Resale Gebrauchtmaschinenmesse profitiert vom boomenden Welthandel

Redakteur: Stéphane Itasse

Weingarten (si) - Vom 18. bis 20. April 2007 findet in Karlsruhe die 13. Auflage der Resale statt. Zur größten Gebrauchtmaschinenmesse der Welt erwartet der Veranstalter Hess GmbH erneut mehr als 500 Aussteller und rund 10000 Besucher aus über 100 Ländern, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

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Die Resale erwartet auch 2007 Besucher aus aller Welt. Bild: Resale
Die Resale erwartet auch 2007 Besucher aus aller Welt. Bild: Resale
( Archiv: Vogel Business Media )

„Im Zuge des boomenden Welthandels steigt die Nachfrage nach gebrauchten Maschinen und Anlagen sprunghaft an“ berichtet Jens Nagel. „Und das besonders aus Schwellenländern“, weiß der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Exporthandels (BDEx), Berlin – einer der Kooperationspartner der Gebrauchtmaschinenmesse.

Nagel verweist auf die wirtschaftlich wieder erstarkten Asean-Länder. „Auch die Nahost-Staaten und die GUS, allen voran die Länder Zentralasiens, suchen in großem Ausmaß Gebrauchtmaschinen deutscher Produktion.“ Aus Lateinamerika bekommt der BDEx verstärkt Anfragen nach gebrauchten Maschinen und Anlagen der Bergbautechnik und für die Lebensmittel-Verarbeitung.

Große Nachfrage nach Gebrauchtmaschinen in aller Welt

Das jährliche Handelsvolumen des weltweiten Gebrauchtmaschinenmarktes schätzen Experten auf über 100 Mrd. Euro. Angesichts der sehr guten Konjunktur gibt sich die European Association of Machine Tool Merchants (EAMTM) mit Sitz in Brüssel und Resale-Kooperationspartner, sehr erwartungsfroh: „Die Resale ist etwas Besonderes, weil sich eine große Anzahl von gebrauchten Maschinen vor Ort anfassen und erleben lassen“, sagt Hans-Jürgen Geiger, Aussteller und Präsidiumsmitglied des EAMTM.

Wie seine Unternehmerkollegen hat Geiger, Anbieter von Metallbearbeitungsmaschinen, in den letzten Monaten weltweit gute Geschäfte getätigt: „Wir hatten verschiedene Delegationen mit Kaufinteressenten aus Russland, Indien und Asien am Firmensitz zu Gast – und sogar ein Kunde aus Brasilien hat uns spontan besucht und gleich einen kompletten Container voller Maschinen geordert“, erzählt er von einem lukrativen Abschluss aus der jüngsten Vergangenheit.

Anteil der Resale-Auslandsbesucher dürfte 70% erreichen

Die Beobachtungen der Verbände decken sich mit den Erfahrungen der Resale-Organisatoren. Aus allen Teilen der Welt verzeichnen sie ein starkes Interesse. Der Anteil der ausländischen Einkäufer dürfte auf der Messe erneut über 70% liegen. „Ein Großteil der Nachfrage kommt nach wie vor aus osteuropäischen und asiatischen Ländern“, bestätigt Veranstalter Florian Hess. „Die Ukraine und Indien treten dabei erneut am stärksten in Erscheinung.“

Großer Bedarf ist im Iran, der Türkei, China, Sri Lanka, Pakistan, Ägypten und Algerien festzustellen. Das gilt ebenso für Russland, Polen, Belarus, Serbien wie für die afrikanischen Länder Nigeria, Sambia, Benin und die Demokratische Republik Kongo. Sogar in den Krisenländern Afghanistan und Irak wird zunehmend Interesse gezeigt.

Aus Lateinamerika sind Ecuador, Peru und vor allem Paraguay zu nennen. Speziell die Werbung der Deutsch-Paraguayischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Asunción war erfolgreich. „Über 19 Unternehmen erkundigten sich nach ganz bestimmten Gebrauchtmaschinen“, berichtet Marcelo Martinez, Leiter der AHK-Messeabteilung.

Mehr Besucher als bisher sind auch aus Albanien zu erwarten. Die Niederlassung der GTZ – Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit – in Tirana brachte bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit der Resale und der Visastelle der Deutschen Botschaft rund 110 Teilnehmer auf die Beine.

