähigkeit können nicht nur Prozessdaten vom PC-Arbeitsplatz ausgewertet und Schnittdaten in die Maschine eingespielt, sondern auch ein echter Fernzugriff, etwa zu Wartungs- und Servicezwecken, durch Tibo-Servicetechniker realisiert werden“, so Röcker. MM

* Jost Eppinger ist Geschäftsführer der Tibo Tiefbohrtechnik GmbH in 72793 Pfullingen, Tel. (0 71 21) 9 94 26-0, info@tibo.com

(ID:44165896)