Suchen

Rohstoffe Forscher plädieren für Gras und Bäume statt Erdöl und Kohle

| Redakteur: M.A. Frauke Finus

Mehrjährige Pflanzen haben großes Potenzial, den wachsenden Bedarf an nachhaltig produzierter Biomasse in der wachsenden Bioökonomie zu decken – so ein Ergebnis der Perennial Biomass Crops Conference 2015 an der Universität Hohenheim.

Firma zum Thema

Die mehrjährigen Pflanzen können das Tank/Teller-Problem zwar nicht endgültig lösen, aber lindern.
Die mehrjährigen Pflanzen können das Tank/Teller-Problem zwar nicht endgültig lösen, aber lindern.
(Bild: Jan Becke - fotolia.de)

Ob als Energieträger, Dämmstoff, Spanplatte, Plastikflasche oder Blumentopf: Mehrjährige Gräser, Bäume und andere Pflanzen rücken im wachsenden Bedarf nach alternativen Rohstoffen weltweit immer mehr in den Fokus. Wissenschaftler und Landwirte sehen in den mehrjährigen Pflanzen jedoch nicht nur eine alternative Ressource zu Erdöl, sondern eine Möglichkeit, versalzene und seit Jahren ungenutzte Böden auf der ganzen Welt sinnvoll zu nutzen und langfristig für die Nahrungsproduktion wieder fit zu machen.

Die Produktion dieser alternativen Rohstoffe, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, sollte daher unterstützt und ausgeweitet werden.

Mais ist eine der Pflanzen, auf die Landwirte in jüngster Vergangenheit stark setzten. Je nach Sorte dienen Maisprodukte als Lebensmittel, als Tierfutter oder als Energieträger. Pro Hektar kann Mais 20–25 t Pflanzenmasse produzieren. Aufgrund dieser hohen Erträge und seiner guten Verarbeitbarkeit ist er ökonomisch interessant.

Doch Mais ist auch stark in die Kritik geraten. Denn er ist anspruchsvoll. Mais braucht zum Beispiel Dünger und gute Böden, die auch für die Nahrungsmittelproduktion interessant wären.

Riesengräser & Co. sind genügsame Alternativen

Dass es bessere Alternativen zu Mais gibt, belegen derzeit 130 Wissenschaftler und Praktiker auf der Perennial Biomass Crops Conference an der Universität Hohenheim. Im Herbst haben sie aktuelle Forschungsergebnisse und Praxisversuche aus ganz Europa vorgestellt. Statt auf Mais setzen diese Pioniere auf Gras, Bäume und andere mehrjährige Pflanzen. Ihr Vorteil:

  • Die Wurzeln der Pflanzen reichen tiefer. Sie können deshalb auf Böden gedeihen, deren Oberböden versalzen oder ausgelaugt sind, sowie unter Bedingungen von Trockenstress wachsen.
  • In der Folge kommen sie auch gut mit Böden zurecht, die für Nahrungsmittelproduktion nicht in Frage kommen und müssen deshalb nicht mit ihnen in Konkurrenz treten.
  • Sie benötigen wenig Dünger und Pflanzenschutz und können bei geringem Aufwand einen hohen Biomasseertrag bilden.
  • Außerdem stabilisieren sie die oberen Bodenschichten, verhindern Erosion und bauen wieder gesunden Boden auf.

Gras & Co. können Rohstoff- und Nahrungsprobleme nicht lösen – aber lindern

„Die mehrjährigen Pflanzen können das Tank/Teller-Problem zwar nicht endgültig lösen“, sagt die Dr. Iris Lewandowski, Agrarwissenschaftlerin der Universität Hohenheim, ausdrücklich am Rande der Konferenz: „Die Gräser und andere Pflanzen können die fossilen Rohstoffe nicht vollständig ersetzen. Und auf guten Böden sollte Lebensmittelanbau immer Vorrang haben.“ Aber „die mehrjährigen Gräser und Pflanzen können einen Beitrag zur Rohstoffversorgung leisten. Und unser Ziel ist es, marginale Böden sinnvoll zu nutzen und wieder für die Nahrungsmittelproduktion fit zu machen.“

(ID:43637599)