Hebel zum Verkauf neuer Maschinen

In Georgien hat speziell die GTZ-Niederlassung von Tiflis für die Resale 2007 umfangreich Werbung gemacht. Ohnehin ist Georgien ein aufstrebender Markt. „Die Regierung investiert viel in den Ausbau der Infrastruktur“, erzählt Detlef Tandetzki, „da werden zahlreiche Baumaschinen benötigt“, sagt der Verkaufsleiter Remarketing Europa beim Hersteller CNH, Case New Holland. Für CNH und den darin aufgegangenen Baumaschinenhersteller Orenstein & Koppel sind Gebrauchtmaschinen der Hebel zum Verkauf von Neumaschinen.

Diese Strategie soll in Georgien genauso funktionieren wie seinerzeit unter anderem in Ungarn. „Erst haben wir dort acht Jahre alte Maschinen verkauft, dann vier Jahre alte“, erinnert sich Tandetzki. „Jetzt verkaufen wir neue.“ So etwas klappt jedoch nur, wenn Gebrauchtmaschinen mit Top-Qualität geliefert werden. Das ist mitunter gar nicht so einfach, denn viele Erwerber wollen es gerne preisgünstig haben. „Wir haben viel Überzeugungsarbeit zu leisten – billig erworben bedeutet oft teuer gekauft.“

Gebrauchtmaschinen überbrücken Wartezeiten

Und CNH kennt noch andere Zusammenhänge zwischen gebraucht und neu: Weil die Nachfrage nach Neumaschinen zugelegt hat, werden weltweit immer mehr Gebrauchte verkauft. „Es fehlen zum Teil die Kapazitäten, um neue Produkte schnell liefern zu können“, analysiert Detlef Tandetzki. Die Wartezeit werde mit gebrauchten Maschinen überbrückt.

Ein anderes Phänomen, das immer mehr junge Gebrauchtmaschinen auf den Markt bringt, ist die Bereitstellung von so genannten Mietflotten. Für ganz bestimmte Projekte werden Neumaschinen im Rahmen von Leasing-Modellen überlassen, meist für zwölf bis 18 Monate. „Abhängig von der tatsächlichen Einsatzdauer nehmen wir dann Maschinen mit einem Restwert von plus/minus 70% des Neupreises zurück“, so Tandetzki. Diese Flotte stehe dann dem Gebrauchtmaschinenmarkt zur Verfügung. Während der Resale wird CNH auf 320 Quadratmetern im Freigelände vertreten sein: Der Standort Karlsruhe sei sehr gut, gerade auch durch die Nähe zum Elsass.

Metallbearbeitung macht größten Teil des Gebrauchtmaschinenangebots aus

Metallbearbeitungsmaschinen sind mit einem Anteil von über 50% nach wie vor am stärksten vertreten. „Knapp ein Fünftel der beteiligten Firmen bieten Kunststoffverarbeitungsmaschinen an“, zählt Florian Hess auf. „Holzbearbeitungsmaschinen, Verpackungsmaschinen und Antriebstechnik haben jeweils 10% der beteiligten Firmen im Angebot.“ Gut dabei sind Nahrungsmittelmaschinen, Baumaschinen, Landmaschinen, Nutzfahrzeuge sowie Druck- und Papierverarbeitungsmaschinen.

„Robotik und Automation, Mess- und Prüftechnik und Ausrüstung für Entsorgung und Recycling finden sich ebenfalls an den Ständen“, ergänzt Hess. „Weitere Produktgruppen sind Textilmaschinen, Telekommunikations- und EDV-Technik, Medizin- und Verfahrenstechnik sowie Energietechnik und chemisch-pharmazeutische Maschinen.“

Deutlich mehr als ein Drittel der Aussteller kommt aus dem Ausland. Spitzenreiter mit 36 teilnehmenden Firmen ist Frankreich, gefolgt von Italien mit 34, der Schweiz mit 31 und Großbritannien mit 22 Ausstellern. Ebenfalls stark vertreten sind die Niederlande, Österreich, Dänemark, Spanien und Belgien. Insgesamt 28 Länder präsentieren sich auf der Resale 2007. Die ausländischen Aussteller stammen unter anderem aus der Ukraine, Russland, der Slowakei, Iran, Israel, Kanada, Taiwan, Tschechien und den USA. 65% der Resale-Aussteller sind Händler und knapp 20% sind dem Herstellerbereich zuzuordnen.

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