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Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

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So sieht ein Ausbildungsraum bei Kaeser Kompressoren in Coburg aus.
So sieht ein Ausbildungsraum bei Kaeser Kompressoren in Coburg aus.
(Bild: Kaeser Kompressoren Ausbildung GmbH)

Erfahrungen aus Unternehmen

Im oberfränkischen Unternehmen Kaeser Kompressoren SE wird Ida bereits seit 2016 umgesetzt. Es bildet bei dem Hersteller von Druckluftsystemen allerdings nur einen Baustein in der Erfahrung mit Auszubildenden internationaler Herkunft. Vorstandsvorsitzender Thomas Kaeser fördert am Standort in Coburg bereits seit 2013 die Ausbildung Jugendlicher aus dem EU-Raum und aus Ländern außerhalb der EU. „Diese umfangreichen Erfahrungen sind ganz selbstverständlich in das Projekt Ida miteingeflossen“, so Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf. Engagierte Ausbilder, ein eigens eingestellter Sozialpädagoge und unternehmensinterner zusätzlicher Deutschunterricht sind weitere wesentliche Eckpfeiler bei Kaeser. 21 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund wurden geschaffen und somit lag der Anteil an ausländischen Ausbildungsbeginnern im September 2016 bei circa 30 %. Insbesondere die unterschiedlichen Bleibeperspektiven der Flüchtlinge machen es den Unternehmen nicht gerade leicht, wenn es um die hohen bürokratischen Anforderungen geht, die es zu erfüllen gilt.

Die Maschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH hat mit Unterstützung des Ida-Projektes einen jungen syrischen Flüchtling gefunden, der nun die Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren wird. Der Umgang mit komplexen Maschinensystemen stellt hohe Anforderungen an künftige Auszubildende. „Schulausbildung und eventuelle weiterführende Ausbildung im Herkunftsland sind daher maßgebliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung bei uns“, so der Ausbildungsleiter Klaus Damaschke. Das mittelständische Unternehmen mit rund 530 Mitarbeitern hat bei der Auswahl stark auf die Unterstützung durch Ida zurückgegriffen und in einem Auswahlverfahren den jungen Mann gefunden. „Unser Auszubildender aus Syrien ist hoch motiviert, spricht schon gut Deutsch und hat sich in die Gruppe sehr gut eingefügt“, lobt Personalreferent Jens Rattay. Dennoch sei es ein langer, aufwendiger Weg, einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund auf seinem beruflichen Wege zu begleiten. Die Erfahrung zeigt, dass die Ausbildungs- und Berufserfahrung aus den Herkunftsländern den komplexen Anforderungen in Deutschland eher nicht entsprechen und daher intensive individuelle Unterstützung erforderlich machen.

Hindernisse bei der Eignungsfeststellung

Gerade wenn es um junge Menschen geht, die für eine Ausbildung infrage kommen können, zeigen sich Hindernisse. Eine Kompetenzfeststellung ist durch fehlende Zeugnisse oft nicht möglich. Die Sprachbarriere erschwert zusätzlich den Zugang. Deshalb wurde bei der Auswahl zunehmend der praktische Weg gewählt, den Beruf durch Ausprobieren kennenzulernen. So durchliefen bei Kaeser Kompressoren rund 70 Aspiranten 2016 ein Praktikum, um die Eignung für die angebotenen Berufe (Maschinen- und Anlagenführer, Industrieelektriker, Fachlagerist und Industriekaufmann) festzustellen. Unterstützt wurden alle Unternehmen dabei durch die ansässigen Schulen und die Ida-Navigatoren des Verbandes. Ein gemeinschaftliches Engagement, das sich, so der Tenor der Unternehmen, auf lange Sicht auszahlen wird.

* Maria Sonneck ist freie Fachjournalistin in 96450 Coburg, Tel. (01 77) 1 40 10 93, redaktion@industrie-kommunikation.de

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