Studie Fokussierung auf Kerngeschäft lohnt sich in der Krise erst recht

Redakteur: Stéphane Itasse

Verfolger in einem Markt mit schwachem Kerngeschäft haben in der vergangenen Rezession doppelt so viel an Wert eingebüßt wie die jeweiligen Marktführer. Außerdem verzeichneten sie zwei- bis fünfmal stärkere Schwankungen bei ihren Gewinnmargen als die Spitzenreiter in der jeweiligen Industrie, wie die Unternehmensberatung Bain & Company ermittelt hat.

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Nur eines von zehn Unternehmen schaffe nachhaltig Wert und habe sich damit während der letzten zehn Jahre als „Sustained Value Creator“ erwiesen. Das sind die Kernergebnisse der Bain-Studie, die im Buch „Profit from the Core: A Return to Growth in Turbulent Times“ vorgestellt werden, wie die Unternehmensberatung mitteilt.

Umfeld bleibt für Unternehmen schwierig

Nahezu alle Branchen erholten sich nach der Rezession nur schleppend und die Weltwirtschaft sehe sich einem Jahrzehnt langsamen Wachstums gegenüber. Rund zwei Drittel aller Unternehmen durchlebe zurzeit fundamentale Veränderungen. Und die Beschäftigungsquote werde frühestens in fünf Jahren auf Vorrezessionsniveau zurückkehren. Dieses schwierige Umfeld stelle selbst für die Wachstumsziele der besten Unternehmen eine große Herausforderung dar.

Die Unternehmensberatung hat nach eigenen Angaben über 2000 Unternehmen in zwölf Industrie- und Schwellenländern über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Nur eines von zehn Unternehmen wachse nachhaltig profitabel, das heißt mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatz- und Ertragswachstum von inflationsbereinigt 5,5%, und verdiene gleichzeitig seine Kapitalkosten. Fast alle diese „Sustained Value Creators“ (95%) zählten zu den Marktführern in ihrem Kerngeschäft.

Marktführer auch in angrenzenden Geschäftsfeldern erfolgreicher

Die Analysen würden zudem zeigen, dass marktführende Unternehmen ihre Wachstumszyklen vortrefflich meistern: Ihre Kapitalrenditen seien im Durchschnitt fast doppelt so hoch wie die der Verfolger. Und ihr Wachstumserfolg in angrenzende Geschäftsfelder sei zweieinhalb- bis dreimal größer als der ihrer Verfolger.

Nachhaltig Wert schaffende Unternehmen folgen laut Studie einem dreistufigen Wachstumszyklus:

  • Fokus auf ein klar definiertes Kerngeschäft, welches zum vollen Potenzial entwickelt wird
  • Behutsame Expansion in eng benachbarte Geschäftsfelder, häufig auf Basis bewährter und wiederholbarer Erfolgsrezepte
  • Neudefinition des Kerngeschäfts, wenn es die Marktentwicklung und -turbulenzen erfordern

„Die Erfolgschancen von Unternehmen, die auf neue, ihnen völlig unbekannte Märkte drängen, sind sehr gering“, sagt Rolf-Magnus Weddigen, Managing Director von Bain & Company in Deutschland. Marktführer würden sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie sich auf eine nachhaltige Wertschöpfung konzentrieren. Sie könnten ihre Marktstellung oft dadurch behaupten und ausbauen, dass sie das volle Potenzial ihres Kerngeschäfts ausschöpfen und Wachstumserfolgsrezepten folgen, die sich schon in der Vergangenheit bewährt haben.

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