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Datenbrillen

Passauer Team erforscht Akzeptanz von Datenbrillen

| Redakteur: Frauke Finus

Der Blick durch die Datenbrille: Für den Brillenträger eine praktische Sache, die Gesprächspartnerin findet es möglicherweise weniger angenehm.
Der Blick durch die Datenbrille: Für den Brillenträger eine praktische Sache, die Gesprächspartnerin findet es möglicherweise weniger angenehm. (Bild: Uni Passau)

Mit technischen Systemen interagieren und dabei die Hände frei haben: Datenbrillen versprechen grundsätzlich großes Potenzial. Anwendungsbereiche reichen vom gezielten Informationsabruf in der Fertigungshalle bis zum mobilen Datenzugriff. Dennoch reagieren viele mögliche Nutzer mit Ablehnung. Warum das so ist, haben Passauer Forscher untersucht und daraus Empfehlungen entwickelt, was Hersteller künftig beachten können, um eine größere Akzeptanz der Brillen zu erreichen.

Die Untersuchung am Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Eingebettete Systeme mit dem Titel „Don’t look at me that way! – Understanding User Attitudes Towards Data Glasses Usage“ präsentiert die Ergebnisse eines zweistufigen Ansatzes: Zum einen wurden in einer Fokusgruppe mit sieben Teilnehmern mögliche Einsatzszenarien identifiziert und hinsichtlich ihres Konfliktpotentials klassifiziert. Zudem wurden in einer vertiefenden Benutzerstudie mit 38 Teilnehmern insgesamt 14 verschiedene Einsatzszenarien in 84 Variationen untersucht. Neben dem verwendeten Gerät wurde dabei auch die Perspektive, aus der die Szene gezeigt wurde, variiert.

Wird dieselbe Situation anders bewertet wenn sie aus der Perspektive des Benutzers (1. Person) beziehungsweise aus der Perspektive eines Gegenübers (2. Person) betrachtet wird? „Wir sind dabei insbesondere auf die Unterschiede in der Wahrnehmung der Nutzung von Datenbrillen im Vergleich zu etablierten Geräten, beispielsweise Smartphones, eingegangen“, sagt Marion Koelle, die die Studie zusammen mit Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Matthias Kranz verfasst hat. „Vereinfacht gesagt, haben wir eine Methode entwickelt, gesellschaftliche Akzeptanz szenario-bezogen quantitativ messbar zu machen. Gleichzeitig zeigen wir auf, welche Faktoren die Einstellung der Zielgruppe zur Nutzung von Datenbrillen beeinflussen können.“

Potenziale zum Wohle der Gesellschaft

Basierend auf den quantitativen und qualitativen Ergebnissen der Untersuchung leitet das Team Designempfehlungen ab, wie Hersteller und Anbieter die Entwicklung zukünftiger am Kopf getragener Geräte und deren Anwendungen verbessern können, damit sie von Anfang an besser angenommen werden. „Die gesellschaftliche Akzeptanz von Technologie ist grundlegende Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz technischer Systeme“, weiß Matthias Kranz. „Die Einführung neuer Technologien ist oft verbunden mit einer breiten Skepsis. Ein bekanntes Beispiel ist der Walkman. Damals waren die Bedenken der Bevölkerung so weitreichend, dass der Begriff des ‚Walkman-Effekts‘ geprägt wurde. Die Einführung von Google Glass, der monokularen Datenbrille des Internetkonzerns Google, erfolgte in einer bis dahin ungekannten Geschwindigkeit und unter immenser öffentlicher Anteilnahme.

Genauso schnell wie die weltweite Einführung in besonderen Teilnahmeprogrammen erfolgte, so schnell wurde die Technologie wieder vom Markt genommen – mangels Reife und auch mangels sozialer Akzeptanz. Mit der Marktrücknahme von Google Glass am 15. Januar 2015 erfolgte der Kurswechsel sogar noch schneller als wir unsere Ergebnisse der Studie vom April 2014 publizieren konnten. Es wurde für Träger von Datenbrillen sogar der Begriff des ‚Glassholes‘ (angelehnt an asshole, dt. Arschloch) geprägt. Mit unseren Arbeiten wollen wir dazu beitragen, dass neue Technologien ihre Potenziale zum Wohle der Gesellschaft entfalten können.“

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