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Forschungsförderung Forschung macht Standort Österreich dynamisch

| Autor / Redakteur: René Siegl / Stéphane Itasse

Hohe Steuern und viel Bürokratie – so sehen einige Unternehmer Österreich. Doch der Wirtschaftsstandort gehört in vieler Hinsicht zu den attraktivsten in Europa, und die Regierung setzt derzeit viel daran, diese Position auszubauen.

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Das Forschungszentrum für die Automobil- und Bahnindustrie Virtual Vehicle trägt zur Innovationsfähigkeit des Forschungsstandorts Österreich bei.
Das Forschungszentrum für die Automobil- und Bahnindustrie Virtual Vehicle trägt zur Innovationsfähigkeit des Forschungsstandorts Österreich bei.
(Bild: Virtual Vehicle)

Die österreichische Regierung hat einiges auf der Agenda stehen. Neben der EU-Ratspräsidentschaft steht vor allem der Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich im Fokus. Dieser soll in naher Zukunft für internationale Unternehmen und Investoren attraktiver gestaltet werden. In der Wahrnehmung vieler sind die relativ hohe Steuerquote von 43 % oder die administrativen Auflagen noch immer überrepräsentiert. Dabei übersehen manche Investoren die Vorteile des Standorts und schrecken vor größeren Engagements zurück.

Darauf hat der Ministerrat nun reagiert. So soll etwa die Steuerquote auf 40 % gesenkt werden. Gleichzeitig will man die Bürokratie auf ein erträgliches Maß reduzieren. Aktuell steht mit dem zweiten Bundesrechtsbereinigungsgesetz die bislang umfangreichste Entrümpelung der österreichischen Rechtsordnung bevor. Dabei werden ab 2019 rund 2500 Gesetze und Verordnungen aus dem Rechtsbestand gestrichen. Weitere Gesetze sollen verständlicher formuliert werden. Zusätzlich soll ein neues Standortentwicklungsgesetz die Bewilligung wichtiger Infrastrukturprojekte beschleunigen. Rascher abgewickelt werden damit vor allem jene Projekte, die zum Beispiel Arbeitsplätze schaffen, wichtige Investitionen mit sich bringen oder Forschung und Entwicklung fördern.

Österreich investiert über 3 % des BIP in Forschung

Insbesondere Letzteres ist für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts entscheidend. Der Bereich Forschung und Entwicklung prägt bereits seit vielen Jahren die erfolgreiche Wirtschaft des Landes. Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Forschungsquote, die die Bruttoinlandsausgaben für Forschung im Verhältnis zum BIP setzt, von 1,53 % auf aktuell 3,19 % gestiegen.

Das Land zählt zu den wenigen Ländern, die das erklärte forschungspolitische Ziel der EU – eine Quote von 3 % bis 2020 – bereits übertreffen. Österreichs Entwicklungsdynamik in diesem Bereich ist damit eine der stärksten in Europa. Im Vergleich liegt die Republik mit der Forschungsquote an zweiter Stelle hinter Schweden und hat neben Deutschland auch Dänemark und Finnland überholt.

Auf diesen Platz hat die österreichische Regierung hingearbeitet. Seit Jahren rangiert man im EU-Vergleich bei der steuerlichen Forschungsförderung im Spitzenfeld. Dennoch erhöhte man zu Jahresbeginn die sogenannte Forschungsprämie sogar noch einmal von 12 auf 14 %. Für die kommenden Jahre setzt sich die Regierung aber ehrgeizigere Ziele: Ihre Strategie sieht Österreich im Jahr 2020 als einen Innovationsführer in Europa.

Modernisierte Ausbildung unterstützt die Forschung

Wo Forschung eine große Rolle spielt, ist auch Bildung ein Muss. Denn nur mit bestens ausgebildeten Forschern lassen sich Entwicklungen und Innovationen vorantreiben. Langfristig steigert das die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Deshalb investiert Österreich, das ohnehin für sein hohes Ausbildungsniveau bekannt ist, aktuell auch einiges in die Schaffung neuer beziehungsweise in die Modernisierung bestehender Lehrberufe. Dabei sind bereits 13 Berufsbilder entstanden, die auch den aktuellen Anforderungen der Unternehmensrealität gerecht werden. Diese kommen übrigens auch bei zahlreichen Schwergewichten der deutschen Wirtschaft, die bereits in Österreich angesiedelt sind, zum Einsatz. So betreibt Bosch mit 700 Ingenieuren in Wien, Linz und Hallein wichtige Entwicklungs-Kompetenzzentren für Kraftfahrzeug-Technik und Siemens beschäftigt in den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung mehr als 10.000 Mitarbeiter. Mit einem Forschungsanteil von 23 % des Gesamtumsatzes ist Infineon in Sachen Forschung das führende Unternehmen des Landes.

Doch auch andere deutsche Unternehmen wissen die guten Rahmenbedingungen des Standorts Österreich seit Jahren zu schätzen und belegen traditionell den ersten Platz bei den Neuansiedlungen. Schon 9000 von ihnen haben den Schritt Richtung Süden gewagt. Insgesamt 344 Unternehmen aus dem Ausland hat die Austrian Business Agency – kurz ABA – im vergangenen Jahr bei der Ansiedlung im Land betreut. Die Investitionssumme stieg dabei um 2,6 % auf knapp 724 Mio. Euro. Diese Unternehmen wissen die Vorteile des Wirtschafts- und Forschungsstandorts Österreich zu genießen, zu denen neben den erwähnten Förderungen auch ganz pragmatische Aspekte wie der Zugang zum zentraleuropäischen Markt, Österreich als Ost-West-Drehscheibe der Wirtschaft und das hohe Produktivitätsniveau gehören.

* René Siegl ist Geschäftsführer der österreichischen Betriebsansiedlungsgesellschaft ABA – Invest in Austria in 1010 Wien (Österreich)

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