Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

Autor / Redakteur: Maria Sonneck / Melanie Krauß

Mit „Bayernturbo 2.2“ startet die VBW einen weiteren Baustein des Ida-Integrationsprojektes für Flüchtlinge. Das Projekt soll Unternehmen und Asylbewerber bei der Vermittlung und dem erfolgreichen Abschluss von Ausbildungen unterstützen.

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Johnny hat 2017 seine Ausbildung bei der Maschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH angefangen.
Johnny hat 2017 seine Ausbildung bei der Maschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH angefangen.
(Bild: Jingcheng Holding Europe GmbH)

Für die VBW – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. – bedeutet die nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie wird aber auch nur dann erfolgreich verlaufen, wenn Asylbewerber gezielt den Weg in eine Erwerbstätigkeit finden. Mit dem Programm Ida (Integration durch Ausbildung und Arbeit) unterstützen die VBW und die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm bayerische Unternehmen bei der Integration. Die Maßnahmen setzen gleichermaßen in den Bereichen Berufsorientierung, Ausbildungsvorbereitung, Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt an. Allein in den vergangenen zwei Jahren sind, so die VBW, rund 2400 Asylbewerber fit für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gemacht worden. Von diesen haben circa 30 % innerhalb kürzester Zeit eine Beschäftigung, eine Einstiegsqualifizierung oder eine Ausbildung aufgenommen. „An diesen Erfolg wollen wir mit ‚Bayernturbo 2.2‘ anknüpfen“, erklärt VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Ida-Projekt
  • Das Programm Ida – Integration durch Ausbildung und Arbeit wurde 2015 ins Leben gerufen von der VBW gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung, der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit und den bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbänden bayme vbm.
  • Auf die abgeschlossenen Projektbausteine "Ida 120", "Ida Bayernturbo" und "Ida 1000" folgt nun "Bayernturbo 2.2".
  • In 15 Einzelprojekten wurden bislang über 7 Mio. Euro investiert.
  • Beschäftigung stabilisieren

    Seit dem 1. März 2018 bereitet das neue Projekt junge Flüchtlinge mit guter Vorbildung und Bleibeperspektive innerhalb von sechs Monaten auf eine betriebliche Ausbildung, eine Einstiegsqualifizierung oder Beschäftigung vor. Ziel dabei ist es, die Beschäftigung nachhaltig zu stabilisieren und Unternehmen und Auszubildende dabei zu unterstützen, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Das Projekt teilt sich in zwei Phasen. Während der ersten sechs Monate durchlaufen die Teilnehmer einen berufsbezogenen Integrationskurs. Neben der Vertiefung der notwendigen Sprachkenntnisse zielt er darauf ab, durch Praktika und Arbeitserprobungen die Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. In einer zweiten Phase werden alle Teilnehmer, die eine Beschäftigung aufgenommen haben, bis zu zwölf Monate von Coaches begleitet. Diese helfen unter anderem bei alltäglichen Angelegenheiten wie Behördengängen und der Wohnungssuche. Das Angebot und die Vermittlung von Freizeitangeboten erleichtern zudem die soziale und gesellschaftliche Integration als wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Integration. Auch die Unternehmen erhalten Unterstützung, zum Beispiel bei interkulturellen Fragestellungen, bei der Vermittlung von Förderinstrumenten oder bei behördlichen Angelegenheiten.

    So sieht ein Ausbildungsraum bei Kaeser Kompressoren in Coburg aus.
    So sieht ein Ausbildungsraum bei Kaeser Kompressoren in Coburg aus.
    (Bild: Kaeser Kompressoren Ausbildung GmbH)

    Erfahrungen aus Unternehmen

    Im oberfränkischen Unternehmen Kaeser Kompressoren SE wird Ida bereits seit 2016 umgesetzt. Es bildet bei dem Hersteller von Druckluftsystemen allerdings nur einen Baustein in der Erfahrung mit Auszubildenden internationaler Herkunft. Vorstandsvorsitzender Thomas Kaeser fördert am Standort in Coburg bereits seit 2013 die Ausbildung Jugendlicher aus dem EU-Raum und aus Ländern außerhalb der EU. „Diese umfangreichen Erfahrungen sind ganz selbstverständlich in das Projekt Ida miteingeflossen“, so Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf. Engagierte Ausbilder, ein eigens eingestellter Sozialpädagoge und unternehmensinterner zusätzlicher Deutschunterricht sind weitere wesentliche Eckpfeiler bei Kaeser. 21 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund wurden geschaffen und somit lag der Anteil an ausländischen Ausbildungsbeginnern im September 2016 bei circa 30 %. Insbesondere die unterschiedlichen Bleibeperspektiven der Flüchtlinge machen es den Unternehmen nicht gerade leicht, wenn es um die hohen bürokratischen Anforderungen geht, die es zu erfüllen gilt.

    Die Maschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH hat mit Unterstützung des Ida-Projektes einen jungen syrischen Flüchtling gefunden, der nun die Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren wird. Der Umgang mit komplexen Maschinensystemen stellt hohe Anforderungen an künftige Auszubildende. „Schulausbildung und eventuelle weiterführende Ausbildung im Herkunftsland sind daher maßgebliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung bei uns“, so der Ausbildungsleiter Klaus Damaschke. Das mittelständische Unternehmen mit rund 530 Mitarbeitern hat bei der Auswahl stark auf die Unterstützung durch Ida zurückgegriffen und in einem Auswahlverfahren den jungen Mann gefunden. „Unser Auszubildender aus Syrien ist hoch motiviert, spricht schon gut Deutsch und hat sich in die Gruppe sehr gut eingefügt“, lobt Personalreferent Jens Rattay. Dennoch sei es ein langer, aufwendiger Weg, einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund auf seinem beruflichen Wege zu begleiten. Die Erfahrung zeigt, dass die Ausbildungs- und Berufserfahrung aus den Herkunftsländern den komplexen Anforderungen in Deutschland eher nicht entsprechen und daher intensive individuelle Unterstützung erforderlich machen.

    Hindernisse bei der Eignungsfeststellung

    Gerade wenn es um junge Menschen geht, die für eine Ausbildung infrage kommen können, zeigen sich Hindernisse. Eine Kompetenzfeststellung ist durch fehlende Zeugnisse oft nicht möglich. Die Sprachbarriere erschwert zusätzlich den Zugang. Deshalb wurde bei der Auswahl zunehmend der praktische Weg gewählt, den Beruf durch Ausprobieren kennenzulernen. So durchliefen bei Kaeser Kompressoren rund 70 Aspiranten 2016 ein Praktikum, um die Eignung für die angebotenen Berufe (Maschinen- und Anlagenführer, Industrieelektriker, Fachlagerist und Industriekaufmann) festzustellen. Unterstützt wurden alle Unternehmen dabei durch die ansässigen Schulen und die Ida-Navigatoren des Verbandes. Ein gemeinschaftliches Engagement, das sich, so der Tenor der Unternehmen, auf lange Sicht auszahlen wird.

    * Maria Sonneck ist freie Fachjournalistin in 96450 Coburg, Tel. (01 77) 1 40 10 93, redaktion@industrie-kommunikation.de

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